Zehnte Tour-Etappe Top-Sprinter Cavendish der Schnellste
Hamburg - Der Brite Mark Cavendish hat am französischen Nationalfeiertag den Gastgebern die Party verdorben und die zehnte Etappe der Tour de France gewonnen. Dabei konnte auch das erstmals durchgesetzte Funkverbot den 24-Jährigen in Issoudun nicht bremsen, wo er nach Brignoles und La Grande-Motte seinem dritten Etappensieg feierte. Der Fahrer des Teams Columbia verwies nach 194,5 Kilometern den Norweger Thor Hushovd und den US-Profi Tyler Farrar auf die Plätze. Bislang hatte Cavendish nur bei der Massenankunft in Barcelona gegen Hushovd den Kürzeren gezogen.
Im Gesamtklassement gab es nach der zehnte Etappe keine Veränderungen: Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Spitzenreiter Rinaldo Nocentini aus Italien, Alberto Contador (+6 Sekunden) und Lance Armstrong (+8) hält an. Andreas Klöden liegt weiter nur 54 Sekunden zurück. Tony Martin (+1:00 Minute) bleibt weiter Träger des Weißen Trikots und führt die Nachwuchs-Wertung nun seit einer Woche an. Das Grüne Trikot des besten Sprinters trägt weiterhin Cervélo-Profi Hushovd.
Nahezu über den gesamten Tag hatte eine vierköpfige Ausreißergruppe, darunter drei Franzosen, das Tempo bestimmt. Doch die Top-Teams gewährten ihnen nie mehr als höchstens dreieinhalb Minuten Vorsprung. 1700 Meter vor dem Ziel wurde die Gruppe dann gestellt. Im Finale lief wieder alles nach dem Plan von Rolf Aldags Columbia-Rennstall und Cavendish vollendete das Teamwork auf bekanntem Terrain. 2008 hatte der Schützling von Altmeister Erik Zabel in Chateauroux, 20 Kilometer von Issoudun entfernt, gesiegt.
Vor dem Start in Limoges hatte der Streit um das Funkverbot für Wirbel gesorgt. Trotz der Proteste vieler Teams blieb der Weltverband UCI hart, schickte die Fahrer erstmals seit 1993 ohne Knopf im Ohr los und unterstrich die sture Haltung. "Ich wäre mir nicht zu schade, jeden Fahrer nackt vor mir erscheinen zu lassen, um zu kontrollieren, ob er nicht doch ein Radio dabei hat", sagte UCI-Kommissar Martin Bruin.
Die Teams hatten zuvor Sicherheitsbedenken geäußert. Auch einem Kompromiss, dass nur zwei Profis pro Team mit Funk fahren, verweigerte sich die UCI. Als Folge dessen offenbarte die Etappe das Bild eines fast schon vergessenen Radsports, wo Fahrer sich für jede Absprache mit der Teamleitung aus dem Feld zurückfielen ließen.
Abseits der Strecke flammte erstmals eine Dopingdebatte auf. Der Chef der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, Pierre Bordry, warf der UCI vor, einige Tour-Fahrer nicht mit letzter Konsequenz zu testen. "Die Dopingkontrolleure sind nicht streng genug", zitierte ihn die belgische Zeitung "Het Nieuwsblad". Zugleich monierte der AFLD-Chef eine bevorzugte Behandlung einiger Profis durch die Dopingfahnder der UCI. Deren Präsident Pat McQuaid wies den Vorwurf zurück: "Es ist keine Rede von Freundschaftsdiensten."
Am Mittwoch steht Etappe elf auf dem Programm der Frankreich-Rundfahrt (12.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Die Fahrer dürfen dann wieder mit ihren sportlichen Leitern über Funk kommunizieren. Über 192 Kilometer geht es inklusive zweier kleiner Bergwertungen von Vatan nach Saint-Fargeau - eine erneute Sprintankunft ist wahrscheinlich.