Blazers-Talent Webster Der nette Schattenmann
Der Junge hat unglaublich gute Füße. Vor jedem Sprungwurf setzt er sie ganz präzise und immer gleich auf. Egal, ob er um einen Block huscht oder sich den Wurf selbst erarbeiten muss. Martell Webster hat diese natürliche Leichtigkeit, die nur schwer zu erlernen ist.
Das und natürlich auch seine 27,1 Punkte nebst 10,0 Rebounds pro Partie als Senior an der High School von Seattle sorgten dafür, dass er im Frühjahr 2005 eine Einladung zum High-School-All-Star-Game "Jordan Classic" in New York erhielt. Das dunkle Parkett des ehrwürdigen Madison Square Garden schien dem Shooting Guard zu liegen. So sehr gar, dass er sein Team mit 22 Punkten zum knappen 127:126-Erfolg führte. Wenige Wochen später ging Webster bei der Draft als sechster Spieler über die Ladentheke zu den Blazers.
Damit ist er der am höchsten gedraftete High-School-Spieler seines Jahrgangs. Als bis dahin zweithöchster Pick Portlands nach der Sam-Bowie-Misere von 1984 damals ließen die Blazers mit dem zweiten Pick Michael Jordan für den im Nachhinein stark überschätzen Center Bowie an sich vorbeiziehen waren die Erwartungen an das Scoring-Talent hoch. Und das, obwohl der 2005er-Jahrgang nicht gerade für seine Tiefe bekannt ist.
"Ich hatte damals mehr Rummel erwartet. Ich ging vor der Draft mitten durch New York, doch kaum jemand hat mich erkannt", gesteht Webster rückblickend. Auch heute, zwei Spielzeiten später, kommt der Blazer eher unauffällig daher (7,0 Punkte pro Spiel sowie 2,9 Rebounds in 21,5 Minuten). Vor allem aber: Websters ebenfalls junge Teamkollegen haben ihm schnell den Rang abgelaufen. LaMarcus Aldrige, Brandon Roy und demnächst Rookie-König Greg Oden bilden die herbeigesehnte Blazers-Zukunft.
Doch das stört Flügelmann Webster nicht. Er kann im Schatten seinen Platz finden, um mit seinem butterweichen Sprungwurf zu einem wichtigen Faktor zu werden. "Martell hat sich seinem Alter entsprechend gut in der Liga akklimatisiert", unterstreicht Portlands Coach Nate McMillan. "Er hat sehr gute Anlagen und eine ausgereifte Spielintelligenz, was die Arbeit mit ihm ungemein angenehm macht."
So sind Websters Äußerungen zum Thema denn auch für jeden Übungsleiter genau das: angenehm. "Wir sind jung, lernwillig und wissen, dass wir nur als Team gewinnen können", erklärt das Talent. "Aber vor allem können wir gemeinsam reifen und eines Tages der Liga unseren Stempel aufdrücken." Doch dafür müssen die guten Füße erst mal öfter aufs Parkett.