Wimbledon Rafter und Sampras ziehen ins Finale ein
Wimbledon - Steffi Graf zitterte auf der Tribüne nicht nur wegen der Kälte, aber am Ende eines 3:18 Stunden dauernden Halbfinalkrimis war alles Daumendrücken der Brühlerin für ihren Freund Andre Agassi im Duell mit Patrick Rafter vergebens. Der Australier zog durch seinen überraschenden 7:5, 4:6, 7:5, 4:6, 6:3-Erfolg nach einer erstklassigen Leistung gegen den Mann aus Las Vegas zum ersten Mal in seiner Karriere in das Endspiel im Tennistempel von Wimbledon ein und hat damit auch das mögliche "Traumendspiel" zwischen Agassi und Pete Sampras verhindert.
Im zweiten Halbfinale standen sich anschließend der topgesetzte Titelverteidiger Sampras und der weißrussische Qualifikant und krasse Außenseiter Wladimir Woltschkow gegenüber. Der 22-Jährige ist der erste Qualifikant seit John McEnroe 1977, der die Vorschlussrunde in Wimbledon erreichte. Während es seine erste Halbfinalteilnahme in einem Grand-Slam-Turnier war, stand der sechsmalige Wimbledon-Champ Sampras bereits zum 20. Mal in einer Karriere in der Vorschlussrunde eines der vier wichtigsten Turniere.
Der zweimalige US-Open-Sieger Rafter revanchierte sich mit seinem vierten Erfolg über Agassi im elften Vergleich für die glatte Halbfinalniederlage an gleicher Stelle vor einem Jahr. Der "Aussie" zeigte konsequentes Serve- und Volleyspiel, ging bei jeder Gelegenheit ans Netz und setzte Agassi so immer wieder unter Druck. "Es ist wichtig, gegen Andre in Führung zu liegen und das Spiel zu bestimmen", sagte Rafter vor der Partie.
Das war ihm nach dem gewonnenen ersten Satz gelungen, als er einen Doppelfehler von Agassi zum entscheidenden Break zum 7:5 nutzen konnte. "Um eine Chance gegen ihn zu haben, würde ein schwacher Tag von Andre helfen", meinte der 27-Jährige aus Queensland vor dem Match. Der sechsmalige Grand-Slam-Champion aus den USA präsentierte sich tatsächlich nicht in der Superform vom Mittwoch, als er Rafters Landsmann Mark Philippoussis mit einer fast perfekten Leistung ausgeschaltet hatte.
Agassi konnte im zweiten Satz nach einem Break zum 4:5 zwar ausgleichen, verlor aber im dritten Durchgang wieder sein Service zum 7:5, nachdem er ein Break zum 3:5 noch postwendend wettmachen konnte. Im vierten Durchgang kämpfte sich Rafter, der über 50 Punkte am Netz gewann, nach einem schnellen 0:2-Rückstand zwar wieder zurück, musste den Durchgang aber doch noch abgeben. Im entscheidenden Satz gelang Rafter das Break zum 4:2 und beendete die Partie schließlich mit seinem ersten Matchball. Agassi muss damit nach dem Triumph von 1992 weiter auf seinen zweiten Wimbledon-Sieg warten.
Zuvor hatten Venus und Serena Williams das Doppel-Finale erreicht. Im ersten Halbfinale bezwangen die Schwestern aus Florida Anna Kurnikowa (Russland) und Natascha Zwerewa (Weißrussland) mit 6:3, 7:6 (7:4). Ihre Gegner wurden anschließend zwischen den topgesetzten Rennae Stubbs/Lisa Raymond (Australien/USA) und Julia Halard-Decugis/Ai Sugiyama (Japan) ermittelt. Venus Williams, die am Samstag im Einzel-Finale Lindsay Davenport gegenübersteht, strebt damit einen Doppelsieg beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt an.