NBA Michael Jordan lobpreist Nowitzki
Washington - Nach der Schlusssirene sparte Michael Jordan nicht mit Komplimenten. "Dirk ist stark, er ist intelligent. Er weiß, wie man spielt. Es war für mich eine großartige Herausforderung, noch einmal gegen ihn zu spielen", schwärmte "MJ" mit lächelnder Miene von seinem letzten Aufeinandertreffen mit Dirk Nowitzki in einem regulären NBA-Punktspiel. Grund zur Freude gab es für Jordan am Sonntag ansonsten nicht. Zwar rackerte, kämpfte und dirigierte der inzwischen 40-Jährige sein Team fast wie in seinen besten Zeiten, dennoch verloren die Washington Wizards in ausverkaufter Arena zu Hause (20.173 Zuschauer) gegen die Dallas Mavericks nach Verlängerung mit 101:106.
Jordan verpasst Siegeswurf
Besonders bitter für Jordan war, dass er 2,6 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit (90:90) es in der Hand hatte, die Partie zu Gunsten der Wizards zu entscheiden, womit er einen wichtigen Erfolg im Kampf um die Playoff-Plätze hätte perfekt machen können. Doch sein Wurf verfehlte den Korb.
Dennoch gab es Lob für den Altmeister, besonders von Nowitzki. "Das wäre der Punkt aufs i gewesen, wenn er getroffen hätte. Was Jordan insbesondere im vierten Viertel wieder abgezogen hat, war unglaublich. Wir waren zwölf Punkte vorn und glaubten, schon gewonnen zu haben. Doch Jordan drehte den Spieß fast noch einmal herum - Wahnsinn", befand Nowitzki, mit 29 Punkten erfolgreichster Werfer des besten Teams (43/12) der Liga.
Dennoch brauchte Dallas einige Anlaufzeit, um gegen die Wizards richtig in Schwung zu kommen. Im ersten Viertel stellten die Mavs mit 13 Punkten sogar einen Saison-Minusrekord auf. "Wir waren zu Beginn ein bisschen platt und immer einen Schritt zu langsam. Es war unsere Bank, die uns wieder ins Spiel gebracht hat. Das war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Nowitzki.
Brisantes Duell mit dem Idol
Vor allem Nowitzki selbst fehlte in der Anfangsphase jeglicher Rhythmus. Der Würzburger traf im zweiten Viertel erstmals in den Korb. Doch je länger das Spiel dauerte, desto besser wurde Nowitzki. Im Schlussviertel hatten er und Jordan, mit 30 Punkten ebenso wie Jerry Stackhouse bester Wizards-Werfer, gegeneinander gespielt. Besonders nervös war der deutsche Nationalspieler wegen des Duells gegen die Basketball-Legende allerdings nicht. "Es ist natürlich eine Riesensache. Doch wenn wir alle auf dem Spielfeld stehen, ist für mich jeder gleich. Da geht es nur um eins: Ich will gewinnen", sagte Nowitzki, der sich brisante Zweikämpfe mit seinem Idol lieferte. Jordan räumte ein, es sei schwierig gewesen, Nowitzkis Aktionsradius einzuengen. "Ich habe defensiv versucht, ihn so weit wie möglich zu neutralisieren, ihn zu Aktionen zu zwingen, von denen ich wusste, dass ich mithalten konnte." In Korbnähe sei Nowitzki aber kaum zu stoppen.
Zeit für Sentimentalitäten blieb nach der Partie keine. Mit einem flüchtigen Handschlag besiegelten Jordan, der nach der Saison seine Laufbahn beendet, und Nowitzki ihren letzten NBA-Vergleich. "Ich habe noch nicht verinnerlicht, dass es das schon gewesen sein soll", sagte der 16 Jahre jüngere Deutsche, der ähnlich denkt wie sein Teamkamerad Steve Nash: "Ich habe es sowieso nie auf die Reihe bekommen, dass ich gegen Jordan gespielt habe, denn er ist größer als das Leben. Es wird bis zu meinem Karriere-Ende oder gar bis zum Ende meines Lebens dauern, bis ich das begreife. Beim Zurückblicken werde ich dann ganz gewiss große Freude und großes Vergnügen empfinden."
Wiedersehen nur im Finale möglich
Die theoretische Möglichkeit auf ein weiteres Aufeinandertreffen der Wizards und Mavericks gibt es allerdings noch. Sollten das Team aus Washington doch noch die Playoffs erreichen und in der Eastern Conference Meister werden und den Mavericks das Gleiche im Westen gelingen, würden sich Michael Jordan und Dirk Nowitzki wieder gegenüber stehen: In der Best-of-Seven-Serie des NBA-Finales.