NFL-Playoffs: Sieg oder Saisonende - DER SPIEGEL
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NFL-Playoffs Sieg oder Saisonende

Ab heute gilt in der NFL: Gewinnen oder nach Hause fahren. SPIEGEL ONLINE gibt einen Ausblick auf die Playoff-Partien – und darauf, über wen die New England Patriots bei ihrer Jagd nach der perfekten Saison stolpern könnten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn eine Mannschaft jemals alle 34 Saisonspiele in der Bundesliga gewinnen sollte, wird niemand an der Größe dieser Mannschaft zweifeln. Die New England Patriots haben in der National Football League (NFL) als erstes Team das Kunststück vollbracht, alle 16 Spiele der regulären Saison zu gewinnen – und können sich auf dem Rekord trotzdem nicht ausruhen. Einen deutlicheren Favoriten für den Titelgewinn gab es noch nie, seit die Liga 1978 einen 16-Spiele-Modus einführte. "Es ist ein tolles Gefühl", sagte Patriots-Trainer Bill Belichick. "Aber die wichtigsten Spiele des Jahres stehen uns noch bevor."

Steelers-Quarterback Roethlisberger gegen Jacksonville: Heißes Duell in eisiger Kälte

Steelers-Quarterback Roethlisberger gegen Jacksonville: Heißes Duell in eisiger Kälte

Foto: AFP

Sollten die Patriots nach dem Endspiel am 3. Februar die Vince Lombardi-Trophy in die Höhe stemmen, werden sie lediglich die Erwartungen von Fans und Medien erfüllt haben. Sollten sie aber in den Playoffs verlieren, werden sie als das Team in Erinnerung bleiben, das einer perfekten Vorrunde das Playoff-Versagen folgen ließ. Deshalb ist die Bilanz der Patriots für das Team eine Bürde.

Ob die 16 Siege anderen Teams mehr als den vor jedem Playoff-Gegner gebotenen Respekt einflößen, ist zweifelhaft. In den vergangenen Partien, als Schnee und starker Wind das Passspiel, die stärkste Waffe der Patriots, beeinträchtigten, entkam das Team mehrmals nur knapp einer Niederlage – zuletzt gegen die New York Giants (38:35). Dank ihrer Siegesserie nehmen die Patriots in der Playoff-Setzliste der American Football Conference (AFC) den ersten Rang ein und haben in den Wild Card-Playoffs ein Freilos. Ebenfalls eine Woche länger Pause haben die Green Bay Packers, die Dallas Cowboys und die Indianapolis Colts. Diese vier Teams treffen kommendes Wochenende dann auf die Sieger der vier Heute und Morgen stattfindenden Partien.

Aber es gibt noch elf andere Teams, die vom Sieg im Super Bowl träumen. Nur selten setzte sich das beste Team der regulären Saison durch, selbst im Vorjahr verbuchte Titelträger Indianapolis nur die drittbeste Bilanz der regulären Saison. 2006 triumphierten die Pittsburgh Steelers als krasser Außenseiter, nachdem sie nur als sechstes Team ihrer Conference die Qualifikation geschafft haben. Steelers und Colts sind auch diesmal dabei - SPIEGEL ONLINE blickt auf die Wildcard-Partien und stellt die weiteren Kandidaten vor, die den Patriots ein Bein stellen wollen.

Titelträger im Schatten: Indianapolis Colts

Der Titelverteidiger stand in dieser Spielzeit klar im Schatten der alles überragenden Patriots, doch für den Super Bowl sollte man die Colts wieder auf der Rechnung haben. Dafür spricht nicht nur, dass sie 13 Siege sammelten und damit sogar einen mehr als in ihrer Meistersaison, sondern dass sie auf fast allen Positionen immer noch verdammt gut besetzt sind. Quarterback Peyton Manning war zwar schon besser in Form (31 Touchdowns bei 14 Interceptions), doch spätestens seit einem Jahr ist klar, dass er auch in der Lage ist, ein Team zum Titel und durch enge Spiele zu führen.

Die entscheidende Frage für die Colts lautet: Haben sie die Niederlage gegen die Patriots in der regulären Saison verdaut oder spukt sie ihnen bei einem möglichen Aufeinandertreffen beider Teams im Championship Game der AFC noch im Kopf herum? Vielleicht bekämpfen sie die Erinnerung mit einer anderen Erinnerung: Vor einem Jahr standen sie den Patriots ebenfalls im Finale der Conference gegenüber, lagen klar zurück - um dann noch zu gewinnen. Positives Denken nennt man sowas.

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Vorne toll, hinten schwach: Dallas Cowboys

Ein wenig fühlten sich die Fans der Cowboys in die neunziger Jahre zurückversetzt, als Dallas mit Quarterback Troy Aikman und Running Back Emmitt Smith die Liga beherrschte und drei Titel holte. Trotz zwei Niederlagen in den letzten drei Spielen der regulären Saison holten die Cowboys gemeinsam mit den Green Bay Packers (beide 13:3) die meisten Siege in der NFC. Doch reicht das, um später auch im Super Bowl zu stehen?

Zu frisch ist noch die Erinnerung an die Pleite in den Wildcard Playoffs vor einem Jahr, als Dallas in letzter Sekunde gegen die Seattle Seahawks verlor. Diesmal soll alles anders werden: Quarterback Tony Romo hat in seiner ersten kompletten NFL-Saison überzeugt, wie insgesamt die Cowboys-Offensive, die die zweitmeisten Punkte nach den Patriots erzielte. Doch die Defensive lässt zu viele Punkte zu, und wie heißt das alte amerikanische Sprichwort: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften.

