Winokurow-Interview: "Sie wollen mich vernichten" - DER SPIEGEL
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Winokurow-Interview "Sie wollen mich vernichten"

Kein Geständnis, sondern Vorwürfe. Alexander Winokurow bestreitet in seinem ersten Interview nach dem Fremdblut-Befund, gedopt zu haben, und sieht Verschwörer am Werk: "Es ist eine Schande." Er gibt sich als Unschuld von Astana - und macht Wodka-Witze.
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Hamburg - "Das muss ein Fehler sein. Ich habe niemals gedopt, das ist nicht die Art, wie ich meinen Beruf ausübe", sagte Winokurow "L'Equipe". Es müsse sich um einen Fehler in Folge seines Sturzes handeln, so der Kasache. "Ich habe mit den Team-Ärzten gesprochen. Sie vertreten die These, dass sich danach eine große Menge Blut in meinen Beinen gesammelt hat, was zum positiven Test geführt hat."

Winokurow war bei einer Dopingprobe während der laufenden Tour de France am 21. Juli eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen worden. Zudem erklärte die Astana-Mannschaft mit sofortiger Wirkung den Rückzug von der 94. Frankreichrundfahrt. Damit ist die Tour auch für den Deutschen Andreas Klöden beendet.

Der Kasache sieht sich als Opfer einer Verschwörung. "Es geht schon seit Monaten so, sie versuchen, mich zu vernichten. Die Aufstellung unserer Mannschaft hat viele eifersüchtig gemacht und nun zahlen wir den Preis dafür", sagte Winokurow. Wer "sie" sein sollen, dazu äußerte er sich nicht. "Es ist eine Schande, die Tour auf diesem Wege zu verlassen, aber ich werde keine Zeit darauf verschwenden, meine Unschuld zu beweisen."

Sollte sich in der B-Probe der positive Befund bestätigen, droht ihm eine zweijährige Sperre und damit das Ende der Karriere.

Trotz des Ernstes der Lage fand der 33-Jährige noch Zeit, um Witze zu machen. "Ich habe gehört, ich soll eine Transfusion mit dem Blut meines Vater gemacht haben", sagte er, "das ist absurd. Dann wäre ich höchstens positiv auf Wodka getestet worden."

Die heutige Etappe begann mit einem Protest eines großen Teil des Fahrerfeldes. Spitzenreiter Michael Rasmussen aus Dänemark wurde mit ein paar Rabobank-Fahrern vorgeschickt, die anderen Teams, allen voran die "Gruppe der Acht" mit T-Mobile und Gerolsteiner, machten sich erst mit einer Verspätung von einigen Minuten auf den Weg. Man wolle am Tag nach dem Dopingfall Winokurow zeigen, dass man sich von Betrügern distanziere, sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer. Der ebenfalls unter Dopingverdacht stehende Rasmussen war bei der Einschreibkontrolle von den Zuschauern mit einem Pfeifkonzert bedacht worden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE gab es bei einigen Teams sogar die Überlegung, die Tour zu beenden und abzureisen. Es habe im Fahrerlager gestern Abend noch lange Diskussionen um den Fall Winokurow und die Folgen gegeben, sagte ein Teamchef SPIEGEL ONLINE. Dabei sei auch ein Boykott der heutigen Etappe in Betracht gezogen worden.

Tour-Chef Christian Prudhomme forderte in einem Interview mit der "International Herald Tribune" ein komplettes Umdenken. "Wir brauchen eine Revolution. Nur eine Revolution ändert das System", sagte er. Das System funktioniere nicht und betrüge Fans. Dennoch sollten die Radprofis "nicht aufgeben und weiterkämpfen."

Der kasachische Radsportverband zeigte sich "geschockt" von dem positivem Test Winokurows. Dennoch sei man von der Schuld des Teams Astana nicht überzeugt. "Heute gibt es in der Welt des Radsports viele Dopingskandale, bei denen letztlich die Beweise fehlen", sagte Geschäftsführer Alexander Antyschew. Sein Verband sei ein kompromissloser Gegner des Dopings, aber man müsse vor endgültigen Anschuldigungen erst die offiziellen Bestätigungen abwarten, so Antyschew.

bri/AP/dpa/sid

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