WM-Dritter Eckert "Einfach geil"
St. Anton - Er kam aus dem Nichts und raste zu Bronze: Glückstrahlend stand Florian Eckert im Zielraum der WM-Abfahrt von St. Anton, reckte die Arme in den blauen Himmel und konnte das Unfassbare kaum fassen. "Es ist der reine Wahnsinn, einfach genial." Er selbst beruhigte sich schnell, erzählte über sich und sein Leben - um ihn herum drehten alle durch.
"I wer naarrisch", brüllte ORF-Mann Armin Assinger ins Mikrophon, als der große Unbekannte mit der Nummer 25 über die Ziellinie schoss. "Du bist ein Wahnsinniger", rief sein Cheftrainer Martin Oßwald, "dass du auf einen guten Platz fährst, war mir klar.
Aber Bronze - nie im Leben. Das darf doch alles nicht wahr sein."
"Österreicher nicht mehr alleine am Berg"
War es aber doch. Mit der hohen Startnummer stürzte sich Florian Eckert an seinem 22. Geburtstag aus dem Starthaus und fuhr auf der schweren Piste Karl Schranz das Rennen seines Lebens. Unten feierten 20.000 freudentrunkene Österreicher bereits den ersten
großen Sieg des Seniors Hannes Trinkl vor Hermann Maier, doch plötzlich wurde es verdächtig still. "Mir ist das Herz stehen geblieben", gab Trinkl zu. Bis zur letzten Zwischenzeit nach 1:18 Minuten lag Florian Eckert sogar noch 0,17 Sekunden vor den großen
Favoriten, dann unterlief ihm in der vorletzten Kurve ein kleiner Fehler - trotzdem landete er im siebten Himmel.
"Heute ist mein Geburtstag. Ich musste mir nix beweisen, ich konnte locker drauflosfahren. Trotzdem bin ich mir gar nicht so gut vorgekommen", sagte er und grinste von einem Ohr bis zum anderen: "Ich bin total fertig von der Anstrengung, aber es ist ein gutes Gefühl. Einfach geil - jetzt sind die Österreicher nicht mehr alleine am Berg."
Trinkl siegte vor Maier
In 1:39,26 Minuten verdrängte Eckert den bis dahin auf Platz drei liegenden Schweizer Silvano Beltrametti (1:39,37) noch vom Podest und bescherte den krisengeplagten deutschen Männern die erste WM-Medaille seit 1989. Damals gewannen Hansjörg Tauscher Gold
in der Abfahrt und Armin Bittner Silber im Slalom, zwölf Jahre später stellt Florian Eckert die Abfahrtswelt auf den Kopf.
Gold holte sich in 1:38,74 Minuten der 33 Jahre alte Hannes Trinkl, der nach Olympia-Bronze 1998 in Nagano den ersten großen Sieg seiner langen Karriere feierte. Titelverteidiger Hermann Maier (1:38,94) musste sich nach Bronze im Super-G diesmal mit Silber
begnügen. "Ich bin schon enttäuscht, ich bin oben zu rund gefahren und habe dort alles verloren", gestand der "Herminator", der Eckert als einer der Ersten gratulierte: "Aber wenigstens habe ich jetzt alle Medaillen-Farben durch." Max Rauffer (Leitzachtal) machte mit Platz zehn (1:40,74) den deutschen Erfolgstag komplett.