WM in Melbourne DSV-Schwimmer chancenlos
Melbourne - "Ich kann mir das nicht erklären", sagte Buschschulte und fasste die Ratlosigkeit im Lager des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) nach der desolaten Vorstellung in Worte. Peinlicher Tiefpunkt war das Vorlauf-Aus von Weltrekordlerin Janine Pietsch.
Besser machten es zumindest die Wasserspringerinnen Heike Fischer aus Leipzig und Ditte Kotzian aus Berlin mit Synchron-Silber vom 3-Meter-Brett sowie die Wasserballer, die durch ein 6:3 gegen die USA erstmals seit Platz fünf 1991 in Perth bei einer WM wieder unter den besten acht Mannschaften der Welt stehen.
DSV-Sportdirektor Örjan Madsen ist in Australien nun als Psychologe gefordert, nachdem schon am ersten Wettkampftag vor allem die Frauen-Freistilstaffel als Vierte schwer enttäuscht hatte. "Wir dürfen den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Die WM ist noch lang", sagte der Norweger: "Manchmal platzt der Knoten eben später." Einziger Lichtblick in der Rod-Laver-Arena war der Auftritt von Paul Biedermann (Halle), der über 200 Meter Freistil in 1:48,43 Minuten als Siebter ins Finale einzog. Dort bekommt er es mit US-Superstar Michael Phelps zutun.
Buschschulte, bei der WM 2005 in Montreal noch Zweite, kam in 1:01,71 Minuten auf ihrer Paradestrecke 100 Meter Rücken nicht über Rang 13 hinaus. "Ich war hochmotiviert und gut drauf. Ich weiß nicht, wie das passieren konnte", meinte die sonst so stabile Magdeburgerin.
50-Meter-Weltrekordlerin Pietsch hatte es als 21. gar nicht erst ins Halbfinale geschafft und war anschließend wortlos geflüchtet. "Ich denke, sie hatte Angst, sich zu blamieren", suchte Bundestrainer Manfred Thiesmann nach Gründen für ihren Leistungseinbruch. In 1:02,72 Minuten blieb die Blondine aus Ingolstadt mehr als anderthalb Sekunden über ihrer Bestmarke. Meeuw schimpfte nach Platz 15 wie ein Rohrspatz. "Ich bin schwer betroffen. Das war eine desolate Leistung", sagte der Frankfurter, der über 100 Meter Rücken in 55,37 Sekunden fast zwei Sekunden über seinem Europarekord blieb.
Der Wuppertaler Steffen Driesen (54,97) verpasste als Neunter knapp den Endlauf. Vorzeitig auf der Strecke blieben über 100 Meter Brust auch die Hamburgerin Birte Steven in 1:09,46 als 14. und Janne Schäfer aus Wolfsburg (1:10,32) auf Rang 16.
Medaillen außer Reichweite
Die Finals fanden ohnehin ohne deutsche Beteiligung statt. Die Australierin Lisbeth Lenton sorgte über 100 Meter Schmetterling in 57,15 Sekunden für einen Heimsieg. US-Boy Brendan Hansen verteidigte ebenso erfolgreich seinen Titel über 100 Meter Brust (59,80) wie der Südafrikaner Roland Schoeman über 50 Meter Schmetterling (23,18) und die US-Amerikanerin Katie Hoff über 200 m Lagen (2:10,13).
Beim Springen mussten sich die Vize-Europameisterinnen Fischer und Kotzian mit 318,45 Punkten nur den Chinesinnen Guo Jingjing und Wu Minxia (355,80) geschlagen geben. Damit erfüllte mit insgesamt vier Medaillen zumindest das Springteam das Wunschergebnis. "Nach unseren Einzelwettkämpfen waren wir sehr enttäuscht, deshalb hatten wir uns nochmal viel vorgenommen. Das hat geklappt", erklärte Fischer.
Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm lobte nach dem 6:3 gegen die USA sein Team - und sich selbst. "Nach dem schwachen Spiel gegen Italien haben die Jungs große Moral gezeigt. Vor allem unser Torhüter Alexander Tchigir war überirdisch", sagte Stamm und fügte mit Blick auf gelungene taktische Umstellungen schmunzelnd hinzu: "Auch der Trainer war Weltklasse." Im Viertelfinale am Mittwoch (13 Uhr MESZ) wartet in Olympiasieger Ungarn aber ein scheinbar übermächtiger Gegner.
fpf/sid