»Vermeintliche Siege« - DER SPIEGEL
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PROZESSE »Vermeintliche Siege«

Theo Zwanziger, 63, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), über den Vorwurf eines Sportjournalisten, er sei ein »Demagoge«
• aus DER SPIEGEL 48/2008
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SPIEGEL: Der Journalist Jens Weinreich hat Sie, als Sie die Rolle des Kartellamts bei der Fußballvermarktung kritisierten, in einem Blog als »unglaublichen Demagogen« bezeichnet. Sie wollten per einstweiliger Verfügung eine Unterlassungserklärung dagegen erwirken und haben zweimal vor Gericht verloren. Warum geben Sie nicht Ruhe?

Zwanziger: Es ist falsch, von einer Niederlage zu sprechen, schließlich war es nicht das Hauptsacheverfahren. In einer einstweiligen Verfügung wird der Sachverhalt nicht umfassend gewürdigt, der Anlass nicht sauber herausgearbeitet.

SPIEGEL: Sie haben auf das Hauptsacheverfahren verzichtet, nachdem beide Instanzen klargestellt hatten, dass keine Verunglimpfung vorliegt. Demagoge muss nicht, wie von Ihnen behauptet, als Volksverhetzer übersetzt werden.

Zwanziger: Ich räume ein, dass ich den Begriff sehr belastet sehe. Dann wurde ich nach Abschluss des Verfügungsverfahrens und noch vor Einreichen der Klage auf einen weiteren Blog-Eintrag von Herrn Weinreich aufmerksam gemacht, in dem er klarstellt, den Begriff nicht so gemeint zu haben, wie ich es sehe, nämlich belastet aus der Zeit des Nationalsozialismus. Daraufhin haben wir die Klage nicht eingereicht. Der juristische Teil der Auseinandersetzung war für mich damit beendet.

SPIEGEL: Sie machen trotzdem weiter. In einer Presseerklärung missbilligen Sie die »Diffamierung« durch Weinreich und behaupten, er habe ein Fehlverhalten eingestanden. Weinreich empfindet das als Angriff auf seine Reputation. Musste diese Provokation sein, ist sie nicht demagogisch im Sinne von: agitatorisch?

Zwanziger: Herr Weinreich macht ja auch alles öffentlich. Er hat in den Blogs die vermeintlichen Siege groß gefeiert. Es wird immer von Pressefreiheit geredet, aber gilt für den DFB keine Meinungsfreiheit? Die Presseerklärung hat Herrn Weinreichs Angriffe deutlich zurückgewiesen. Warum ist er jetzt so empfindlich?

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