Knicks-Forward Lee Heilsbringer auf der Ersatzbank
Als Knicks-Spieler ist es nicht immer schön im Madison Square Garden. Die Fans dort haben Ahnung vom Spiel, und ihr Team ist mies. Also wird mit Recht gebuht und geschmäht. Ein Knickerbocker jedoch kann sich zumindest auf einen Dauerkarteninhaber verlassen, wenn es um nachsichtige Liebe geht: David Lee. Regisseur und Edelfan Spike Lee hat den Namensvetter und Zweitjahres-Profi zum Heilsbringer erkoren, auch wenn dessen Spielanlage eigentlich besser zu den bösen Buben aus Detroit passt.
Egal, David Lee ist im Big Apple. Und Spike schreit ihn an, als ob der Jungspund den zehnten Take eines simplen Werbespots verdorben hätte: "Nimm den verdammten Wurf", schallt es zu Lee herüber, harte Liebe vom leidenschaftlichen Fan. Befehl ist Befehl, der Forward steigt hoch, drückt aus der Halbdistanz ab und bringt sein Team knapp 30 Sekunden vor Spielende gegen die Sonics aus Seattle 118:116 in Führung. Es ist der ultimative Beweis dafür, dass David Lee ein Spiel mitentscheiden kann wenn er will und darf.
Im Jahr 2005 vom New Yorker Club gedraftet, verbringt Lee zunächst mehr Zeit auf der Bank als ihm lieb ist. Die teuren Stars haben Vorfahrt, der solide Arbeiter wird wenig gewürdigt. Dennoch verliert er nicht seinen Optimismus. "Ich spiele immer mit möglichst hoher Intensität", sagt der 23-Jährige. "Ich warte nur noch auf die Chance, diese Intensität für mehr als fünf oder zehn Minuten aufs Parkett bringen zu können."
Nach einem Trainerwechsel und dem unterirdischen Saisonbeginn des startenden Power Forwards Channing Frye bekommt Lee jetzt mehr Minuten Einsatzzeit. Doch zum Platz in der Startformation reicht es trotz besserer Werte gegenüber seinen Konkurrenten nicht.
Reservist Lee beeindruckt trotzdem. Die Knicks stehen in San Antonio bereits im zweiten Viertel beim Stande von 29:52 auf verlorenem Posten, als Coach Isiah Thomas seine Bankspieler einwechselt. "Wenn du 20 Punkte zurückliegst, dann gibt es keine Strategie für ein Comeback", so Thomas. "Aber man kann immer noch nach Jungs suchen, die den Kampf annehmen."
Er findet David Lee, der einen Lauf initiiert und NYC zur Pause bis auf 41:54 heranführt. Beim Stande von 91:92 ist sogar ein Sieg möglich, ehe die Starter wieder übernehmen und die Partie 93:105 in den Sand setzen. Vielleicht sollte Spike Lee auch bei Auswärtsspielen an der Seitenlinie oder sogar auf dem Trainerstuhl sitzen.