Steigende Flut - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 62 / 98

RADRENNEN Steigende Flut

• aus DER SPIEGEL 38/2008
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die geplante Rückkehr des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong, 36, hat eine kontroverse Debatte in der Radsportszene ausgelöst. Die Ankündigung des US-Amerikaners, im nächsten Jahr wieder an Profi-Rennen teilzunehmen, unter anderem an der Frankreich-Rundfahrt, hält der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke für »eine Show-Einlage, eine weitere Spirale in der Volksverdummung«. Vor drei Jahren hatte ein Labor in sechs Urinproben, die bei Armstrongs erstem Tour-Sieg 1999 genommen worden waren, das Blutdopingmittel Epo nachgewiesen. In Armstrongs Heimatland will man offenbar von Doping nichts wissen. Der Geschäftsführer des US-Radsportverbands, Steve Johnson, etwa sagt: »Helden und Vorbilder sind wichtig für die weitere Entwicklung.« Und der Inhaber des Teams Garmin-Chipotle, Doug Ellis, schwärmt: »Lance zieht Aufmerksamkeit auf sich. Und eine steigende Flut hebt alle Boote.« Erstaunlich ist auch die bislang unkritische Berichterstattung der französischen Sportzeitung »L'Equipe« über Armstrongs Comeback-Plan. Das Blatt hatte die Dopingaffäre um den Texaner 2005 aufgedeckt. »L'Equipe« gehört wie auch die Société du Tour de France zur Amaury-Gruppe. Der neue Chefredakteur Rémy Dessarts, zum September eingesetzt von der Besitzerin Marie-Odile Amaury, wollte sich zur offenbar veränderten Haltung des Blatts zu Armstrong nicht äußern. In Kürze erscheint das Buch »La Face cachée de L'Equipe« ("Das verborgene Gesicht der L'Equipe"), in dem unter anderen ehemalige Mitarbeiter berichten, dass die redaktionelle Unabhängigkeit der Sportzeitung eingeschränkt werde.

Zur Ausgabe
Artikel 62 / 98