Australian Open - Alexander Zverev vs. Novak Djokovic: Und plötzlich war es vorbei - DER SPIEGEL
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Halbfinale der Australian Open Und plötzlich war es vorbei

Einen Satz lang quälte sich Novak Djokovic gegen Alexander Zverev, dann gab er mit Oberschenkelproblemen auf. Der Deutsche hat nun die Chance, im dritten Anlauf sein großes Ziel zu erreichen.
Zverev und Djokovic: Respekt am Netz
Zverev und Djokovic: Respekt am Netz

Zverev und Djokovic: Respekt am Netz

Foto: Joel Carrett / EPA

Die Szene des Matches: 81 Minuten lang hatten sich Alexander Zverev und Novak Djokovic bearbeitet, etliche hochklassige Ballwechsel geliefert, gerade hatte der Deutsche den ersten Satz im Tiebreak 7:5 gewonnen und alle stellten sich auf ein Langstreckenduell ein – da war es plötzlich vorbei. Djokovic ging nicht zu seiner Bank, sondern direkt ans Netz, wo er Zverev umarmte und dann dem Stuhlschiedsrichter die Hand schüttelte. Aufgabe, aus, vorbei.

Ergebnis: 7:6 (7:5), retired, heißt es dann offiziell. Novak Djokovic wird auch mit 37 Jahren Wert darauf legen, dass retired »aufgegeben« meint, und nicht die andere Bedeutung des englischen Begriffs: Karriere beendet.

Die Reaktionen: Das Publikum war schockiert, Djokovic frustriert, Zverev zollte Respekt. Pfiffe und Buhrufe erklangen nach dem plötzlichen Ende in der Rod-Laver-Arena, wo sich die Zuschauerinnen und Zuschauer ein episches Duell erhofft hatten. Djokovic ging direkt vom Platz und reckte noch die Daumen nach oben, ehe ihn die Katakomben verschluckten. Zverev appellierte ans Publikum, fair mit dem Verletzten umzugehen. »Novak Djokovic hat zwei Jahrzehnte lang alles für diesen Sport gegeben«, sagte der 27-Jährige im Interview auf dem Platz. »Ich habe hier 2021 gegen ihn gespielt, als er mit einem Faserriss in der Bauchmuskulatur angetreten ist. Da hat er 28 Asse gegen mich serviert.« Djokovic sei einer seiner besten Freunde auf der Tennistour und habe ihm in seiner Karriere oft geholfen. Man konnte spüren, wie viel Respekt Zverev hat vor der Lebensleistung Djokovics.

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Das letzte Spiel bei den Australian Open? Novak Djokovic lässt es offen

Das letzte Spiel bei den Australian Open? Novak Djokovic lässt es offen

Foto:

Quinn Rooney / Getty Images

Die Erklärung: Es war die Verletzung am Oberschenkel aus dem Match gegen Carlos Alcaraz, der Djokovic jetzt Tribut zollen musste. Seit dem Viersatzsieg gegen den Spanier am Dienstag, bei dem er behandelt werden musste , habe er keinen Ball mehr geschlagen, sagte Djokovic in seiner Pressekonferenz. Bis eine Stunde vor dem Duell mit Zverev habe er alles getan, um halbwegs fit zu werden. Mit Medikamenten, Massagen und dem Verband sei es ihm möglich gewesen, überhaupt anzutreten. »Die Schmerzen wurden zum Ende des ersten Satzes immer schlimmer. Vielleicht hätte ich noch probiert, weiterzuspielen, wenn ich den ersten Satz gewonnen hätte«, sagte Djokovic. »Aber ich hätte mir nicht über zwei, drei, vier Stunden Ballwechsel mit ihm liefern können.« In der Vergangenheit habe er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt, manchmal habe ihn diese Bürde sogar dazu gebracht, noch besser zu spielen. »Emotional ist sowas eine Achterbahnfahrt. In manchen Phasen geht es einem dann besser, dann wieder schlechter. Manchmal kommt man durch so einen Sturm, manchmal nicht.« Ob das vielleicht seine letzten Australian Open waren, wurde Djokovic natürlich noch gefragt. »Vielleicht, vielleicht auch nicht«, war die erwartet unscharfe Antwort. Er habe bei diesem Turnier seine größten Triumphe gefeiert, aber jetzt sei es zu früh, um so weit nach vorn zu blicken.

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Legende hatte Vortritt: Als hätten die Veranstalter geahnt, dass es der letzte Auftritt Djokovics bei diesem Turnier zumindest in diesem Jahr sein würde (oder vielleicht als versöhnliche Geste nach dem zwischenzeitlichen Interviewboykott des Serben), gewährten sie ihm eine besondere Ehre. Normalerweise gebührt dem in der Weltrangliste besser platzierten Spieler die Ehre, den Court als Zweiter zu betreten. Doch diesmal musste Zverev vor Djokovic raus. 24 Grand-Slam-Siege und zehn Triumphe in Melbourne stechen dann doch die fünf Plätze bessere Platzierung von Zverev (Zweiter) im Ranking im Vergleich zum Serben (Siebter).

So lief der erste (und letzte) Satz: Der Leidtragende war natürlich Djokovic, aber als Tennisfan konnte man sich durch die Aufgabe auch um die Chance gebracht sehen, drei, vier Stunden beste Unterhaltung geboten zu bekommen. Das Niveau war von Anfang hoch, auch wenn beide Spieler nicht ganz an ihrem Limit spielten. Djokovic hatte durch seine Verletzung vor allem mit seinem Aufschlag zu kämpfen und ließ in langen Ballwechseln körperlich nach. Zverev schien manchmal nicht ganz den letzten Mut aufzubringen, um gut vorbereitete Ballwechsel konsequent zu beenden. Hätte ein fitter Djokovic mehr Gewinnschläge von Zverev erlaufen? War Zverev etwas irritiert davon, dass sein Gegner offensichtlich nicht sein bestes Tennis spielen konnte? Wer weiß, es spielt jetzt auch keine Rolle mehr.

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Foto: Redman AP

Das lange Warten: Seit 1968, als Profispieler bei den größten Turnieren antreten durften, haben deutsche Spielerinnen und Spieler 32 Grand-Slam-Titel gewonnen: 22 davon Steffi Graf, sechs Boris Becker, einer Michael Stich und drei Angelique Kerber, der 2018 in Wimbledon der letzte deutsche Triumph bei einem der großen vier Turniere gelang. Rainer Schüttler (2003 in Melbourne) und Sabine Lisicki (2013 in Wimbledon) schafften es bis ins Endspiel. Das ist bisher auch für Alexander Zverev das höchste der Grand-Slam-Gefühle. 2020 verlor er in New York gegen den Österreicher Dominic Thiem und 2024 in Paris gegen Spaniens Carlos Alcaraz. Am Sonntag bekommt er seine nächste Chance.

Der Gegner: Ab 9.30 Uhr spielen der Titelverteidiger und Weltranglistenerste Jannik Sinner aus Italien und Ben Shelton aus den USA (Platz 20) den anderen Platz im Finale aus. »Ben wird mit 240 aufschlagen und Jannik den Ball returnieren, als wäre es ein Schmetterling«, gab Zverev nach seinem Spiel als Prognose ab. Zverev hat gezeigt, dass er gegen beide bestehen kann. Gegen Sinner hat der Deutsche eine Bilanz von 4:2, auch wenn das letzte Duell beim Turnier in Cincinnati im vergangenen Jahr (knapp) an Sinner ging. Auf Shelton traf Zverev erst einmal, auch 2024 in Cincinnati, und gewann.