Wechselkönig Dickau Irrflug durch die NBA
Acht Teams in fünf Jahren. Das ist ein Spitzenwert! Ein Superlativ! Leider allerdings auch der einzige, der sich auf Dan Dickaus NBA-Statistikbogen finden lässt. Die durchschnittlich 5,8 Punkte und 2,4 Assists pro Spiel sind für den Point Guard kaum der Rede wert.
Dabei kommt Dickau als College-Star zu den Profis. 21,0 Punkte und 4,7 Assists schaffte er als Senior für das Uni-Team Gonzaga Bulldogs (Spokane/Washington). Er wird ins All-American-Team berufen, unvergesslich auch der spielentscheidende Dreier 2001 in der ersten Runde in der College-Meisterschaft (NCAA-Championship) gegen die University of Virginia.
Dickaus schnuckeliges Bubi-Gesicht prangt wenig später von der Zeitschrift "Sports Illustrated". Dan Dickau - der Superstar! Doch der Absturz folgt prompt. Als Draftpick Nummer 28 des Jahres 2002 landet er in Atlanta. Bei den Hawks absolviert Dickau von Oktober 2002 bis Februar 2004 73 NBA-Spiele, ohne zu überzeugen.
Es beginnt eine Odyssee ohne Höhepunkte: Portland Trail Blazers (hier trifft er wenigstens viele seiner alten Collegefreunde), Golden State Warriors (dort spielte er nie), Dallas Mavericks (wo er Dirk Nowitzki die Hand in einer Taxitür einklemmt) und schließlich New Orleans. Bei den Hornets darf der 1,80 Meter große Dickau erstmals wirklich spielen.
In 46 von 67 Spielen startet Dickau, absolviert 31 Minuten im Schnitt, beendet die Saison mit 13,2 Punkten und 5,5 Vorlagen. Es ist der klassische Fall von guten Statistiken in einem schlechten Team. Denn dass die Hornets in dieser Saison nur 18 Spiele gewinnen, kümmert in Louisiana niemanden, denn dank der schlechten Bilanz kommt per Draft Christopher Emanuel Paul. Und wer geht? Richtig: Dickau, dieses Mal nach Boston.
Das ist bitter. Noch bitterer: Der folgende Achillessehnenriss nach nur 19 Spielen, knapp acht Monate Reha, vier Zentimeter Muskelschwund am rechten Bein. Es folgt der Trade nach - schon wieder - Portland. Dort spielt er 50 Spiele und liefert die schlechtesten Werte seiner Karriere ab. Ab nach New York zu den Knicks.
Aber es geht noch bitterer: Dickaus jetziger Club sind die Clippers in Los Angeles, wo der 29-Jährige hinter dem alternden Sam Cassell (38, inzwischen Boston Celtics) und dem kleinen Brevin Knight (1,78 Meter) zwar durchschnittlich rund 14 Minuten auflaufen darf, allerdings trotzdem nicht mehr als 4,4 Punkte und 2,3 Assists erzielt.
Aber vielleicht winkt Dickau ja demnächst ein bisschen mehr Spielzeit. Nämlich für die polnische Nationalmannschaft. Dort sind die Großeltern des gefallenen Stars geboren. Der Kontakt zwischen Spieler und Verband besteht schon seit längerer Zeit.