NBA-Draft Drei, zwei, eins - meins!
Die Draft, sie ist fester Bestandteil der US-amerikanischen Sportkultur und Ausdruck des Wettbewerbsgedankens: Weil schlechte Teams mit den hoffnungsvollsten Jungtalenten belohnt werden, stellt sie das größte Regulativ der Liga dar, sie soll schlechte Teams alsbald in gute verwandeln.
Es gilt die Regel: Je schwächer die Teams in der abgelaufenen Saison abgeschnitten haben, desto früher dürfen sie wählen. Im Prinzip denn bei der Picklotterie vor wenigen Wochen zog Chicago das große Los.
Die Bulls, laut Siegbilanz 2007/2008 das neuntschlechteste NBA-Team, dürfen in der ersten Runde als erstes wählen, dann folgen Miami Heat, Minnesota Timberwolves, Seattle SuperSonics, Memphis Grizzlies, New York Knicks, Los Angeles Clippers, Charlotte Bobcats und New Jersey Nets. Als letztes sind die Boston Celtics dran. Keine Picks bekommen dieses Jahr Atlanta Hawks, Dallas Mavericks und Los Angeles Lakers.
Für die Kellerkinder ist der Draft ein Segen, denn tatsächlich gelingt es den Loserclubs häufig, den Neuaufbau durch die Verpflichtung starker Rookies zu schaffen. Dies wird durch spektakuläre Trades und teure Neuzugänge zuweilen nicht erreicht.
Wer gut wählt und ein wenig Glück hat, dem geht es wie den Cleveland Cavaliers (LeBron James, 2003), Orlando Magic (Dwight Howard, 2004), Miami Heat (Dwyane Wade, 2003) oder den New Orleans Hornets (Chris Paul, 2005). Diese Clubs kamen dank ihrer Youngsters in Rekordzeit bis ganz an die Spitze.
Aus einem riesigen Pool von College-Seniors, "Underclassmen" (vorzeitige Uni-Abgänger) und internationalen Talenten schaffen es über die nur noch zwei Runden umfassende Draft lediglich 60 Spieler ins Profilager.
Aufgrund von Leistungstests, zahlloser Scouting Reports und Workouts basteln sich Manager und Scouts ihr eigenes Ranking. Am Draft-Abend müssen sie im so genannten "War Room" auf alles vorbereitet sein schließlich beeinflussen die Entscheidungen der vorher wählenden Teams, welche Talente noch verfügbar sind.
In kurzer Zeit - schlimmstenfalls den 90 Sekunden zwischen Bekanntgabe der Picks - müssen die Teams zuschlagen. Nehmen sie den besten verbleibenden Spieler? Oder besetzen sie die größte Lücke im Kader? Die meisten Clubs setzen auf das so genannte "tier system": Die Jünglinge werden in Gruppen eingeteilt und innerhalb dieser Gruppen entsprechend der Bedürfnisse des jeweiligen Clubs geordnet.
Ein Team wie die Miami Heat würde in einer beliebigen Gruppe also beispielsweise Aufbauspieler und Center höher bewerten als Flügelspieler und Shooting Guards, da sie letztere mit Dwyane Wade, Shawn Marion und Udonis Haslem bereits haben.
Mit dieser Taktik könnten sie am Abend der Draft flexibel auf jedes Szenario reagieren, ohne versehentlich einen talentierteren Youngster aus einer höheren Gruppe zu übersehen. So weit zumindest die Theorie.
Praktisch bleibt die Draft ein Pokerspiel, bei dem 30 Spieler am Tisch sitzen und zeitgleich aus einem Wirbelsturm aus (Fehl-)Informationen zu lesen versuchen, was die Konkurrenz plant. Bei dem Agenten um viel Geld feilschen, Manager und Trainer um ihren Job fürchten, die Fans nach großen Namen gieren.
Immer wieder fallen dabei vermeintlich untaugliche Spieler durch, die in der D-League (Aufbauliga der NBA) oder in Europa anfangen und später erfolgreiche NBA-Karrieren starten. Trotz aller Informationen bleibt die Draft eine ungenaue Wissenschaft und eben ein Stück weit immer das, was schon die Vergabe der Pickrechte ist: eine Lotterie.