Dallas-Profi Howard: Nowitzkis wichtigster Helfer - DER SPIEGEL
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Dallas-Profi Howard Nowitzkis wichtigster Helfer

Er springt ein, wenn es bei NBA-Superstar Dirk Nowitzki einmal nicht läuft. Dabei wurde dem Mavericks-Flügelspieler Josh Howard keine große Karriere prophezeit. Das Basketballmagazin "FIVE" stellt den Spieler vor, der inzwischen zu den auffälligsten der Liga gehört.
Von Jan Hieronimi
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Josh Howard ist ein gefragter Mann. Denn der 26-Jährige hat viele Geschichten zu erzählen. Die meisten davon drehen sich darum, dass "einer wie er" eigentlich nicht zu den besten Spielern der NBA gehören dürfte. Einer wie er, dem als kleinem Jungen die krumm gewachsenen Beine gebrochen werden mussten. Bei dem nicht klar war, ob er eines Tages wieder in der Lage sein würde, zu laufen. Und der gut zwei Jahrzehnte nach den Beinschienen, als Profisportler zum Multimillionär wurde.

"Der Dank gebührt Gott, der mich aus dieser Situation herausführte. Und meiner Mutter, die den Mut hatte, den Ärzten das Okay für diese Operation zu geben", sagt Howard, "das ist eine weitere Sache, an die ich mich erinnere, und dann denke ich: Ja, es hat seinen Grund, dass ich heute hier bin."

Einer wie er, der trotz der Auszeichnung zum "Player of the Year" der renommierten Collegeliga ACC erst an 29. Stelle der Draft 2003 verpflichtet wurde und dem man damals ein Dasein als "Roleplayer" prophezeite, also eines talentarmen Ergänzungsspielers. Verteidigen, rebounden, rennen – mehr traute ihm der Großteil der NBA-Manager nicht zu. "Mir wurde gesagt, die Leute hätten sich an meiner Einstellung gestört, weil ich auf dem Feld nicht besonders viele Emotionen zeigen würde. Das wurde als Desinteresse ausgelegt. Dabei liebe ich das Spiel, will unbedingt gewinnen und gebe Abend für Abend alles, was ich habe", sagt Howard heute.

Heute, da er innerhalb von vier Jahren in der NBA Fakten geschaffen hat und ein Leistungsträger des zurzeit besten Teams der Liga ist. "Ich habe all die Kritik an meinem Spiel gehört und antworte, indem ich hart trainiere und mich in jeder Hinsicht zu verbessern versuche", so Howard, "mein Spiel ist reifer geworden, so dass ich Druck von Dirk Nowitzkis oder Jason Terrys Schultern nehmen kann." Und noch etwas ist Howard wichtig: "Nicht viele Flügelspieler können ihrem Team 20 Punkte und acht Rebounds pro Tag geben."

Howards Entwicklung vom Defensivspezialisten zu Nowitzkis legitimen Co-Star könnte für die Mavericks den entscheidenden Schritt auf dem Weg zur ersten NBA-Meisterschaft darstellen. Wie gut Howard geworden ist, belegen unter anderem die vielen Ehrungen, die er in letzter Zeit erhalten hat: die Nominierung fürs All-Star-Team der Western Conference, in der es ein Überangebot an starken Flügelspielern gibt; die Einladung zu den Tryouts des WM-Teams der USA im Sommer 2006 (die er zugunsten seines Jugend-Camps ausschlug); und nicht zuletzt die Tatsache, dass ihn Michael Jordan persönlich als Werbeträger seines Sportlabels auswählte.

Howards Wert für sein Team lässt sich in wenigen Zahlen ausdrücken: 59 zum Beispiel. Dies ist die Anzahl der Siege, die Dallas diese Saison erreicht hat. Nach dem 105:89 bei den New Orleans Hornets fehlt den "Mavs" nur noch eine gewonnene Partie, um den bisherigen Clubrekord von 60 Siegen in einer Spielzeit zu egalisieren. Zwölf Partien der Regular Season stehen noch aus, da wird es vermutlich für den Vizemeister (2:4 gegen Miami) zu einem neuen Rekord langen.

"Coach Avery Johnson gab mir vor Beginn der Spielzeit ein paar Ziele vor, an denen ich mich orientieren sollte. Bisher liege ich sehr gut im Plan und habe es damit zum All Star gebracht", sagt Howard. 18 Punkte, 8 Rebounds und 5 Assists sollte er im Schnitt pro Spiel erreichen. Bisher schaffte Howard 19,1 Punkte, 7 Rebounds und 1,9 Assists - allesamt Karrierebestleistungen. Kein Wunder, dass der Erfolg der "Mavs" nach Nowitzki zu großen Teilen Howard zugeschrieben wird. "Wenn ich mir unser Team ansehe, dann ist Joshs Leistung der größte Unterschied zu früheren Spielzeiten", sagt Aufbauspieler Jason Terry. "Josh ist der X-Faktor. Er hat sich Jahr für Jahr verbessert. Und er wird noch viel besser."

Inzwischen wird Howard gerne mit der Bulls-Legende Scottie Pippen verglichen: Ebenso wie Pippen kann Howard einer Begegnung defensiv wie offensiv seinen Stempel aufdrücken. Sein Spiel ist nicht elegant, aber effektiv. Und obwohl Howard auf viele Arten punkten kann, beschränkt sich sein Beitrag zum Teamerfolg nicht auf das Scoring. "Ich sehe schon Parallelen zu Pippen", sagt Howard, "wie er Jordan dabei half, konstant Leistung zu bringen, das Team am Laufen hielt und die kleinen Dinge tat, die gerade gebraucht wurden – ich bin da durchaus in einer ähnlichen Situation."

Lesen Sie morgen im zweiten Teil, wieso die Teamkollegen Josh Howard "YMCA Rat Baller" nennen und weshalb dieser auf dem Platz nicht gerne herumschreit.

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