Nowitzki-Coach Johnson: Der kleine General - DER SPIEGEL
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Nowitzki-Coach Johnson Der kleine General

Emsig, ehrgeizig, erfolgsbesessen: Bereits in seinem ersten Jahr wurde Avery Johnson zum NBA-Trainer des Jahres gewählt. Im Kampf um den Titel versagen seine Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki bislang jedoch. Jetzt hat "AJ" seinen Ton geändert - und die Taktik.
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Es ist nicht immer leicht, Avery Johnson inmitten seiner Spieler auszumachen. Wenn Dirk Nowitzki, Desagana Diop (beide 2,13 Meter) oder auch Erick Dampier (2,11) um ihn herumstehen und seinen gestenreichen Anweisungen zuhören, wird der Trainer schon mal übersehen - überhört wird er jedoch nie. Denn Johnson, den bei den Dallas Mavericks alle nur "AJ" nennen, weiß, wie er sich trotz 1,80 Meter Körpergröße bei den Langen Gehör verschafft. "Er erwartet immer das Beste von dir, egal in welcher Situation. Und wenn du nicht machst, was er sagt, läufst du ihm anschließend lieber nicht über den Weg. Avery ist wie ein General – aber so ist er nun einmal", beschreibt Josh Howard den Coach, der schon als Spieler den Spitznamen "Little General" hatte. Emsig, ehrgeizig, erfolgsbesessen – so war Johnson auf dem Feld.

16 Jahre spielte er in der NBA, obwohl ihn dort zunächst niemand haben wollte. Beim Draft, der alljährlichen Auktion der neuen Spieler, wurde der Point Guard 1988 verschmäht. Elf Jahre später wurde Johnson trotzdem Meister, mit den San Antonio Spurs. Oder besser gesagt, die Spurs mit ihm beziehungsweise durch ihn. In der Finalserie besiegten die Texaner die New York Knicks 4:1. David Robinson war der Superstar im Team, Tim Duncan das Toptalent, das sogar zum MVP ("wertvollster Spieler") der Finals gewählt wurde.

Aber der Meistermacher hieß Johnson. Die Nummer sechs der Spurs versenkte den entscheidenden Wurf im fünften Spiel zum 78:77-Sieg. Ausgerechnet im New Yorker Madison Sqaure Garden, wo schon so viele US-Sportgeschichten geschrieben wurden, hatte der Kleinste auf dem Feld seinen größten Moment und San Antonio endlich den ersten Titel der Clubgeschichte.

"Jedes Mal wenn ich zurück in den Garden komme, gehe ich zu der Stelle fünf, sechs Meter vor dem Korb, von der ich damals getroffen habe. Das sind einfach wunderschöne Erinnerungen", schwärmt Jonhson, "und das versuche ich auch meinen Spielern einzuprägen - eine Meisterschaft ist etwas ganz besonderes, so was vergisst du nie."

Im Juni 2006 fehlte seinen Mavericks nur ganz wenig zu dieser ewigen Glückseligkeit. Johnson war damals seine erste komplette Saison Coach, wurde auf Anhieb zum "Trainer des Jahres" gewählt und schaffte es ins Endspiel gegen Miami. Doch die Krönung blieb ihm versagt. Trotz zweier Siege zum Auftakt und einer hohen Führung im dritten Spiel holte am Ende Miami den Titel. Doch aus der Finalniederlage nahmen er und seine Spieler die Motivation für einen neuen Anlauf zur ersten Meisterschaft in der Clubgeschichte der Mavericks.

Johnson dirigierte, Dallas dominierte. 67 Siege in 82 Spielen der regulären Saison 2006/2007, Topfavorit. Doch dann kamen die Playoffs, ausgerechnet gegen Golden State, gegen die Warriors, trainiert von Don Nelson. Jener Nelson, der Johnson jahrelang in Dallas gecoacht und ihn anschließend als Assistent zu sich an die Seite geholt hatte. Im Duell Erster gegen Achter der Western Conference hatte Johnson zwar das bessere Team, Nelson jeoch die Erfahrung und den Vorteil, jeden Mavericks-Spieler zu kennen.

Ein Drama: Dallas schied gleich in der ersten Runde aus. "Man muss sich alles hart erarbeiten und kann nicht erwarten, irgend etwas geschenkt zu bekommen", sagt Johnson. Eine komplette reguläre Saison, ist sie auch noch so erfolgreich, zähle ab dem Beginn des ersten Playoffspiels nichts mehr. Dann beginne ein völlig neuer Wettkampf quasi eine eigene Saison. "Und dann ist es total egal, ob du von 82 Spielen zuvor 67 gewonnen hast oder nicht", so Johnson. Diese Saison sind es bislang 19 Siege bei neun Niederlagen. Dallas ist das drittbeste Team im Westen und rangiert in der gesamten NBA auf Platz fünf. Zuletzt gewannen die "Mavs" fünf Spiele nacheinander, am Mittwoch gastieren sie bei den Utah Jazz (15/14).

Eine Vorrunde wie die vergangene, dass weiß Johnson selbst, ist diesmal nicht drin. Die Form soll langsam in Richtung K.o.-Runde, die im April 2008 beginnt, gesteigert werden. "Avery ist diese Saison ein bisschen vom Gas gegangen und hat nicht von Beginn an nur rumgebrüllt wie noch im Vorjahr", sagt Dirk Nowitzki. Leiser ist Johnson jedoch keinesfalls geworden. Er sei immer noch enttäuscht, dass sein Team es nicht mindestens ins Finale geschafft habe.

Emsig, ehrgeizig, erfolgsbesessen – das trifft auch auf den Trainer Avery Johnson zu. Und das wird in den Statistiken deutlich: Kein anderer seiner Zunft hat so schnell 50, 100 und 150 Siege verbucht wie "AJ". Ruhepausen kennt er kaum. Selbst wenn sein Team klar führt, steht er an der Seitenlinie, gestikuliert und treibt an. Keiner seiner Stars ist vor seinem Hang zur Perfektion sicher. Auch kein MVP Nowitzki. "Ich möchte einfach, dass Dirk sich überall noch etwas verbessert - im Pass-Spiel, bei den Offensiv-Rebounds, bei einigen Dingen in der Defensive", sagt Johnson über seinen wichtigsten Mann: "Aber mir ist ebenso wichtig, dass er dieses Team, sein Team, auf ein hohes Level führt und alle anderen um ihn herum sich mit ihm steigern."

Genauso engagiert wie beim Basketball ist Johnson auch außerhalb der Arenen. So half er im Oktober 2005 dem Roten Kreuz und der Heilsarme bei der Unterstützung von Opfern des Hurrikans "Katrina" in seiner Heimatstadt New Orleans. Zudem ist er Mitglied einer Organisation, die Obdachlose in Dallas täglich mit Essen versorgt. Und in Schulen und Kirchen tritt Johnson mitunter als Redner auf. Oftmals erzählt er dann aus seinem Leben: Wie sich ein kleiner Mann unter den ganz Großen durchgesetzt hat. Solche Storys lieben sie in Amerika.

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