Boston Celtics Heißer als Aerosmith
Aerosmith ist die bekannteste Band aus Boston. Seit ihrer Gründung 1970 haben die Hardrocker weltweit mehr als 140 Millionen Alben verkauft. Derzeit spricht in Boston jedoch niemand von Aerosmith, sondern von einer neuen Combo, die morgen Abend im Heimspiel gegen Washington ihre lang ersehnte Premiere gibt die GAP-Band. Diese Formation hat jedoch nichts mit der gleichnamigen Funk- und Soul-Gruppe zu tun. Das Markenzeichen der GAP-Band von der Ostküste sind Drei-Punkte-Würfe, Dunkings, Dynamik. Kurzum: Basketball, der begeistert. Denn GAP steht für Kevin Garnett, Ray Allen und Paul Pierce. Die drei Superstars der Boston Celtics sollen in der neuen Saison für eine Renaissance des Rekordmeisters sorgen. "Wir wissen, dass die Stadt sehr gespannt ist. Es ist eine großartige Zeit, jetzt in Boston zu sein. Hier gibt's so viel Geschichte, die Celtcis haben eine so unglaubliche Historie", sagt Garnett.
Doch der letzte Meistertitel stammt aus dem Jahr 1986. Damals prägten "The big three" Larry Bird, Robert Parish und Kevin McHale das Celtics-Team. Boston war Amerikas erste Adresse wie so oft. Zwischen 1957 und 1986 holte die neben den New York Knicks älteste NBA-Mannschaft 16 Meisterschaften nach Massachusetts. 1987, als es die "The big three" auf durchschnittlich 71,1 Punkte pro Partie brachten, wurden die Celtics noch einmal Vizemeister.
Seitdem leben sie in Boston von Erinnerungen und mit Enttäuschungen. In der vergangenen Saison wurde es sogar richtig peinlich. Vom 7. Januar bis zum 12. Februar erlebten Fans und Verantwortliche die schlimmste Zeit in der 61-jährigen Clubgeschichte. Paul Pierce, der Einzige von GAP, der bislang seine gesamte Karriere in Boston verbrachte, war verletzt und die Celtics verloren 18 Spiele nacheinander.
Das alles ist gerade ein halbes Jahr her und trotzdem längst vergessen. Denn GAP ist "ready to rock". "Ray Allen ist ein großartiger Schütze, Kevin Garnett ein harter Arbeiter und Anführer zugleich und Paul Pierce ist schwer auszuschalten. Zusammen haben sie alle Möglichkeiten", glaubt Larry Bird. Er war der letzte große Celtics-Star. Doch dann verpflichtete Manager Danny Ainge zunächst Ende Juli Ray Allen von den Seattle SuperSonics und setzte am 31. Juli noch einen drauf. Um Kevin Garnett von den Minnesota Timberwolves zu bekommen, wechselten im Gegenzug gleich fünf Spieler und zwei Draftpicks den Verein.
Boston ist seitdem zurück im Basketball-Blickfeld. "Utah, Portland, New York es gab immer wieder Teams, die versucht haben, wieder aufzustehen, nachdem sie am Boden waren. Aber niemand hat es so gemacht wie die Celtics. Die sorgen für ein großes Fan- und Medieninteresse", sagt NBA-Commissioner David Stern, der bereits im Sommer zusicherte, dass die Celtics in der neuen Saison wesentlich mehr Live-Spiele im landesweiten Fernsehen bekommen würden.
GAP macht's möglich. Garnett ist zehnmaliger All-Star, einer von fünf Spielern in der NBA-Geschichte, deren Statistik mehr als 19.000 Punkte, 10.000 Rebounds und 4000 Assists aufweist. In den vergangenen vier Jahren gab es keinen besseren Rebounder als Garnett, der zudem 2004 MVP war. Ray Allen ist siebenmaliger All-Star, hat in den vergangenen elf Jahren im Durchschnitt 21,5 Punkte erzielt.
Paul Pierce kam in seinen bisherigen neun Celtics-Spielzeiten sogar auf 23,6 Zähler und war fünfmal beim All-Star-Game dabei. Drei Ausnahmespieler, ein Manko keiner stand bislang im NBA-Finale. Das soll sich jetzt ändern. Der Traum vom Titel hat GAP vereint. "Wenn du einen Spieler hinzufügst, gewinnst du keine Meisterschaft. Aber mit den Leuten, die wir geholt haben, können wir angreifen", so Ray Allen.
Die drei Stars ergänzen sich in ihrer Spielweise. Garnett und Pierce ziehen gerne zum Korb, Allen ist einer der besten Dreipunkt-Schützen. Doch es könnte auch Probleme geben. Wer nimmt bei einem knappen Spielstand den letzten, den entscheidenden Wurf? Und welcher der Superstars verzichtet freiwillig auf diesen großen Moment, für den er bislang immer verantwortlich war? "Derjenige, der am heißesten ist, bekommt den Ball", antwortet Pierce.
In den Vorbereitungsspielen deutete das Trio bereits an, was in dieser Saison möglich ist. So wurde Vizemeister Cleveland 114:89 demontiert. Garnett gelang mit 21 Punkten, 13 Rebounds und zehn Assists bereits sein erstes "Triple-Double" fürs neue Team. Dirk Nowitzki wartet in Dallas seit neun Jahren auf einen solchen Moment. "Ich werde das tun, was für das Team das Beste ist, um jeden Abend die Spiele zu gewinnen", sagt Garnett, dessen Trikot mit der Nummer fünf landesweit zum Verkaufsschlager avanciert.
Am Freitag beginnt für Boston die neue Saison, mit einem Heimspiel gegen die Washington Wizards. Der Boston Garden wird ausverkauft sein, nicht nur gegen das Team aus der Hauptstadt, sondern auch die restlichen 40 Partien. Celtics-Tickets stehen in diesem Jahr auf der Weihnachts-Wunschliste ganz oben. Zumal Aerosmith gerade keine Tournee geplant haben.