Zweiter Dallas-Finalsieg "Das war ein Traumstart"
Dallas - Manchmal ist es besser man sieht weg. Der Frust stand Shaquille O'Neal ins Gesicht geschrieben, und das wollte er unter keinen Umständen von einer der vielen TV-Kameras eingefangen wissen. Nachdem seine Heat auch das zweite Final-Spiel gegen die Dallas Mavericks verloren hatten, weigerte sich Miamis Superstar, nach der Partie mit der Presse und den Medien zu sprechen. Prompt bekam er dafür von der NBA eine 10.000-Dollar-Strafe aufgedrückt. O'Neal hatte allen Grund zur Enttäuschung. Die Dallas Mavericks um Dirk Nowitzki ließen ihn und seinen Co-Star Dwyane Wade nie ins Spiel kommen und bescherten Miami mit dem 99:85 einen 0:2-Rückstand in der Best-of-Seven-Serie. Damit benötigt Dallas nur noch zwei Siege zum ersten Titelgewinn.
"Das war der erhoffte Traumstart", sagte Dirk Nowitzki. Der Deutsche erzielte mit 26 Zählern die meisten Punkte für sein Team und zeigte sich stark verbessert gegenüber seiner Leistung im Auftaktspiel am Donnerstag, als ihm für seine Verhältnisse nur unterdurchschnittliche 16 Punkte gelungen waren. "Klasse, Dirk hat heute so gespielt wie wir ihn kennen", lobte Mavericks-Trainer Avery Johnson nach dem zweiten Duell mit Miami. Außerdem sammelte der Forward 16 Rebounds ein. "Gewonnen ist jedoch eigentlich noch nichts, weil man diese beiden Heimsiege von uns erwartet hat", ergänzte Nowitzki, "jetzt dürfen wir nicht relaxen und müssen weiter Vollgas geben."
Nowitzki erhielt zudem effiziente Unterstützung von seinen Teamkollegen Josh Howard (15 Punkte), Jason Terry (16) und Jerry Stackhouse. Letzterer stand nicht in der Startformation, war mit 19 Zählern dennoch zweitbester Schütze bei Dallas. Unter anderem gelang dem Guard ein so genanntes Vier-Punkte-Spiel. Stackhouse wurde bei der Verwandlung eines Drei-Punkte-Wurfs von Miamis Wade gefoult und traf auch den fälligen Freiwurf. Weil seinem Mannschaftskollegen Howard dieses Kunststück ebenfalls gelang, stellte Dallas einen neuen NBA-Rekord auf: Die Texaner sind das erste Team, dem zwei Vierer in einem Finalspiel glückten.
Wie im Auftaktspiel schlug sich der enorme Druck der ersten Finalteilnahme bei beiden Teams zunächst in zahllosen Fehlpässen nieder. Doch während Dallas vor der Pause mit einem unwiderstehlichen 16:2-Zwischenspurt das Lampenfieber besiegte, sackten die Werte des Gegners kontinuierlich in den Keller. Nicht einmal 30 Prozent der Heat-Würfe landeten in der ersten Halbzeit im Korb. "Dallas hatte mehr Willen und mehr Energie. In dieser Form hatten wir heute keine Siegchance", sagte Miamis Trainer Pat Riley.
Enttäuschend war vor allem der Auftritt der beiden Superstars in Reihen des Teams aus Florida. Besonders Shaquille O'Neal zeigte eine schlechte Leistung. Der Center traf nur zwei von fünf Wurfversuchen und erzielte insgesamt lediglich fünf Punkte. Beide Werte sind Negativrekorde in O'Neals 14-jähriger NBA-Karriere. "Wir müssen ihn effizienter einsetzen", sagte sein Teamkollege Wade.
Mit einer engagierten Verteidigung machten die Mavericks dem wuchtigen Center das Leben unter dem Korb schwer. Jedes Mal, wenn O'Neal den Ball bekam, wurde er gleich von mehreren Dallas-Spielern attackiert. "Ich glaube, er hat den Ball 30 Mal bekommen und ihn mindestens 12 Mal weitergepasst. Wie oft will er ihn den noch bekommen", hatte Erick Dampier, O'Neals direkter Gegenspieler, nach dem ersten Spiel gesagt. Im vorigen Jahr hatte sich der Heat-Star noch über Dampier und dessen angeblich kraftlose Spielweise lustig gemacht. "Egal, was sie machen, wir werden darauf antworten", fügte Dampier nun hinzu.
Miamis Dwyane Wade war mit 23 Zählern zwar treffsicherster Gäste-Spieler. Doch der Jungstar erzielte die meisten seiner Punkte, als die Heat bereits hoffnungslos im Hintertreffen lagen. Im Schlussviertel schonte Trainer Riley daher seine beiden Starspieler und ließ sie auf der Bank. Antoine Walker war mit 20 Punkten zweitbester Scorer der Heat, die im dritten Spiel der Serie auf Forward Udonis Haslem verzichten müssen, der sich an der linken Schulter verletzte.
Das kommende Spiel ist als vorentscheidende Partie der Serie anzusehen. In der NBA-Gesichte haben es bisher nur die Boston Celtics (1969) und die Portland Trail Blazers (1977) geschafft, ein 0:2 in der Serie zu drehen und trotzdem Meister zu werden.
Im dritten Duell der "Best-of-Seven"-Serie hat Miami am Dienstag Heimrecht, ebenso im folgenden Spiel am Sonntag.
kob/dpa