NBA-Finale "Dirkules" trifft auf "Shaq-Attack"
Dallas/Miami - "Es ist der Höhepunkt meiner Karriere. Als ich vor acht Jahren nach Dallas kam, hat uns niemand gekannt, aber wir wurden besser und besser. Es war eine amüsante Reise, aber jetzt will ich auch den Titel", sagte Nowitzki vor dem ersten Spiel der Best-of-Seven-Serie, das in der Nacht zum Freitag in Dallas angepfiffen wird. Mavericks-Besitzer Mark Cuban sieht das ähnlich. "Alles andere als die Meisterschaft ist eine Enttäuschung", sagte er.
"Wir müssen am oberen Zenit spielen", sagte der Deutsche, "Es wird eine verdammt enge Serie." Wie schon während der Saison war Nowitzki auch in den Playoffs der Sieggarant für die Mavericks. Durchschnittlich erzielte er 28,4 Punkte und war damit vierterfolgreichster Korbjäger in der Ausscheidungsrunde hinter Gilbert Arenas, LeBron James und Vince Carter. Anders als Nowitzki ist von diesen Topspielern keiner mehr im Rennen um den NBA-Titel.
Nowitzki legte mit seinem Würzburger Mentor Holger Gschwindner ("Dirk ist erst in zwei Jahren in Bestform") nach Trainingseinheiten sogar noch Sonderschichten für den Titelgewinn ein. Dieser Eifer und seine persönliche Punktestatistik, zu der auch 11,9 Rebound im Schnitt kommen, bereiten Miamis Trainer Pat Riley Kopfzerbrechen. "Wir werden uns was einfallen lassen müssen. Niemand kann Dirk allein ausschalten. Er erinnert mich an Larry Bird, aber er ist größer", erklärte Riley, der bereits viermal Meister mit den Los Angeles Lakers war.
Seitdem der Final-Einzug der Mavericks durch das 4:2 in der Serie gegen die Phoenix Suns perfekt ist, sprechen die Zeitungen in den USA nur noch vom "German Über-Dirk". Dank dessen tatkräftiger Mithilfe hatte Dallas die beiden Saisonduelle gegen die Heat jeweils für sich entschieden. In beiden Partien überzeugte der Deutsche mit einer überdurchschnittlichen Wurfquote von 56 Prozent.
Bei Miami trägt das kongeniale Duo Shaquille O'Neal und Dwyane Wade den größten Anteil an der ersten Finalteilnahme des Clubs überhaupt. Entsprechend groß ist der Respekt der Mavericks vor den beiden Leistungsträgern. Vor allem Spielmacher Wade hat in den Playoffs für Aufsehen gesorgt. Der erst 24-Jährige war in der Ost-Final-Serie gegen die Detroit Pistons (4:2) mit 26,2 Punkten der treffsicherste Spieler auf dem Feld. Er gilt neben LeBron James als hoffnungsvollster Nachwuchs-Spieler der NBA.
Neben Wade liefert auch Center Shaquille O'Neal mit 20,1 Punkten und 9,6 Rebounds im Schnitt konstant gute Werte ab. Mavericks-Coach Avery Johnson will O'Neal daher mit der sogenannten "Hack-a-Shaq"-Taktik zermürben. Weil Dallas mit DeSagana Diop und Erick Dampier nur zwei Spieler aufbieten kann, die O'Neal körperlich unterlegen sind, sollen sie ihn in Gemeinschaftsarbeit müde machen und zu Freiwürfen zwingen. Der Center ist für seine schlechte Trefferquote von der Linie bekannt.
In den ersten beiden Begegnungen genießen die Mavericks aufgrund der höheren Sieg-Quote unter der Saison Heimrecht. Auch das möglicherweise entscheidende siebente Spiel wird in Dallas ausgetragen.
kob/dpa/sid