NBA Triumph des Sicherheitsdenkens
Hamburg - Die angriffslustigen Sacramento Kings, die Philadelphia 76ers mit Superstar Allen Iverson oder die glamourösen Los Angeles Lakers - so liest sich gemeinhin die Hitparade der Fans im Wunschkonzert um die NBA-Krone.
Allenfalls texanische Lokalmatadoren haben die biederen San Antonio Spurs auf der Liste. Doch genau dieses ungeliebte Team wird, wenn alles nach Plan läuft, am Ende ganz oben stehen.
"Spiele werden in der Verteidigung gewonnen"
Das Spiel der Spurs ist so erfrischend wie ein Wüstentrip ohne Wasser. Mit der hausbackenen Devise "Spiele werden in der Verteidigung gewonnen" setzt San Antonio auf eine lediglich bei Experten akzeptierte Taktik. Die Zuschauer rümpfen die Nase.
Die Ergebnisse sprechen indes für sich. Zwei Jahre nach dem ersten Titelgewinn der Vereinsgeschichte liegt das Ensemble von Trainer Gregg Popovich nach der diesjährigen Vorrunde erneut vor der gesamten Konkurrenz.
"Duncan ist nicht darauf aus, die Schlagzeilen zu füllen"
Der Erfolg hat einen Namen, der zugleich Sinnbild für das Auftreten der ganzen Mannschaft ist. "Er agiert unauffällig und ist nicht darauf aus, die Schlagzeilen zu füllen", charakterisiert San Antonios Aufbauspieler Avery Johnson seinen überdurchschnittlich begabten Weggefährten Tim Duncan.
Im Vergleich zu Popstar-ähnlichen NBA-Leitfiguren wie Iverson oder den beiden Diven Shaquille O'Neal und Kobe Bryant von den L.A. Lakers nimmt sich der 24-jährige Duncan tatsächlich als ein Star wider Willen aus. Der 2,11 Meter große, von den Jungferninseln stammende Riese verrichtet seine Arbeit still und leise.
Seite an Seite mit Centerpartner David Robinson, mit dem er den ligaweit gefürchteten "Twin Tower" bildet, wird der in höchstem Maße effektive Duncan auch in den Play-offs wieder hinten souverän die Bretter abräumen. Im Schnitt sammelt er 12,2 Rebounds pro Spiel.
Duncan ist der siegbringende Allrounder
Vorne wird Duncan ohne viel Aufsehen einen Ball nach dem nächsten im gegnerischen Korb versenken. Sein Schnitt liegt derzeit bei 22,4 Punkten pro Spiel. In Runde eins werden die Minnesota Timberwolves Duncans Allroundqualitäten zu spüren bekommen.
In der nächsten Runde könnten sich eventuell Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks ein Bild von der Stärke von Duncan & Co. machen. Vorraussetzung ist jedoch, dass Dallas zuerst die Hürde Utah Jazz meistert, was alles andere als ein einfaches Unterfangen ist.
Die Utah Jazz dürfen nicht unterschätzt werden
Vor allem daheim im ohrenbetäubend lauten Delta Center von Salt Lake City sind die Jazz eine Bank. Doch auch, wenn sie die salzige Höhenluft der Heimatstadt, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2002, verlassen, sind sie ein extrem unbequemer Gegner.
Angeführt von den kongenialen Basketball-Urgesteinen Karl Malone, 37, und John Stockton, 39, verfügt der zweimalige Vizemeister über reichlich Play-off-Erfahrung. Nowitzkis Mavericks fehlen hingegen nach elf Jahren Endrundenabstinenz diese speziellen Kenntnisse.
Auch die Portland Trail Blazers und der zur Saisonhälfte reaktivierte Detlef Schrempf stehen gleich zu Beginn des Titelrennens vor einer schweren Aufgabe. Mit den Los Angeles Lakers wartet niemand Geringerer als der amtierende Champion. Der hat nach diversen Eifersüchteleien zwischen O'Neal und Bryant wieder zu alter Form gefunden und zuletzt achtmal in Serie gewonnen.
Kriegt das Schrempf-Team Portland noch mal die Kurve?
Eine solche Erfolgsquote geht Portland dieser Tag ab. Geplagt durch Disziplinlosigkeiten wie die ihres erfolgreichsten Schützen Rasheed Wallace, der mit schöner Regelmäßigkeit frühzeitig den Gang in die Katakomben antreten muss und jüngst seinem eigenen Mitspieler Arvydas Sabonis wutentbrannt ein Handtuch ins Gesicht pfefferte, haben die Trail Blazers völlig den Faden verloren.
Binnen weniger Wochen sind sie in der Western Conference vom ersten auf den siebten Platz abgesackt. "Wir müssen uns in den Play-offs einfach zusammenreißen", sagt der leidgeprüfte Trainer Mike Dunleavy. Der freie Fall scheint allerdings nicht mehr zu stoppen zu sein.