NBA Im Osten nichts Neues
Das Warten hat ein Ende. Die Zukunft der NBA ist endlich per Draft in der besten Basketball-Liga der Welt angekommen. Greg Oden bei den Portland Trail Blazers, Kevin Durant 280 Kilometer weiter nördlich bei den Seattle SuperSonics. Soweit so gut. Beide gelten als absolute Ausnahmetalente, Experten wie Fans überschlagen sich beim Finden neuer Superlative, die den jungen Hoffnungsträgern gerecht werden. Keine Frage: Die Fangemeinde war nicht mehr so elektrisiert, seit LeBron James zusammen mit Carmelo Anthony 2003 sein Debüt in der NBA feierte.
Die beiden Neulinge kommen gerade rechtzeitig in eine Liga, die seit dem endgültigen Abgang Michael Jordans 2003 mit einem nicht enden wollenden Fluss von Problemen zu kämpfen hat. Erst der Mangel eines tauglichen Erben für Michael Jordans Thron, dann Kobe Bryants Vergewaltigungsanklage, schließlich die Nachwirkungen der Massenschlägerei von Spielern der Indiana Pacers mit Fans der Detroit Pistons. Die NBA kämpft seit Jahren mit einem sich stetig verschlimmernden Imageproblem.
Das aktuellste Beispiel: Die Finalserie zwischen den San Antonio Spurs und Cleveland Cavaliers. Nur knapp 9,5 Millionen Zuschauer im Schnitt schalteten in den USA während des klaren 4:0-Erfolgs der Texaner ein - so wenige wie noch nie in der Geschichte der NBA. Ein Umstand, der die Medienpartner Disney und Turner Broadcasting veranlasste, die Verlängerung des gemeinsamen Fernsehvertrages auf die Tage nach den Finals zu verschieben. Die Einschaltflaute zu den Finalspielen ist die Spitze eines Bergs von Problemen, den selbst der mächtige Liga-Chef David Stern nur teilweise abtragen kann.
Vordringlich gilt es, die Austragung der Meisterrunde zu reformieren. Dies ist der einzige Bereich, den Stern direkt beeinflussen kann. Bereits im zweiten Jahr in Folge trafen die vermeintlich besten Teams bereits in der zweiten Playoffrunde aufeinander. 2006 waren dies Dallas und San Antonio, diese Saison Phoenix auf den neuen Meister aus Südtexas. Ein Spannungsbogen lässt sich so nicht über die auf fast zwei Monate aufgeblähten Playoffs schlagen. Vor allem, da selbst der Ausgang des vorgezogenen Finales ob der unnötigen Suspendierungen der Suns-Leistungsträger Amaré Stoudemire und Boris Diaw ein fader Beigeschmack anhaftete.
Die Einschaltquoten fielen entsprechend bis in die Finals. Zumal die besten Mannschaften der Liga allesamt im Westen der USA beheimatet sind. Niemand traute den Cavaliers eine Überraschung zu, also schaltete auch niemand wirklich ein. Oder wenn sie es taten wieder ab, denn die Serie war so langweilige, wie sie alle erwartet hatten.
Eine Reform der Setzliste, gar die Abschaffung des Systems, in dem in den NBA Finals der Meister der Eastern Conference gegen sein Pendant aus dem Westen spielt, muss diskutiert werden, um auch Gelegenheitsfans wieder vor den Fernseher zu bekommen.
Die Metropolen sind abgehängt
Ungelegen kommt es deshalb, dass Oden und Durant ausgerechnet in den nordwestlichen Winkel der USA gelost wurden. Zum einen sollten mit ihnen zwei weitere Westteams über Nacht erheblich besser werden und das Ungleichgewicht auf mittlere Sicht weiter verschlimmern. Zum anderen sind sie rein geografisch für die Liga schwerer zu vermarkten. Eine mittlere Katastrophe, da die NBA von jeher die Stars in den Mittelpunkt ihrer Marketingoffensiven setzt, anstatt die Teams, für die sie spielen. Eine Strategie, die ebenfalls überdacht werden muss.
So verbessert die Trail Blazers und Sonics auch sein dürften, allein eine Teilnahme an der Postseason wäre eine große Überraschung. Außerdem ist die Zukunft der Seattle SuperSonics ungewiss, nach dem Verkauf der Franchise an eine Investorengruppe droht der Umzug nach Oklahoma City.
Das größte, aber kaum zu behebende Problem der NBA ist und bleibt jedoch das krasse Niveau-Gefälle zwischen den beiden Conferences. Die Wiege der NBA stand einst in Boston, Philadelphia, New York, später entwickelte sich Los Angeles zum Epizentrum. Es waren die Medienmetropolen der USA. Heute leiden die einst stolzen Clubs mit Ausnahme Chicagos samt ihres enormen Fanpotenzials unter einem Wust katastrophaler Personalentscheidungen. Nun spielen Teams aus überschaubaren Orten und kleinerer Anhängerschar in San Antonio, Dallas oder Phoenix um den Titel. Von den Megastars der NBA verdienen nur Dwyane Wade und LeBron James ihre Dollars im Osten der Liga.
Schnelle Abhilfe können da eigentlich nur Kobe Bryant und Kevin Garnett schaffen. Beide sind bei ihren im Westen beheimateten Teams nicht glücklich und fordern schon länger einen Wechsel. Ihre jetzigen Arbeitgeber würden sie jedoch nur äußerst ungern in die eigene Liga abgeben, um ihnen so gleich vier Mal im Jahr auf dem Parkett begegnen. Verschlägt es beide in den Osten, wären ihre Teams auf Anhieb zu den Mitfavoriten auf den Titel der Eastern Conference zu rechnen. So könnten die Los Angeles Lakers und Minnesota Timberwolves der NBA einen großen Gefallen tun. David Stern wird hoffen, dass es so kommt.