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Der alte Mann und das Märchen: Green Bay Packers

Der alte Mann und das Ei: Quarterback Brett Favre ist mittlerweile 38 und immer noch so unberechenbar wie am ersten Tag seiner NFL-Karriere. Diesmal hatte diese Unberechenbarkeit jedoch deutlich mehr positive Auswirkungen als noch in den Jahren zuvor. Viele Rekorde hat er in dieser Saison gebrochen und dabei stets betont: Die Rekorde sind schön, interessieren ihn aber kaum, er will einfach auf den Rasen gehen und gewinnen.

Das tat er mit seiner Mannschaft voller Jungspunde so oft wie schon seit Jahren nicht mehr. Nicht nur die verrückten Fans in Green Bay lieben ihn, auch im restlichen Land hat er Sympathiewerte, von denen irgendwelche Präsidentschaftsbewerber nur träumen können. Würde Favre sich noch kurzfristig zur Präsidentenwahl stellen, Barack, Hillary und Co. hätten keine Chance. Reicht es denn für die Packers, die märchenhafte Story dieser Saison zu einem Ende mit dem Satz "Und dann gewannen sie auch noch den Super Bowl" zu bringen? Das hängt ganz vom alten Mann ab.

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Jacksonville Jaguars vs. Pittsburgh Steelers

In den auf die Wild Card-Runde folgenden Divisional Playoffs könnten die Patriots wie in der regulären Saison auf die Pittsburgh Steelers treffen – vorausgesetzt, Pittsburgh gewinnt sein Wild-Card-Heimspiel gegen die Jacksonville Jaguars und die San Diego Chargers gewinnen gegen die Tennessee Titans. Das wird allerdings schwierig. Vor drei Wochen gewann Jacksonville 29:22 in Pittsburgh. Jacksonvilles Running Backs Fred Taylor und Maurice Jones-Drew waren nicht zu stoppen.

Dem Duo haben die Steelers nur wenig entgegenzusetzen. Viele Verteidiger, aber auch Running Back Willie Parker sind verletzt. Sein Fehlen macht die Steelers berechenbar – sie sind gezwungen, auf ihr Passspiel und Quarterback Ben Roethlisberger zu setzen. Hoffnung können die Steelers allenfalls daraus schöpfen, dass sie schon vor zwei Jahren ebenfalls als Außenseiter in die Playoffs starteten und den Titel holten. Damals siegten sie auch in einer der spannendsten Partien der vergangenen Jahre bei den Indianapolis Colts.

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Tennessee Titans vs. San Diego Chargers

Die Chargers gelten nicht nur wegen ihres Heimvorteils als Favorit gegen die Titans. Die letzten drei Spiele gegen Tennessee hat San Diego gewonnen, zuletzt siegten die Chargers am 9. Dezember bei den Titans 23:16.

Zudem hat San Diego mit LaDainian Tomlinson den wohl besten Running Back der Liga. Bei den Titans hängt viel von Quarterback Vince Young ab. Als Passwerfer war er unterdurchschnittlich, und die Gegner haben sich auf seine gefährlichen Laufattacken eingestellt. So wird sich Tennessee auf seine Verteidigung verlassen müssen, die Chargers-Quarterback Philip Rivers schon beim 16:23 vor große Probleme stellte. Der Sieger dieser Partie trifft in der nächsten Runde entweder auf die Indianapolis Colts oder die New England Patriots.

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Washington Redskins vs. Seattle Seahawks

In der NFC sicherten sich die Washington Redskins am letzten Spieltag der regulären Saison den Playoff-Einzug. Das 27:6 über die Dallas Cowboys war der vierte Sieg in Folge für die Redskins und zugleich der vierte Einsatz für Quarterback Todd Collins. Der nur als Ersatzmann vorgesehene Spielmacher ist der neue Held in der Hauptstadt. Der 36-jährige hatte seit 1998 nur zwölf Spiele bestritten. Seit er für den verletzten Starter Jason Campbell eingesetzt wurde, hat Collins fünf Touchdown-Pässe und noch keine Interception geworfen.

Seattle setzt auf Spielmacher Matt Hasselbeck, der mit 28 Touchdown-Pässen und nur zwölf Interceptions seine bisher beste Saison spielt. Allerdings hat die Lauf-Offensive Seattles deutlich an Kraft eingebüßt. Running Back Shaun Alexander scheint seine beste Zeit hinter sich zu haben – ein Grund, weshalb die Seahawks als Außenseiter gelten. Der Sieger der Partie trifft entweder auf Altstar Bret Favre mit seinen Green Bay Packers oder auf die Dallas Cowboys.

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New York Giants vs. Tampa Bay Buccaneers

Im zweiten Wild Card-Spiel der NFC müssen die New York Giants bei den Tampa Bay Buccaneers antreten. In der Partie kommt es zu einem Duell ungleicher Spielmacher. Tampa Bays Quarterback Jeff Garcia ist der Hauptgrund dafür, dass das Team seine Bilanz von 4:12 Siegen in der vergangenen Saison auf 9:7 in dieser Spielzeit verbesserte und frühzeitig die Playoff-Qualifikation schaffte.

Dagegen weiß New York immer noch nicht, ob es Spielmacher Eli Manning vertrauen kann. Sein Spiel schwankte in dieser Saison oft zwischen genial und katastrophal – keine guten Voraussetzungen dafür, mit ihm mehr als nur die Playoff-Qualifikation zu schaffen. Doch selbst wenn sich die Giants durchsetzen sollten, bleibt der Titelgewinn in diesem Jahr wohl ein Traum. New Yorks nächster Gegner wären entweder die Green Bay Packers oder die Dallas Cowboys. Gegen die Texaner, die in der Wild-Card-Runde ein Freilos haben, verloren die Giants in dieser Saison schon zwei Mal.

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