Baseball Die Reichen in der Nachbarschaft
Zwölf der MLB-Clubs verrichten ihre Vorbereitung in Arizona, der Rest in Florida. Dort braucht Jeff, der Autogrammjäger aus Las Vegas, nur wenige Autominuten von einem Trainingsgelände zum nächsten. Von Lakeland sind es Richtung Osten nicht einmal 20 Meilen bis Winter Haven, wo die Cleveland Indians Quartier bezogen habe. In Orlando trainieren die Atlanta Braves, im Vorort Kissimmee die Houston Astros.
Im Westen, im kleinen Küstenort Dunedin, sind die Toronto Blue Jays zu besichtigen und in unmittelbarer Nachbarschaft, in Clearwater, die Philadelphia Phillies. Wieder nur wenige Meilen weiter südlich, an der Tampa Bay, trennen Arm und Reich nur weniger Kilometer Wasser: In St.Petersburg bringen sich die auch während der Saison dort ansässigen Kellerkinder von den Tampa Bay Devil Rays in Form, während auf der anderen Seite der Bucht in Tampa ausgerechnet die ruhmreichen New York Yankees ihr Frühlingsquartier bezogen haben - der reichste Sportclub der Welt.
Auf dem Weg zum bescheiden "Legends Field" genannten Trainingsgelände begrüßt den Besucher ein gewaltiges Schild, auf dem jeder der 26 Meistertitel der Yankees mit eigener Jahreszahl verewigt ist. Kurz dahinter beginnt ein riesiger Parkplatz, der an Märztagen stets gut gefüllt ist. Über die Fußgängerbrücke, die die achtspurige Mabry Road überspannt, wandeln täglich Tausende, die einen Blick auf die Stars der Yankees erhaschen wollen und das Legends Field in einen Rummelplatz verwandeln. Ein Labyrinth aus Maschendrahtzäunen trennt Spieler und Fans sorgsam voneinander und suggeriert doch Nähe zu den Heroen.
Der Club der Superlative ist in der Lage, selbst sein Training in ein lukratives Geschäft zu verwandeln. Zwar kostet das Zusehen beim Training keinen Eintritt, aber zu den fast täglich stattfindenden Vorbereitungsspielen gegen andere Teams, die derzeit in Florida weilen, ist das 8.000 Zuschauer fassende Legend's Field stets gut gefüllt. Und im geräumigen Fan-Shop kann zu horrenden Preisen vom Fußabtreter bis zur Babybekleidung nahezu alles erstanden werden, worauf sich das berühmte Logo der Yankees drucken lässt. Fünfköpfige Familien, komplett in Yankees-Blau gekleidet, sind keine Seltenheit. Nach dem Training bilden sich dann lange Schlangen auf den Stadiontreppen hinunter zum Spielfeld. Bis eine Lautsprecherdurchsage verkündet, dass heute kein Yankee zum Signieren erscheinen wird. Enttäuscht ziehen die Autogrammjäger von dannen.
Das Titel-Versprechen
Im Vergleich dazu geht es in Lakeland geradezu amateurhaft zu. Mützen und Trikots der Detroit Tigers werden aus einem mobilen Trailer verkauft und wer frech genug ist, kann einfach aufs Feld spazieren, bis ihn der Platzwart freundlich wieder hinunter befördert. Kein Wunder, dass sich Detroit nicht wirklich Chancen auf den Titel ausrechnen darf. Hoffnungen macht man sich aber trotzdem. Allerdings aus keinem speziellen Grund, sondern einfach, weil der Frühling die Zeit der Hoffnung ist. Spring Training, das heißt auch: Noch ist kein Spiel gespielt, noch darf jedes Team an seine Chance glauben, darf die wirtschaftliche Kluft zwischen Reich und Arm verdrängt werden.
Und die ist in den letzten Jahren immer größer geworden: Marktführer New York Yankees zahlte seinen Spielern im vergangenen Jahr mehr als 200 Millionen Dollar, in diesem Jahr wird die Gehaltssumme kaum sinken. Die Detroit Tigers lagen mit vergleichsweise bescheidenen 69 Millionen auf dem 15. Platz, während die Akteure der Tampa Bay Devil Rays gar mit weniger als 30 Millionen auskommen müssen. Bei den Yankees verdient allein Third Baseman Alex Rodriguez, der zum wertvollsten Spieler der American League gewählt wurde, 25 Millionen Dollar pro Jahr.
Zwar gewann im vergangenen Jahr mit den Chicago White Sox ein Team aus dem ökonomischen Mittelfeld die World Series, aber realistisch betrachtet haben die Kirchenmäuse der Liga kaum eine Chance, die Endspielserie im Herbst zu erreichen. So gehen also wieder einmal die Yankees als große Favoriten in die Saison. Nachdem sie im Vorfeld auch noch Johnny Damon vom Erzrivalen Boston Red Sox verpflichten konnten und insgesamt 130 Millionen für neun neue Spieler anlegten, garantiert George Steinbrenner bereits den Gewinn der World Series im kommenden Herbst: Man werde, so der liebevoll "The Boss" genannte Besitzer der Yankees, endlich die ungewohnte Durststrecke beenden und den ersten Titel seit dem Jahr 2000 holen. Alle anderen müssen warten bis zum nächsten Frühling. Dann keimt die Hoffnung auf ein Neues. Und Jeff besucht wieder mal seine Schwiegermutter.