WM-Qualifikation 2007: Turnerinnen retten Minimalziel - DER SPIEGEL
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WM-Qualifikation 2007 Turnerinnen retten Minimalziel

Beinahe wäre der Auftritt der deutschen Turnerinnen bei der Weltmeisterschaft in Aarhus zum Desaster geworden. Wäre da nicht Newcomerin Oksana Tschussowitina, die dem DTB-Team die Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Stuttgart 2007 sicherte.
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Aarhus - Die 31 Jahre alte Weltklasseathletin, seit knapp zwei Wochen im Besitz eines deutschen Passes, führte die Riege des Deutschen Turner-Bundes nach insgesamt sechs Stürzen am Schwebebalken in ruhigeres Fahrwasser und wenigstens zum Minimalziel.

Nach sechs von sieben Qualifikationsdurchgängen am Montag - drei finden erst am Dienstag statt - lag das Sextett von Bundestrainerin Ulla Koch auf dem zehnten Platz der Mannschaftswertung, Rang eins nahmen die USA deutlich vor Australien und Brasilien ein. Damit war den DTB-Mädchen unter insgesamt 34 Riegen Rang 24 nicht mehr zu nehmen, die Mindestplatzierung, um sich für die Welttitelkämpfe 2007 in Stuttgart zu qualifizieren. In der Hanns-Martin-Schleyer-Halle werden dann die Olympia-Tickets für Peking 2008 vergeben.

"Ich war schon ein bisschen nervös, weil ich zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren wieder ein Teil einer Mannschaft war. Aber ich habe mich bemüht, das nicht so sehr zu zeigen", sagte die gebürtige Usbekin, die Anfang der neunziger Jahre zu den Auswahlriegen der UdSSR und der GUS gehörte, in der Folgezeit aber nur noch als Einzelturnerin für Usbekistan in Erscheinung trat. Seit 1998 lebt sie in Köln, an der dortigen Universitätsklinik wurde ihr mittlerweile sieben Jahre alte Sohn Alischer wegen einer lebensgefährlichen Leukämieerkrankung behandelt.

Das Verbergen ihrer Nervosität war offenkundig außerordentlich erfolgreich, denn ihre Teamkolleginnen nahmen die Mannschafts-Olympiasiegerin von 1992 während des Wettkampfs als äußerst gelassen wahr. "Allein ihre Anwesenheit beruhigt uns, wir sind einfach nicht mehr so hektisch", sagte die deutsche Mehrkampf-Meisterin Daria Bijak, die von Fußverletzungen gehandicapt nicht zu ihrer besten Form fand.

Dank ihrer Allround-Qualitäten dürfte Tschussowitina sicher das Mehrkampf-Finale am Donnerstag (19.30 Uhr) erreichen. Mit zwei soliden Sprüngen hat sie auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Platz in der Geräteentscheidung beim Sprung am Freitag (19.00 Uhr/live bei Eurosport) gebucht.

Mit Tschussowitina, Bijak und auch der deutschen Vize-Meisterin Kim Bui aus Tübingen zeigte sich Bundestrainerin Ulla Koch zufrieden, mit anderen Athletinnen nicht. Besonders Heike Gunne (Niedergirmes) dürfte es spätestens im kommenden Jahr, wenn die bei der EM erfolgreichen Juniorinnen nachrücken, schwer haben, ihren Platz im Team zu behaupten.

"Es müssen Stammplätze hinterfragt werden. Ich werde in Zukunft nicht mehr alle Kompromisse eingehen, speziell, was die Trainingsumfänge angeht", erklärte Koch. Die Cheftrainerin verwies aber auch auf das Verletzungspech ihrer Riege: "Katja Abel und Jenny Brunner haben uns sehr gefehlt." Die Chemnitzerin Brunner hatte sich beim Podiumstraining in der NRGi-Arena die Schulter ausgekugelt, die EM-Dritte Abel bei der ersten WM-Qualifikation in Berlin einen doppelten Bänderriss im Fuß zugezogen.

reh/sid