NBA-Historie: Der Fluch des Kleeblatts - DER SPIEGEL
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NBA-Historie Der Fluch des Kleeblatts

Die Boston Celtics stehen für Titel und legendäre Spieler. Doch es gibt eine zweite Celtics-Historie, in der Drogen, Tod und Pechsträhnen die Hauptrolle spielen. "FIVE"-Autor Johannes Korge beleuchtet in fünf Teilen die Jahrzehnte, in denen die Franchise als verflucht galt.
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Als Paul Pierce nach dem letzten Finalspiel gegen die Lakers den "Larry O'Brien"-Pokal in die Höhe reckte, zog er den Schlussstrich unter eine der spektakulärsten Pechsträhnen der Sportgeschichte. 22 Jahre hatten die Fans in Boston darben müssen, über zwei Dekaden voller Schicksalsschläge und Demütigungen.

Die Chronik des Niedergangs der Celtics-Dynastie beginnt auf dem Höhepunkt des Erfolges. Hätte Jan Volk geahnt, welch schlechtes Karma er heraufbeschwört, der General Manager der Celtics hätte in jenem Oktober 1984 den Deal mit den Sonics platzen lassen, die Golfschläger eingepackt und sich darauf verlassen, dass Larry Birds Knochen ewig halten würden. Damals segelten die Celtics stramm auf Erfolgskurs, das Team war NBA-Champion, ein Mannschaftskern um Bird, Kevin McHale und Robert Parish verhieß weitere Titel in den nächsten Jahren. Doch die Celtics wollten mehr, vor allem frühzeitig junges Talent einschleusen.

Die Mission "Nachwuchs" bescherte Volk einen Sommer am Telefon, über den Wolken und in den Konferenzräumen der Konkurrenz. Dazu aktivierte Celtics-Präsident Arnold "Red" Auerbach im Hintergrund sein ligaumspannendes Beziehungsnetzwerk. Es ging um Zukunftssicherung und darum, mal wieder schlauer zu sein als der Rest der Liga. Der Trade indes, der den Offseason-Aktivitäten entsprang, sollte die Franchise über Jahrzehnte traumatisieren.

Gerald Henderson, im Vorjahr Celtics-Starter auf der Zwei (11,6 Punkte pro Partie), ging zu den Sonics, dafür deren Erstrunden-Pick in der Draft 1986 nach Boston. Wie hoch dieser Pick ausfallen würde, hing von der Bilanz der Supersonics in der Saison 1985/86 ab. Und Seattle legte sich ins Zeug – für die Celtics: Nur 31 Siege fuhr die Mannschaft von Coach Bernie Bickerstaff ein. Als Resultat durfte Boston, wohlgemerkt amtierender Champion, an zweiter Stelle draften.

Wunschkandidat des Präsidiums war Len Bias: Star-Forward an der Universität von Maryland, ein gewaltiger Springer und akkurater Schütze, ausgestattet mit dem Killer-Instinkt, der gute Spieler großartig macht. Beim Sprungwurf hob er so vehement vom Parkett ab, dass selbst deutlich größere Gegenspieler den Ball nicht erreichen konnten. Vergleiche mit der Nummer 23 der Chicago Bulls häuften sich. Neben all diesen Dingen war Bias vor allem eines: Sommernachtstraum der Celtics-Anhänger in jener Offseason 1986. Glaubt man dem ESPN-Experten Scoop Jackson, dann hätte eine solche Mannschaft schon fast beängstigende Dominanz versprochen: "Mit Bias wären 80 Siege nicht undenkbar gewesen."

Bostons simples Personalkonzept: Bias sollte von der Erfahrung der Meistermannschaft profitieren, die Spielweise McHales und vor allem Birds absorbieren. Im Gegenzug würde er den alternden Superstars Entlastung verschaffen, ihre Karrieren dadurch verlängern und mittelfristig zum Gesicht der Franchise werden. Ein neuer Hoffnungsträger schien gefunden, die Dominanz des Clubs über Jahre gesichert und der Rest der Liga in Sachen Personalplanung erneut nur zweite Klasse. Selbst der zur Arroganz neigende Bird war bereit, seinen Urlaub zu verkürzen, um frühzeitig mit Bias arbeiten zu können. Doch die Basketballgötter hatten genug gesehen und andere Pläne mit den Celtics. Nach fast drei Dekaden auf der Sonnenseite der NBA, mit ebenso glücklichen wie schlauen Trades, erfolgreichen Draft-Picks und 16 Meisterschafts-Bannern, war es nun Zeit für die mageren Jahre.

Kaum 48 Stunden nachdem die Celtics ihn ausgewählt hatten, war Len Bias tot. Gestorben an Herzversagen als Folge einer Kokain-Überdosis. Der 22-Jährige kehrte nach der Draft auf den Campus der Universität von Maryland zurück, um den Millionendeal mit den Celtics dort in "bester" 80er-Jahre-Manier zu feiern. Sein College-Trainer hatte kurz vor der Draft noch bemerkt: "Lennys einziges Laster ist Eiscreme." Wie gut Bias auf NBA-Niveau geworden wäre, kann nur vermutet werden. Zum Anlass seines 17. Todestages hatte Mike Krzyzewski, besser bekannt als Coach K. und legendärer Trainer der Duke-Universität, jedoch Folgendes zu sagen: "Während meiner 24 Jahre an der Duke gab es nur zwei gegnerische Spieler, die wirklich herausragend waren: Michael Jordan und Len Bias. Er konnte neue Wege erfinden, um zu punkten, war unglaublich kreativ. Er wäre einer der Top-Spieler der Liga geworden."

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