Unentschiedener Fußball - DER SPIEGEL
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Unentschiedener Fußball

• aus DER SPIEGEL 13/1947
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Der erste Fußballsonntag des Jahres brachte abwechslungsreiche Spiele mit eintönigen Ergebnissen. In Frankfurt »Am Hang« sah es beim Spiel des süddeutschen Spitzenreiters und mehrfachen Deutschen Meisters 1.FC Nürnberg gegen FSV Frankfurt nach einem Siege der Clubleute aus. Frankfurt, unterstützt durch die einheimischen Fußballanhänger, riegelte mit sieben Mann seinen Torraum ab, und der Nürnberger Schützenkönig Reinhard Pöschl erfreute sich einer liebevollen Betreuung durch den Frankfurter Außenläufer.

So kam es, daß Nürnberg, seit 22 Jahren ohne Punktverlust gegen die Frankfurter, keine Lücke in der aufmerksamen Verteidigung fand. Kreß, der schöne Willibald

- Nationaltorwart der deutschen Ländermannschaft in ungezählten Spielen - hielt sein Tor rein. Unentschieden 0:0 gingen die Frankfurter vom Platz. In den Kabinen schüttelten ihnen die Nürnberger herzhaft die Hände.

In der Westfalengruppe nahm Schalke nach einem Siegesreigen über die Staffelrivalen (63 Tore in fünf Spielen) den TuS Milspe aus dem Sauerland zu leicht.

Die Knappen aus dem Kohlenpott kreiselten in alter Frische, doch der krönende Torschuß fehlte. So lagen sie kurz vor Schluß mit 1:2 in Hinterhand. Frisch und wendig der TuS-Mittelstürmer. Er wollte den Sieg erzwingen und sprang mit südländischem Temperament den Knappenwächter Klodt an.

Er war zu stürmisch, der Kopf des alten Nationaltorwartes erwies sich als härter. Mit dem Bruch eines Schienbeines mußte der Sauerländer seinen Elan bitter büßen. Schalke aber war froh, gegen zehn tapfere Kämpen in letzter Minute ein 2:2 herauszuholen.

Am Mittelrhein sonnte sich der VfR Köln im Glanze einer dreimonatigen Siegerserie. Eine Stunde führten die Kölner im Spiel gegen ihren Ortsrivalen, Schwarz-Weiß, mit 1:0.

Regenwolken zogen sich über dem Kölner Stadion zusammen. Auch für die Vf-Rasenspieler schien die Sonne nicht mehr. Die Schwarz-Weißen schossen den Ausgleich und machten ihren Laden hinten dicht. Somit teilte man sich die Punkte.

Die kühlen und zurückhaltenden Norddeutschen rauften sich in Bremerhaven verzweifelt die Haare. Der SV Hemelingen, im Mittelfeld der Nordniedersachsen-Staffel schwimmend, zwirbelte ihrem Favoriten und Lokalmatador, dem Bremerhavener 93, ein Tor nach dem anderen in den Kasten. Bis zur Halbzeit stand es bereits 4:0.

Während der Pause ging es in den Umkleideräumen der Nordseemänner noch höher her als auf dem grünen Rasen. Sie nahmen sich die Vorwürfe ihres Trainers zu Herzen. Mit Dampf zogen sie in die zweite Hälfte. Eine Minute vor Schluß stand es nur noch 3:4, und mit dem Schlußpfiff glückte der Ausgleich.

Auch im englischen Fußball hätte es beinahe ein Unentschieden gegeben. Chelsea, Pokalliebling, führte im Kampf gegen Brentford bei schwerem Boden der Platz war mit Stroh und 150 Tonnen Sand aufgeschüttet - 1:0. Da sah sich Medhurst, Standardtorhüter der »königsblauen« Chelsea-Leute, plötzlich allein auf weiter Flur. Ein toller Kopfsprung, ein Tor war verhütet. Brentford hatte hinfort keine Chance mehr.

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