NFL-Versager: Auf peinlicher Mission - DER SPIEGEL
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NFL-Versager Auf peinlicher Mission

In der NFL redet jeder von der Siegesserie der New England Patriots. Das ist unfair. Schließlich liegen in dieser Saison mit Miami und St. Louis zwei andere Teams auf Rekordkurs - wenn auch in die falsche Richtung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Natürlich verdienen die Patriots Aufmerksamkeit. Immerhin schicken sie sich an, in der National Football League Geschichte zu schreiben. Das Team aus Boston dominiert die Konkurrenz so klar, dass die erste perfekte Saison seit Jahrzehnten immer wahrscheinlicher wird. Zwar gewannen die Miami Dolphins bereits vor 35 Jahren jedes Spiel - allerdings hatten die Dolphins damals auch nur vierzehn Spiele in der regulären Saison und drei weitere Partien in den Playoffs. Ein Siegeszug der Patriots über 16 Spiele in der Vorrunde wäre also tatsächlich etwas Neues und verursacht entsprechendes Aufsehen.

Die Aufregung raubt anderen bemerkenswerten Ereignissen die Aufmerksamkeit. Besonders unbeachtet blieben bisher zum Beispiel die Miami Dolphins, denen der Patriots-Rummel allerdings nur recht sein dürfte. Zwar ist auch bei den Dolphins der Anlass wie 1972 historisch, allerdings weit weniger rühmlich: Miami schickt sich an, zu Anti-Patriots zu werden und seine Saison sieglos zu beenden.

Damit wären die Dolphins zwar nicht das erste totale Verlierer-Team der NFL-Geschichte. Die Tampa Bay Buccaneers verloren 1976 jedes Spiel. Aber wie bei der perfekten Saison der Dolphins 1972 gab es damals nur 14 Saisonspiele. 16 Niederlagen hätten deshalb genauso wie 16 Siege der Patriots historischen Wert: Seit die Liga 1978 zu einem 16-Spiele-Modus wechselte, hat keine Mannschaft mehr als 15 Spiele in einer Saison verloren.

Und jetzt möglicherweise die Dolphins, der Club von Ruhmeshallen-Quarterback Dan Marino. Genau genommen begann der Abstieg der Mannschaft aus Florida zum schlechtesten Team der Liga nach der Saison 1999, als Marino seine Karriere beendete. Seither haben sich als Marinos Nachfolger Jay Fiedler, Ray Lucas, Brian Griese, A.J. Feeley, Sage Rosenfels, Gus Frerotte, Daunte Culpepper, Joey Harrington und Trent Green versucht. Sie kennen diese Spieler nicht? Macht nichts, denn ihre Leistungen in Miami waren wie ihre Namen: zum Vergessen. Aktuell versagt Cleo Lemon auf der Spielmacher-Position. Lemon spielt zwar nicht wie eine Zitrone, sondern eher wie eine Pflaume - aber bei den Dolphins-Fans dürften seine Leistungen trotzdem einen sauren Nachgeschmack hinterlassen.

Die Chancen, dass Miami noch eine Partie für sich entscheidet, sind gering. In Running Back Ronnie Brown, der nach einer Verletzung für die Saison ausfällt, haben die Dolphins ihre beste Offensivkraft verloren. Und die Verteidigung ist so schlecht, dass sie keine Punkte erzielen kann, geschweige denn verhindern. Defensiv-Asse wie Linebacker Zach Thomas oder Defensive End Jason Taylor, im vergangenen Jahr noch zum besten Defensivspieler der Liga gewählt, sind über ihren Zenit hinaus. Die Dolphins lassen mehr als 30 Punkte pro Partie zu und stellen damit die schlechteste Abwehr der Liga. Wenig hilfreich waren auch Schachzüge wie der von Linebacker Joey Porter, vor dem Spiel gegen die Oakland Raiders einen Sieg zu garantieren. Das wirkte angesichts des Ergebnisses (17:35) nur noch peinlich.

Der einzige Lichtblick für die Dolphins ist derzeit das Elend einer zweiten Mannschaft: Die St. Louis Rams leisten ihnen im Versager-Club der Acht-Niederlagen-Mannschaften Gesellschaft. Das hatte kaum jemand erwartet. Vor der Saison galt das Team aus St. Louis als Anwärter auf einen Playoff-Platz, während den Dolpins eine eher unerfreuliche Saison prophezeit wurde.

Doch inzwischen eint die Teams mehr, als ihnen lieb sein kann. Die Rams haben ebenfalls eine miserable Verteidigung und lassen mehr als 27 Punkte pro Spiel zu. Zudem stellen sie den schlechtesten Angriff der Liga, der gerade einmal auf etwas mehr als zwölf Punkte pro Partie kommt. Der offensive Offenbarungseid wurde zusätzlich durch Verletzungen von Schlüsselspielern wie Running Back Stephen Jackson und Quarterback Marc Bulger verstärkt.

Der neunte Spieltag war noch der beste

Der Niedergang der Rams ist schwer nachzuvollziehen. Von 1999 bis 2001 galten sie als "Greatest Show on Turf", als größte Show auf Kunstrasen und als Schrecken jeder Abwehr. Damals hatten die Rams Spieler wie Quarterback Kurt Warner und Running Back Marshall Faulk. Warner spielt jetzt bei den bestenfalls durchschnittlichen Arizona Cardinals. Und Faulk schaut sich seine Nachfolger vom TV-Kommentatorenplatz aus an. Die Erinnerungen an die Playoff-Teilnahmen 2001 und 2003 und den Super Bowl-Sieg im Jahr 2000 können die aktuelle Trostlosigkeit nicht übertünchen.

Verletzungen, Pech und mangelndes Talent: Rams und Dolphins haben hervorragende Voraussetzungen für einen baldigen Eintrag in die Geschichtsbücher, Kategorie "Meiste Niederlagen in einer Saison". Sollten die Teams weiter so auftreten wie bisher, wird die Saisonbilanz nach ihren letzten Saisonpartien am 30. Dezember wohl lauten: Der neunte Spieltag war noch der beste. Da waren beide Teams spielfrei.

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