Basketball-Legenden: Herren ohne Ringe - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Basketball-Legenden Herren ohne Ringe

Robert Horry ist ein glücklicher Mann. Gerade wurde der Spieler der San Antonio Spurs zum sechsten Mal NBA-Champion. Anderen Großen des Basketballs war es nicht vergönnt, in ihrer Karriere einen Titel zu holen. Charles Barkley, Karl Malone oder Reggie Miller - alle Stars, aber ohne Meisterring.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

5,9 Sekunden sind nicht viel Zeit, um unsterblich zu werden. Es ist der 14. Juni 2000, der Tag von Spiel vier des NBA-Finales zwischen den Indiana Pacers und den Los Angeles Lakers. 5,9 Sekunden vor Ende der Verlängerung führen die Lakers mit 120:118, doch es sieht nicht gut aus für den BC Hollywood. Shaquille O'Neal, der die beste Saison seines Lebens spielt, sitzt auf der Bank, zu viele Fouls. Den Pacers gehört der Ball, sie haben den letzten Wurf. Vor allem aber haben sie Reggie Miller. Der Guard hat seiner Mannschaft schon viele Spiele mit unmöglichen Würfen gewonnen, oft aus großer Distanz. Die Lakers wissen das.

Sie stellen Horry für Miller ab, einen großen und schnellen Verteidiger, der bereits zwei Meisterschaften mit den Houston Rockets gewonnen hat. Horry klebt an Miller, der Ball wird eingeworfen. Die Uhr läuft weiter, als Miller den Ball fängt. Noch 4,9 Sekunden. Miller dreht sich, springt hoch. Noch 3,8 Sekunden. Horry streckt dem Sprungwurf seine Hände entgegen, vergeblich. In hohem Bogen fliegt der Ball dem Korb entgegen, schlägt hart auf dem Ring auf, prallt nach oben - und fällt mit der Schlusssirene auf den Boden. Die Lakers jubeln, es ist das 3:1 in der Serie, der entscheidende Sieg auf dem Weg zum ersten Titel für O'Neal und Kobe Bryant. Sie werden noch zwei weitere Meisterschaften gewinnen und sich dafür jeweils einen Ring an den Finger stecken.

Fotostrecke

NBA-Legenden: Herren ohne Ringe

Foto: AP

Für die Pacers bleibt es die erste und vorerst letzte Finalteilnahme. Miller konnte den Titel nicht mehr gewinnen, zu stark war dieses Jahr Detroit, der Gegner im Conference-Halbfinale (der Meister erreichte sogar die Endspielserie, die die Pistons jedoch mit 3:4 gegen San Antonio verloren). "Killer-Miller" hat seine Karriere inzwischen beendet. Der 39-Jährige ist der erfolgreichste Dreierschütze und der zwölftbeste Scorer in der Geschichte der NBA. Ein Platz in der Ruhmeshalle der Liga, der "Hall of Fame", ist ihm sicher, vielleicht wählt man ihn auch zu einem der 50 Besten, die jemals in der NBA gespielt haben. Ein Held - mit einem Makel: Miller hat nie eine Meisterschaft gewonnen. Dass der Guard sich damit in illustrer Gesellschaft befindet, wird ihn wenig trösten. 18 Jahre hat er den Traum von einem Titel geträumt, vergeblich.

Karl Malone und John Stockton (beide Utah Jazz) hofften sogar noch länger. Die zwei gelten als bestes Guard-Forward-Duo der NBA-Geschichte, scheiterten zusammen aber in zwei Finals. Beide Male waren die Chicago Bulls um Michael Jordan und Scottie Pippen besser und schlugen "Stockalone" die Titel-Tür vor der Nase zu. Malone wechselte sogar noch einmal den Verein, um die Meisterschaft zu gewinnen. Doch mit den Lakers ging der "Mailman" in der vergangenen Saison gegen Detroit unter, die Pistons entschieden die Finalserie 4:1 für sich.

Drei verlorene Endspiele sind für Elgin Baylor allerdings ein Klacks. Der Forward der Minneapolis (später Los Angeles) Lakers führte sein Team achtmal ins Finale - und verlor alle. Wie Stockton und Malone hatte auch Baylor das Pech, in der Hoch-Zeit eines noch größeren Teams zu spielen: Baylors Trauma hieß Boston Celtics. Die Truppe um Bob Cousy und Bill Russel war nicht zu schlagen und gewann unter dem legendären Coach Red Auerbach zwischen 1957 und 1969 elf Titel. Besonders schmerzlich für Baylor: Kaum musste er seine Karriere beenden, holten die Lakers die Meisterschaft.

"Das ultimative Ziel für einen Profi ist es, zum Champion gekrönt zu werden. Wenn man nicht weiß, wie sich das anfühlt, hinterlässt das eine Lücke", musste auch Bob Lanier einräumen. Der Center der Detroit Pistons und Milwaukee Bucks legte von 1970 bis 1984 eine NBA-Karriere mit beeindruckenden Werten hin. "Als Spieler habe ich fast alles erreicht, was ich mir erträumt habe", sagte der Hüne später, aber er legte großen Wert auf das "fast". Der Meisterschaftsring, die Lücke. An mangelndem Einsatz lag es nicht. 1979 hielt Lanier den Großteil eines Spiels mit gebrochenem Handgelenk durch. Doch Ringe schmückten die Finger der übermächtigen Rivalen Wilt Chamberlain (Philadelphia Warriors) und Kareem Abdul Jabbar (Los Angeles). Für einen Rekord sorgte Lanier auf anderem Gebiet: Nie lief ein Spieler mit Schuhgröße 60 übers Feld.

Doch die NBA vergisst ihre Helden nicht. Lanier, der auch als Trainer erfolglos blieb, durfte ab 1996 als Assistent von Liga-Boss David Stern arbeiten. Und Pete Maravich wurde im gleichen Jahr zu einem der 50 besten Basketballer aller Zeiten gewählt, da war der spektakuläre Guard schon acht Jahre tot. "Pistol Pete", der es nach einer brillanten College-Zeit später nie zum Superstar-Status gebracht hatte und in Utah als Schönspieler verschrien war, starb mit nur 40 Jahren an einem Herzanfall. Maravich war in einer Sporthalle zusammengebrochen - er hatte gerade Basketball gespielt.

Mehr lesen über