Verbände Spaß machen
In diesem Jahr wollen Sportfunktionare ungefähr 16 000 junge Bundesbürger zu mündigen Urlaubern und kritischen Touristen ausbilden.
»Wir machen den jungen Urlaub«, verspricht die Sportjugend der Landessportbünde Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in ihrem ersten gemeinsamen Reiseprospekt (Auflage: 170 000). Neckermann oder Touropa brauchen zwar keine Konkurrenz zu befürchten, aber für die Zukunft möglicherweise ein bißchen mehr Plage.
Die Sportreise-Organisatoren wissen, daß sie ihre Kunden »früher oder später an kommerzielle Reiseunternehmen verlieren«. Aber sie fanden auch heraus, daß gerade Jungbürger unsicher sind, gezielt Urlaubsleistungen für sich zu beanspruchen. Deshalb setzten sich die Ferien-Außenseiter zum Ziel, »die Teilnehmer zu befähigen, aus kommerziellen Angeboten das herauszusuchen, was für sie gut ist«.
Es entging den Sportleitern nicht, daß sich Ferientrends und Bedürfnisse in den letzten Jahren erheblich geändert haben: Spiel und Sport sind zunehmend gefragt. Im Sportkurort Inzell mit seinem besonders vielfältigen Trimm-Angebot verfügten sie seit 1969 über zweimal 250 Plätze. Zuletzt lagen 3000 Anmeldungen vor, bevor der Prospekt erschienen war.
Um künftig das Angebot den veränderten Bedürfnissen anzupassen, forderte die NRW-Sportjugend beim Studienkreis für Tourismus ein Gutachten an. »Vokabeln wie »müssen«, »grundsätzlich«, »einordnen und »Folge leisten
erfuhren die Auftraggeber, weckten bei kritischen Jugendlichen den Anschein eines Zwangscharakters.
Verbandsangestellte schwärmten aus und schlossen Verträge mit Ferienstätten, die möglichst vielfältige Sportmöglichkeiten bieten, etwa mit dem bulgarischen Hotel Sportpalace (acht Sportarten, zwei Wochen ab 500 Mark) am Schwarzen Meer. Reisereferent Hans Dietze begutachtete einen Neubau auf Mallorca, den Sportkamerad Gerhard Ackermanos. Vorsitzender des Kreissportbundes Geldern, errichtet. Es erscheint demnächst im Angebot.
»Sport muß Spaß machen«, grenzten sich die Ferienveranstalter von allen Leistungsforderungen ab. Sie bevorzugen am Urlaubsort Sportarten. die später zu Hause fortgeführt werden können -- beispielsweise Tischtennis. Tanzen und Bowling.
Im Ausland lernen sie die Probleme des Gastlandes kennen, bei gemeinsamen Veranstaltungen mit Jugoslawen in Zadar oder beim Besuch einer Kolchose in Bulgarien. Über den israelischen Sportverband Hapoel vermittelt die Duisburger Sportreisezentrale auch Privatquartiere. Vier Wochen im Kibbuz kosten 835 Mark.
Nach einem festen Kernprogramm soll in Garlochhead mit schottischen Jugendlichen über gesellschaftspolitische Fragen diskutiert und getrimmt werden.
Während der Sportferien diskutieren die Reiseleiter mit den Teilnehmern über die Erwartungen, die Prospekte geweckt haben, wie weit sie erfüllt worden sind und welche Veränderungen sie vorschlagen. Aber jede Gruppe wird von einem Pädagogen-Team betreut. Auf höchstens zehn Jugendliche kommt ein Lehrer.
In diesem Jahr bilden die Planer mehr als 500 Freizeitpädagogen in besonderen Lehrgängen aus -- meist Lehrer und Jugendleiter. Zu den Lehrgangs-Themen zählen »Probleme der Geschlechtererziehung«, »Führungsstil« und »Entwicklungspsychologie«.
Die künftigen Urlaubshelfer werden auch auf Hasch, harte Drogen. ihre Folgen und Behandlung vorbereitet. Bisher. versichern die Reiseleiter, sei glücklicherweise noch kein Fall von Drogenmißbrauch bekannt geworden.