Playoff-Zaungäste Arme Millionäre
Hamburg - Am Ende seiner langen Laufbahn wollte es Karl Malone noch einmal wissen. Der damals 40-Jährige hatte in 18 Spielzeiten für die Utah Jazz so zuverlässig Punkte abgeliefert wie der Briefträger die Post und mit Aufbauspieler John Stockton ein kongeniales Duo ("Stockalone") gebildet, das in der NBA gefürchtet war. Nur eines war dem "Mailman" immer verwehrt geblieben: der Gewinn eines NBA-Titels. Also wechselte er in seiner letzten Saison 2003/04 noch einmal zu den Los Angeles Lakers, um seine lange Karriere mit einem Titel zu krönen.
Malone, der zweitbeste Scorer der Liga-Geschichte, gilt als Paradebeispiel für das Dilemma, in dem viele NBA-Stars stecken. Trotz überragender Leistungen und individueller Klasse fehlt ihrer Karriere die Krönung in Form des Meisterschaftsrings. Denn es ist dieser Fingerschmuck, der jeden Basketballprofi umtreibt. "Das ultimative Ziel für einen Profi ist es, zum Champion gekürt zu werden. Wenn man nicht weiß, wie sich das anfühlt, hinterlässt das eine Lücke", sagt Bob Lanier, von 1970 bis 1984 einer der besten Spieler der NBA. Dem Center (Detroit Pistons und Milwaukee Bucks) war es nicht vergönnt, die Meisterschaft zu gewinnen.
In der diesjährigen Saison müssen wieder etliche Stars erkennen, dass es auch dieses Mal nicht zum großen Wurf mit der Mannschaft reichen wird. Ihre Teams waren schon in der Regular Season zu schlecht. Prominentester Leidensgenosse eines Karl Malone ist Allen "The Answer" Iverson.
Der 30-Jährige hat in dieser Spielzeit mehr als 70 Saisonspiele für die Philadelphia 76ers absolviert und wieder mehr als 30 Punkte im Schnitt erzielt - nur um in der heißen Phase zum Zuschauen verdammt zu sein. 2001 war er schon dicht am Titelgewinn. Doch die 76ers unterlagen den L.A. Lakers nach fünf Finalpartien 1:4. Der Titel als MVP ("wertvollster Spieler") in demselben Jahr war für Iverson nur ein schwacher Trost. Als Trophäe gibt es eine Statue, keinen Ring.
Auch Kevin Garnett von den Minnesota Timberwolves muss darben, zumindest in punkto Titel. Er ist einer der besten Allrounder der Liga, war 2004 MVP und hat seit Jahren einen Stammplatz im Allstar-Team. Doch den NBA-Titel wird der Forward wohl nie gewinnen, zumindest nicht mit den Timberwolves, für die Garnett seit seinem NBA-Debüt 1995 spielt und die bei den diesjährigen Playoffs ebenfalls zuschauen müssen.
Die enttäuschende Saison wird Garnett und Iverson nicht davon abhalten, im nächsten Jahr mit ihren aktuellen Clubs einen neuen Anlauf auf den Thron zu nehmen. Vielleicht wechseln sie irgendwann auch den Verein, wie 2003 Malone. Und hoffentlich gibt es für sie ein Happy-End. Malone erreichte in seiner letzten Saison 2004 mit den Lakers zwar noch einmal das Finale, unterlag dort jedoch den Detroit Pistons 1:4.