Bryant-Prozess: Schmutziges Spiel im Gerichtssaal - DER SPIEGEL
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Bryant-Prozess Schmutziges Spiel im Gerichtssaal

Basketball-Superstar Kobe Bryant muss sich weiter in Geduld üben. Die Entscheidung, ob dem 25-Jährigen von den Los Angeles Lakers wegen Vergewaltigung der Prozess gemacht wird, ist auf Mittwoch verschoben worden. Die vorgerichtliche Anhörung musste abgebrochen werden, weil die streitenden Parteien aneinander geraten waren.
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Eagle - Die Zeit der Samthandschuhe ist für Kobe Bryant ist endgültig vorbei. Dies musste der NBA-Star bereits nach wenigen Minuten feststellen, als am Donnerstag die Frage erörtert wurde, ob ihm wegen Vergewaltigung einer 19-Jährigen der Prozess gemacht wird.

Die Anhörung artete in eine verbale Schlammschlacht zwischen Verteidigung und Anklage aus. Als während der sechsstündigen Sitzung im Gerichtsgebäude von Eagle im US-Bundesstaat Colorado immer mehr pikante Details des Falls an die Öffentlichkeit gelangten, brach Bezirksrichter Frederick Gannett die Anhörung vor mehr als 300 Medienvertretern verärgert ab. Am Mittwoch soll die Anhörung fortgesetzt werden.

Blutige Details


Die Situation geriet außer Kontrolle, nachdem Polizeidetektiv Doug Winters detailliert den Ablauf der Vergewaltigung nach Aussagen des Opfers geschildert hatte. Begonnen habe alles harmlos, berichtete Winters, der sowohl das vermeintliche Opfer als auch Bryant stundenlang verhört hatte. Auf Wunsch des prominenten Gastes habe sie ihn durch die Nobelherberge und schließlich auf sein Zimmer geführt. Als sie auf Tätowierungen zu sprechen kamen, habe sie ihr Tattoo am Knöchel gezeigt. Er habe sie dann gefragt, ob sie mit in den Whirlpool steigen würde. Sie habe verneint. Als sie schließlich gehen wollte, habe sie Bryant am Hals gegriffen, ihr die Kleidung vom Leib gerissen und sexuell missbraucht. Dabei habe er ihr eingebläut, über den Vorfall nichts zu erzählen. Was sie auch versprochen habe. Einen Tag später meldete sie die Tätlichkeit aber der Polizei.

Als Beweise wurden drei Fotos von den Blessuren der Frau vorgelegt. Auf einem sind Prellungen am Kiefer zu erkennen. Die anderen Bilder zeigen blutige Einrisse im Intimbereich. Solche Verletzungen kämen nicht von gemeinsam gewolltem Sex, heißt es in einem Analysebericht. Zudem erzählte Winters, dass auf der Innenseite von Bryants T-Shirt Blutspuren des Mädchens nachgewiesen wurden.

Daraufhin nahm Bryants Anwältin Pamela Mackey den Polizei-Ermittler ins Kreuzverhör. Sie nannte sechsmal den zuvor unter Verschluss gehaltenen Namen des Opfers und wurde deshalb vom Richter verwarnt. Als sie dann von Winters wissen wollte, ob er sich bei der behandelnden Krankenschwester erkundigt habe, ob derartige Verletzungen auch bei Frauen auftreten können, die mit drei verschiedenen Männern an drei Tagen Sex hätten, brach der Richter die Anhörung ab.

Klebriger Schlamm


"Hier wird ordentlich mit Schlamm geworfen", beschrieben Fachleute die Vorgänge im Gerichtssaal, "die Frage wird sein, ob er auch kleben bleibt." Norm Early, ehemaliger Bezirks-Anwalt aus Denver, kritisierte die Detailfreudigkeit der streitenden Parteien: "Wenn zwei Menschen miteinander flirten, erwartet man, dass die erste sexuelle Begegnung nicht über der Lehne eines Stuhl stattfindet." Besonders der "Sex mit drei Männern"-Vorwurf der Verteidigung sorgte für Aufregung unter den Beobachtern. "Dieser Vorwurf wurde nur herausposaunt, um die Frau zu diskreditieren", vermutet Early.

Der mögliche Prozess gegen Bryant, der am Donnerstag eigens aus dem Trainingslager der Lakers nach Colorado gereist war, beginnt frühestens in sechs Monaten. Der verheiratete Vater einer zehn Monate alten Tochter hatte zwar den Geschlechtsverkehr mit der Hotelangestellten gestanden, beteuerte aber, dieser sei nicht gegen den Willen des Teenagers geschehen.

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