NBA: Die Mauer steht wieder - DER SPIEGEL
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NBA Die Mauer steht wieder

Mit ihrem vierten Titel in neun Jahren zementierten die San Antonio Spurs ihren Platz in den Geschichtsbüchern der NBA. Die Konkurrenz kämpft mit sich selbst, ein Ende der Ära Duncan scheint nicht absehbar. Dank der entschlossenen Defensive.
Von Jan Hieronimi
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tim Duncan erlebte die letzten Sekunden der NBA-Finals 2007 in der Mitte des Feldes, die Arme triumphierend in die Luft erhoben. Der vierte Sieg im vierten Spiel der Serie war endlich besiegelt, die Meisterfeier konnte beginnen – und war so viel mehr als nur das: Denn mit ihrem vierten Titelgewinn in neun Jahren haben die San Antonio Spurs endgültig das Plateau der besten Teams der NBA-Historie erreicht. Vier Meisterschaften innerhalb einer Dekade zu erringen, dass gelang vor ihnen mit Jordans Chicago Bulls, Magic Johnsons L.A. Lakers, den legendären Bostons Celtics der Sechziger um Bill Russell und den Minneapolis Lakers um Center-Legende George Mikan nur vier Mannschaften.

Es ist eine Dynastie, die sich – so schrieb es die "Washington Post" – durch ihre Widerstandskraft auszeichnet. Während um sie herum große Mannschaften entstanden und zerbrachen, blieben die Spurs sich treu. Sie bauten geduldig ein neues Team um Duncan herum, als mit David Robinson und Avery Johnson zwei alte Recken ihre Karriere beendeten. Hielten den neuen Hoffnungsträgern wie Tony Parker oder Manu Ginobili auch in schweren Zeiten die Treue. Und feierten nun, wo allerorten der schnelle Fastbreak-Stil mit vielen Punkten und wenig Defense in Mode ist, mit ihrem altbekannten, verteidigungsorientierten Halbfeld-Basketball den nächsten, wohl größten Erfolg. "Stabilität ist viel wert", sagt Verteidigungs-Spezialist Bruce Bowen grinsend. "Andere Teams machen sich Sorgen, was der Rest der Liga macht. Uns war das immer egal, denn wir kümmern uns nur um das, was wir tun."

Ein Blick auf den Rest der Liga indes dürfte den Spurs in diesen Tagen ein warmes Gefühl in der Bauchgegend bescheren. Denn nach Ende der Saison 2006/07 zeichnet sich kaum ein Team am Horizont ab, das San Antonio auf Augenhöhe begegnen kann. Im Gegenteil scheinen selbst jene drei Clubs, die noch vor kurzem als heiße Favoriten auf die Championship gehandelt wurden, vor massiven Veränderungen zu stehen, die sie aus dem Kreis der Titelkandidaten zu eliminieren drohen.

Das zweifelnde Verfolgertrio

Die Phoenix Suns sollten dabei nach ihrer knappen 2:4-Niederlage gegen San Antonio in Runde zwei kaum Anlass haben, über den Sommer größere Änderungen vorzunehmen, waren sie doch durch die Suspendierung zweier Leistungsträger im vorentscheidenden Spiel fünf gehandicapt. Und doch droht das Suns-Team auseinander zu brechen. Nach dem Playoff-Aus munkelten Insider über Probleme zwischen den Spielern, angeblich forderte Power Forward Amare Stoudemire eine größere Rolle für sich ein. Sein Name taucht nun ebenso wie der von Flügel Shawn Marion regelmäßig in Wechselgerüchten auf – auch, weil der hochkarätig besetzte Kader Team-Besitzer Robert Sarver zu teuer wird.

Auch bei den Detroit Pistons, Champion 2004, offenbarten die Playoffs Probleme innerhalb des Teams. Die einst eingeschworene Truppe giftete einander an und verspielte gegen Cleveland eine 2:0-Führung. Am Ende war unübersehbar, dass die Pistons sich überlebt haben, personelle Veränderungen stehen ins Haus: Aufbauspieler Chauncey Billups ist frei für den Transfermarkt und wird sich im Sommer nach einem neuen Club umsehen, Center Rasheed Wallace soll gegebenenfalls abgegeben werden, und der Mitte der Saison verpflichtete Chris Webber liebäugelt mit dem Karriereende.

Bleiben die Dallas Mavericks: Traumatisiert vom historischen Erstrunden-Aus nach ihrer Rekord-Saison mit 67 Siegen stehen die Verantwortlichen vor der Frage, ob das 2:4 gegen die achtplatzierten Golden State Warriors eine Laune der Basketball-Natur war oder ob personell nachgebessert werden muss. Zudem gibt die Psyche von Superstar Dirk Nowitzki nach zwei Playoff-Schlappen in Folge Anlass zur Sorge. Bis das junge Team endlich einen Beweis mentaler Stärke erbringt, klebt das Etikett des Meisterschaftskandidaten nicht mehr an den Mavericks.

Hoffen auf James

Ein Trainerwechsel beim Geheimfavoriten aus Houston, ein alternder Shaquille O’Neal in Miami, ein frustriert nach besseren Mitspielern rufender Kobe Bryant in L.A. – der Rest der Liga scheint noch Jahre davon entfernt, den Spurs ebenbürtig zu sein. Zu schwach sind die Kader besetzt, zu hoch ist die Frequenz der Spielerwechsel, zu undurchdacht wirken die Wiederaufbaupläne. So hängen die Hoffnungen vieler NBA-Fans einmal mehr an LeBron James. Gerade erst im Finale gescheitert, könnten seine Cavs das Zeug dazu haben, der neuen Dynastie eines Tages die Stirn zu bieten. In der (mit Ausnahme von Zydrunas Ilgauskas) noch jungen Ersten Fünf steckt viel Potenzial, und auch der Superstar selbst scheint trotz Fabel-Statistiken noch viel Raum für Verbesserung zu erkennen. "Ich muss zehnmal besser werden", urteilte er nach dem Final-Aus.

Er dürfte seine Chance erhalten, San Antonio auf der größten aller Basketball-Bühnen ein weiteres Mal gegenüber zu treten, um Rache zu nehmen: Das Erfolgs-Trio der Spurs wird noch über Jahre zusammen bleiben. Alle drei sind vertraglich mindestens bis 2010 an den Verein gebunden. Selbst der Betagteste der Drei, Tim Duncan, wird dann erst 34 Jahre alt sein. Die Ära der Spurs-Dynastie ist mit dem vierten Titel noch lange nicht zu Ende.

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