Tricks vom Computer
Der schlimmste Fehler eines Sportreporters, so lernen es Volontäre, ist das Verschweigen des Endergebnisses. Das ist »Sportswriter« noch nie passiert. »Sportswriter liefert mir die bestmögliche Berichterstattung für ein minimales Honorar«, sagt Donald Zavadil, Chefredakteur des Humphrey Democrat im US-Bundesstaat Nebraska - der perfekte Journalist ist ein Computer.
Der amerikanische Journalist Roger Helms hat das Programm Sportswriter entwickelt und an Zeitungen verkauft. Spielen zwei Collegeteams Basketball, so schreiben nachher die Trainer Trefferquoten, die Namen der besten Spieler und die eigenen Kommentare auf ein Formular - Sportswriter macht in der Redaktion daraus eine Story. Kein Leser merkt es, denn die Blätter verzichten auf Autorenzeilen.
So verändert moderne Technik die Darstellung von Sport: Der Computer liefert scheinbar nur Fakten, doch er unterschlägt alles, was die Trainer unterschlagen möchten.
Selbst Fernsehzuschauer dürfen nicht länger darauf vertrauen, daß das, was sie sehen, auch tatsächlich so stattfindet. Der Pay-TV-Sender Premiere etwa hat das virtuelle Studio entwickelt. Die Dekoration entsteht erst am Computer, der weite Landschaften oder verfremdete Arenen in bewegten Bildern auf eine blaue Wand zaubert - nur der Moderator ist echt.
Die französische Firma Matra-Hachette zog mit »Epsis« nach, einer Software, die Fernsehbilder digitalisiert und elektronisch verändert. So erhalten Werbetafeln ihre Aufschrift durch den Computer im Übertragungswagen; bei Fußballweltmeisterschaften können nun zur gleichen Zeit Werbeslogans in verschiedenen Sprachen oder für unterschiedliche Produkte um den Globus geschickt werden.
Im Stadion muß nicht einmal mehr eine Werbebande stehen, was zu Irritationen führen kann. »Aus ethischen Gründen«, schreiben die Epsis-Erfinder deshalb ihren Kunden, »sollten die Zuschauer darüber informiert werden, wenn unser System verwendet wird.« Als hätte er die Atombombe erfunden, hat selbst der Schöpfer von Sportswriter inzwischen Angst vor seinem Baby. Roger Helms: »Ich wollte eine dumme Maschine für kluge Menschen entwickeln. Statt dessen füttern dumme Menschen eine kluge Maschine.«