Playoff-Legenden: Revolution und Revolverhelden - DER SPIEGEL
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Playoff-Legenden Revolution und Revolverhelden

In den heute beginnenden NBA-Playoffs wird sich zeigen, welches Team wirklich Meisterqualitäten hat. Michael Jordan, der bislang wohl beste Basketballer, wurde im Titelkampf zum Heroen. Aber auch andere Profis drückten den Playoffs ihren Stempel auf.
Von Sven Simon
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

8. Platz - 16 Punkte in 94 Sekunden (1984)
Erstes Playoffspiel zwischen New York und Detroit. Bei 1:57 Minuten Restspielzeit führen die Knicks mit acht Punkten, dann klinkt Isiah Thomas aus. In der stickigen Joe-Louis-Arena schafft er 16 Punkte in 94 Sekunden – darunter nur ein Dreier. Aber die Pistons verlieren in der Verlängerung. "Gott hat Isiah seine Hand aufgelegt und gesagt, dass er Basketball spielen und großartig dabei sein solle", predigt Detroits Rory Sparrow.

7. Platz - Sampsons Gamewinner (1986)
1986 führen die Houston Rockets im Finale der Western Conference gegen den Champ aus Los Angeles 3:1. Die Partie steht unentschieden, eine Sekunde ist noch zu spielen. Rockets-Coach Bill Fitch setzt alles auf einen Pass direkt von der Mittellinie zu Ralph Sampson in der Zone. "Ralph sagte mir, dass ich mir keine Sorgen machen solle wegen des Passes", erinnert sich Einwerfer Rodney McCray später, "er würde ihn irgendwie bekommen, versprach er." Mit dem Rücken zum Korb fängt Sampson den Ball in der Luft, dreht den Kopf zum Korb und lässt die Pille über Kareem Abdul-Jabbars ausgestreckte Arme fliegen. Der Ball tippt einmal auf dem Ring auf und fällt durchs Netz – die Rockets stehen im Finale.

6. Platz - Milehigh Cinderella (1994)
Seattle war gut drauf. Mit Gary Payton, Shawn Kemp und Detlef Schrempf an der Spitze hatten sie ein großartiges Team aufgebaut. 63 Siege in der Saison 1993/94 – die beste Bilanz der Liga. Kurz danach war all das Makulatur. Die Denver Nuggets hatten den Titelanwärter 3:2 in den Urlaub verabschiedet. Und das, obwohl die SuperSonics mit zwei Siegen in die Serie gestartet waren. Angetrieben von Guard Robert Pack und Center Dikembe Mutombo glichen die Nuggets aus und sichern sich das fünfte Spiel in Seattle nach Verlängerung 98:94. Erstmals gewinnt damit ein an Platz acht gestarteter Club gegen die an Position eins gesetzte Mannschaft.

5. Platz - High Noon mit Larry und Nique (1988)
"Es war wie bei zwei Revolverhelden, die sich Auge in Auge gegenüberstehen und darauf warten, wer zuerst umfällt", sagte Bostons Kevin McHale später. Für den größten Shootout der NBA-Geschichte hatten sich Larry Bird und Atlantas Dominique Wilkins das siebte Spiel der zweiten Runde ausgesucht. Dominique kommt auf 47 Punkte (16 im letzten Viertel), Larry macht 34 (20). Wie sie sich in der Schlussphase – Athletik auf der einen und Fähigkeiten auf der anderen Seite – gegenseitig immer wieder attackieren, zeigt die Essenz von wahrer Basketball-Größe.

4. Platz - Acht Punkte in 8,9 Sekunden (1995)
Die Knicks hatten bereits gewonnen, nur hatte Reggie Miller das niemand mitgeteilt. Sechs Punkte liegt Indiana 1995 zurück – bei 16 Sekunden verbleibender Spielzeit. Es ist das erste Spiel der zweiten Runde gegen die Knicks, und das Volk im Madison Square Garden tobt bereits auf den Stühlen. "Im Ernst? Ich dachte nicht, dass wir noch eine Chance haben", sagt der frühere Pacers-Coach Larry Brown heute. Dann trifft Miller einen Dreier. Beim Einwurf fängt er den Ball ab. Aber anstatt den Leger zu verwerten, hastet er zwei Schritte zurück und verwandelt in Schräglage einen weiteren Distanzwurf – Ausgleich. Nachdem John Starks zwei Freiwürfe vergibt, wird Miller beim Rebound gefoult und trifft von der Linie zwei Mal. Seine acht Punkte in 8,9 Sekunden reichen zum Sieg. Auf dem Weg durch die Katakomben verspottet Miller die Knicks lautstark als "Choke Artists" (frei übersetzt: Versagenskünstler).

3. Platz - Jordan erzielt 63 Punkte (1986)
Ja, es geht. Mit einem Playoff-Spiel kann aus einem Normalsterblichen Gott-Vize werden. Jordans 63 Punkte gegen die Boston Celtics sind noch heute Playoff-Rekord. Dass seine Bulls das Spiel nach zwei Verlängerungen und die Serie mit 0:3 verlieren, interessiert heute keinen mehr. "Er ist Gott, verkleidet als Michael Jordan", so Larry Bird nach dem Spiel. Amen.

2. Platz - Birds Steal (1987)
Kaum jemand erinnert sich daran, was der TV-Sprecher bei der entscheidenden Szene des fünften Spiels der Conference-Finals von 1987 zwischen Detroit und Boston gesagt hat. Aber jeder Basketball-Fan kennt die Stimme von Johnny Most. "And there's a steal by Bird, over to D.J. for the layup and the Celtics have a one-point-lead! What a play by Bird! This place is going wild", brüllt der Radioreporter in sein Mikro. Es sind noch fünf Sekunden zu spielen, Detroit führt mit einem Punkt, Isiah Thomas hat den Ball an der Außenlinie zum Einwurf – alle Weichen auf Sieg. Thomas sieht Bill Laimbeer vor sich, sein Teamkollege ist frei. Aber als er passt, springt Larry Bird in den Passweg und fängt den Ball ab. Noch während der Forward der Celtics ins Aus fällt, füttert er den schneidenden Dennis Johnson für den Korbleger. 108:107-Sieg für Boston und Rahn'sche Unsterblichkeit für Bird.

1. Platz - The Shot (1989)
Die Mutter aller Schlüsselszenen. Entscheidendes fünftes Spiel gegen die Cleveland Cavaliers in der ersten Runde. Chicago liegt mit einen Punkt hinten. Drei Sekunden zu spielen. Michael Jordan steigt an der Freiwurflinie zum Jumper hoch, wartet, bis Verteidiger Craig Ehlo am Sinken ist – und trifft. Erste Schritte hin zum Mythos. Wie der 26-Jährige jubelnd in die Luft springt, lässt noch heute Gänsehaut sprießen. "Der Spielzug war: Gebt Michael den Ball und geht ihm verdammt noch mal aus dem Weg", sagt Bulls-Coach Doug Collins danach. 1993 schießt "MJ" die Cavaliers erneut mit der Schlusssirene aus den Playoffs. Angeblich hängt sein Konterfei noch heute in Ohio über zahllosen Dartboards.

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