Australian Open 2021: Überraschungsspielerin Jessica Pegula: Nicht die Tochter eines reichen Mannes - DER SPIEGEL
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Australian-Open-Überraschung Jessica Pegula Nicht nur die Tochter eines reichen Mannes

Ihr Vater ist einer der wohlhabendsten Unternehmer der USA. Aber Jessica Pegula hat keine Lust, auf sein Geld reduziert zu werden. Bei den Australian Open sorgt die Amerikanerin selbst für Aufsehen.
Jessica Pegula steht überraschend im Viertelfinale der Australian Open
Jessica Pegula steht überraschend im Viertelfinale der Australian Open

Jessica Pegula steht überraschend im Viertelfinale der Australian Open

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Quinn Rooney / Getty Images

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Erst kürzlich veröffentlichte das »Forbes«-Magazin die Liste der bestbezahlten Sportlerinnen der Welt. Traditionell werden die vorderen Platzierungen von Tennis-Profis belegt. Nirgendwo sonst können Frauen so viel Geld verdienen.

Naomi Osaka führt das Ranking an. Die Japanerin erwirtschaftete zwischen Anfang Juni 2019 und Ende Mai 2020 insgesamt 37,4 Millionen Dollar – dicht gefolgt von Serena Williams (36 Millionen Dollar). Auch Angelique Kerber hat es in die Top-10 geschafft. Deutschlands beste Tennis-Spielerin musste sich mit 5,3 Millionen Dollar zufriedengeben (Hier gehts zur Liste ).

Jessica Pegula ist ebenfalls Tennisspielerin. In der Forbes-Liste taucht sie nicht auf. Zu einer der reichsten Sportlerinnen wird sie wohl trotzdem aufsteigen: Pegula ist die Tochter von Millardär Terrence Pegula. In den USA sind laut »Forbes« nur 128 Personen wohlhabender als er . Sein Geld machte er in der Erdöl- und Erdgasbranche, 2014 kaufte er die Buffalo Bills – zum Leidwesen von Donald Trump. Dem Ex-Präsidenten wurde ebenfalls ein Interesse am NFL-Team nachgesagt.

Inspiration durch einen NFL-Quarterback

Schlagzeilen schreibt derzeit aber Jessica Pegula. Bei den Australian Open, dem ersten Highlight der Tennissaison, ist sie erstmals in ein Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen. Und das durchaus furios: Auf dem Weg in die Runde der besten Acht schlug sie Viktoria Asarenka (Belarus) und die Australierin Sam Stosur, zwei ehemalige Grand-Slam-Champions – ohne dabei einen Satz abzugeben. Anschließend bezwang sie Kristina Mladenovic (Frankreich) und die Ukrainerin Elina Switolina, zwei weitere Topspielerinnen.

Frauen brauchen keine Inspiration von Männern, um erfolgreich zu sein. Aber Jessica Pegula sagte einmal, wie der Quarterback der Buffalo Bills, dem Team ihres Vaters, sie beeindruckt hat: »Ich mochte seinen Kampfgeist. Er war ein richtiger Spieler, er wollte nur gewinnen. Das ist toll zu sehen«, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters über Quarterback Josh Allen. Diese Eigenschaften habe sie in ihr eigenes Spiel übertragen wollen.

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Als klare Außenseiterin gilt Pegula nach ihren jüngsten Auftritten nicht mehr. Mit der Hilfe von Trainer David Witt, der auch schon Venus Williams betreut hat, hat sie sich langsam nach oben gearbeitet. Nach dem Turnier wird sie erstmals zu den besten 50 Spielerinnen der Welt gehören. Ihr Selbstvertrauen, das betont sie immer wieder, ist größer denn je. Dabei schien die Karriere der US-Amerikanerin zu enden, ehe sie so richtig begonnen hatte.

2009 bestritt Pegula im Alter von 15 Jahren ihre erste Profisaison. Erste Achtungserfolge feierte sie auf der zweitklassigen ITF-Turnierserie. Im November 2012 zählte sie erstmals zu den 150 besten Spielerinnen der Welt . Doch Verletzungen warfen sie zurück. Vor allem das Knie bereitete ihr Probleme, 2014 nahm sie lediglich an einem Turnier teil. Ein weiterer Anlauf wurde durch eine Hüft-OP gestoppt. Zu dieser Zeit habe Pegula nicht gewusst, ob sie »überhaupt zurückkommen will«, wie sie unlängst verriet .

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Doch seit 2018 ruft sie ihr Leistungsniveau konstant ab. Im September zog sie erstmals in ein WTA-Finale ein, im Jahr darauf – wenige Monate vor der Corona-bedingten Turnierpause – gewann sie in Washington ihr erstes Turnier. Nun gelang ihr auch auf Grand-Slam-Ebene der ersehnte Durchbruch.

Pegulas Spiel ist offensiv und risikoreich. Sie macht mehr Fehler als ihre Gegnerinnen, erzielt allerdings auch deutlich mehr direkte Punkte. Die 26-Jährige stürmt gern ans Netz, um den Ballwechsel möglichst kurzzuhalten. Gegen Switolina waren 21 Angriffe dieser Art von Erfolg gekrönt.

Im Anschluss an den größten Sieg ihrer Karriere unterschrieb Pegula auf der Linse einer Kamera, ein unter Tennisprofis übliches Ritual: »Hi mom, hi dad, see you next rd Jen B.« Mit »Jen B.« ist ihre kommende Gegnerin Jennifer Brady gemeint (nicht vor 3 Uhr in der Nacht auf Mittwoch). Die beiden kennen sich gut, für die USA bildeten sie beim Billie Jean King Cup (ehemals Fed Cup) das Doppel. »Es ist für uns beide eine große Chance«, sagte Pegula.

Pegula ist es wichtig, nicht auf das Vermögen ihres Vaters reduziert zu werden. »Ich bin nicht nur die Tochter eines reichen Vaters, ich bin eine eigenständige Tennisspielerin«, sagte sie bei den Australian Open. Finanziell ist sie dank ihrer Fähigkeiten auf dem Tennisplatz ohnehin schon unabhängig. Ein Turniersieg würde ihr mehr als zwei Millionen Dollar einbringen.