Knicks-Guard Collins Ein Gangster als Vorbild
Mardy Collins ist ein Point Guard der alten Schule: harte, ehrliche Verteidigung und ein wachsames Auge für die Mitspieler. Auch wenn er das bisher in der NBA nicht wirklich zeigen durfte. Dennoch sind die Fähigkeiten des 23-Jährigen einer New Yorker Basketballlegende im Big Apple nicht entgangen: Walt Frazier. "Ich erkenne mich in Mardy wieder", erklärt der Mann, den wegen seiner Vorliebe für breitkrempige Hüte alle nur "Clyde" nennen (diese Art Kopfbedeckung trug der Gangster Clyde Barrow im Hollywood-Film "Bonny und Clyde").
"Ich werde Knicks-Coach Isiah Thomas fragen, ob es okay ist, wenn ich im Sommer mit Mardy trainiere. Es gibt da einige Dinge, die ich ihm beibringen kann", so Frazier, der von 1967 bis 1980 in der NBA spielte (New York und Cleveland) und bis heute mit 4791 Assists Rekordhalter der Knicks ist. Vor allem die Kunst des Mitteldistanzspiels und die rücksichtslosen Ausflüge in die Zone, ehedem Fraziers gefährlichste Waffen, will er Collins lehren.
Erste Vergleiche mit dem zweifachen Knicks-Champion wurden schon zu Collins' Collegezeit formuliert. Nach einem Spiel seiner Temple Owls gegen die renommierte Duke University war deren Coach Mike Krzyzewski von Collins' starker Leistung (26 Punkte sowie je sechs Assists und Steals) beeindruckt: "Mardy ist wirklich ein richtig guter Spieler. Ich habe viele gute Guards gesehen, aber er wird für lange Zeit ein unglaublicher Profi sein. Er erinnert mich an Walt Frazier."
An 29. Position wurde Mardy Collins 2006 von den New York Knicks gedraftet. Und eigentlich passte der College-Senior perfekt ins Team. Seine 1,98 Meter sind absolutes Gardemaß, sein Steckenpferd ist die Verteidigung. Attribute, die dem kleinwüchsigen und defensivschwachen Knicks-Backcourt bestens zu Gesicht stünden. Dennoch durfte Collins kaum spielen.
Mit Stephon Marbury, Jamal Crawford, Nate Robinson und Co. war die Guard-Position bereits prominent besetzt. Für Collins fiel allenfalls Restzeit ab. Und die vermochte der Rookie nicht gewinnbringend zu nutzen. Ganz im Gegenteil. Schlagzeilen machte der 22-Jährige zunächst nur im negativen Sinne. Am 16. Dezember vergangenen Jahres löste er mit einem angeblich von Thomas angewiesenen überharten Foul an Denvers J.R. Smith eine Massenkeilerei im Madison Square Garden aus.
Gut drei Monate später wendete sich das Blatt. Nach zahlreichen Verletzungen im Kader durfte Collins sein Können unter Beweis stellen. Alle neun Partien im April bestritt er als Starter und beeindruckte mit durchschnittlich 14,8 Punkten, 6,7 Rebounds, 5,8 Assists sowie 2,0 Ballgewinnen in 44 Minuten pro Partie.
Dennoch: Auch nach Steve Francis' Rückkehr nach Houston besteht für Collins die Gefahr, 2007/2008 nicht über die Rolle des Ersatzmanns hinaus zu kommen. "Wenn ich den Sprungwurf konstant treffe, wird das für mich viel ändern", glaubt Collins. Und vielleicht machen ja sogar der "Clyde" und dessen Training den Unterschied.