World Teamcup Slowakei holt sich den Titel
Düsseldorf - Das Tennisteam der Slowakei hat zum ersten Mal die Mannschafts-Weltmeisterschaft gewonnen. Im Finale des World Team Cups in Düsseldorf gegen Russland machten Dominik Hrbaty und Karol Kucera bereits nach den beiden Einzeln die uneinholbare 2:0-Führung perfekt und sicherten ihrer Mannschaft die 500.000 Dollar Siegprämie. Die geschlagenen Russen durften sich immerhin noch mit 320.000 Dollar trösten.
Hrbaty gewann im besten Match des gesamten Turniers gegen den früheren Weltranglistenersten Jewgeny Kafelnikow 6:4, 7:6 (7:1). Anschließend setzte sich Kucera gegen den völlig indisponierten und lustlosen Marat Safin 6:3, 6:2 durch und blieb damit in allen vier Einzeln in Düsseldorf ungeschlagen. Beide Mannschaften, die zum ersten Mal im Finale des World Teams Cups standen, wurden noch am Samstagabend in einem vom Rochusclub angemieteten privaten Learjet nach Paris geflogen, wo am Montag im Stade Roland Garros die French Open beginnen.
Hrbaty und Kafelnikow lieferten sich ein Match, das den Zuschauern alles bot, was Sandplatztennis auszeichnet. Lange und teilweise spektakuläre Ballwechsel, kraftvolles Grundlinienspiel und gefühlvolle Stopps. "Ich wollte von Anfang an versuchen, ihm so weit wie möglich mein Spiel aufzuzwingen", erzählte der fröhlich grinsende Hrbaty anschließend: "Wenn Kafelnikow erstmal seinen Rhythmus gefunden hat, ist es schwer, ihn wieder zu stoppen."
Das Konzept ging auf. Hrbaty, der 1999 praktisch nebenbei sein Abitur nachgeholt hat und sich neuerdings mit kahl geschorenem Schädel zu den beachtlichen Segelohren präsentiert, schickte den blonden Russen phasenweise nach Belieben kreuz und quer über den Platz. Beide Spieler gehören in dieser Form zum Favoritenkreis für die French Open, obwohl Hrbaty die Euphorie dämpfte: "Jedes Match ist neu, man kann keine zwei Matches miteinander vergleichen. Außerdem geht es in Paris über drei Gewinnsätze, das ist ein großer Unterschied."
Kafelnikows junger Landsmann Marat Safin, einer der heißesten Tipps für die French Open, präsentierte sich im zweiten Einzel am Samstag so schwach wie lange nicht mehr. Gegen den entschlossen wirkenden Karol Kucera traf der 20 Jahre alte Shootingstar der letzten Wochen kaum einen Ball, verschenkte leichtfertig einfache Punkte und wirkte bei seinen durchaus zahlreichen Breakchancen unkonzentriert und fahrig.
Zudem sprach Safins Körpersprache Bände. Mit hängenden Schultern schlurfte er zwischen den Ballwechseln über den Platz, missmutig schleuderte er immer wieder den Schläger durch die Gegend oder schlug wütend Bälle ins Publikum. Sein Coach Andrej Tschesnokow, in dessen Amtszeit Safin seit Mitte April 19 von 22 Einzeln und zwei Turniere gewonnen hat, schüttelte missbilligend den Kopf: "Ich kenne Marat gar nicht wieder. Irgendwas stimmt nicht mit ihm." Immerhin hatte Safin im Laufe der Düsseldorfer Woche bis ins Finale nicht einen einzigen Satz abgegeben.