Whoosh - DER SPIEGEL
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AMERICA'S CUP Whoosh

Der ungewöhnlich geformte Kiel einer australischen 12-m-Jacht läßt Amerikas Segler bangen. *
• aus DER SPIEGEL 33/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eines Morgens im Frühling des Jahres 1970 erblickten australische Hochseesegler auf einer Bootswerft im New Yorker Hafen eine seltsam glatt und schier anmutende Rennjacht der internationalen 12-m-Klasse. Es war die neue »Valiant«, ausersehen, den aus dem Jahre 1851 stammenden »America''s Cup« zu verteidigen. Bei ihr waren, um ihren Luftwiderstand zu mindern, erstmals alle Winschen unter Deck angebracht.

Neugierig gingen die Australier, ein segelnder Krösus namens Alan Bond und der Bootskonstrukteur Ben Lexcen, an Bord, um den technischen Clou des Neubaus zu betrachten. Dann verjagte ein Crew-Mitglied die Fremden.

Da tat Bond einen zornigen Schwur: »Du konstruierst mir ein Boot wie dieses«, vernahm Designer Lexcen, »und dann werde ich diesen Cup gewinnen.«

Das war vor 13 Jahren, vor vier Cup-Herausforderungen und 16 Millionen US-Dollar, die der Australier und die Mitglieder eines von ihm gegründeten Syndikats seither dabei verloren haben. Nun aber sieht es endlich so aus, als könnte es mit dem »Australia II« getauften, neuesten Bond-Boot gelingen, den Schwur wahrzumachen. Der America''s Cup, seit 132 Jahren im Besitz des »New York Yacht Club« und mit einem Aufwand von über 660 Millionen Mark umkämpft, scheint erstmals ernsthaft bedroht zu sein.

»Ihr Deck taucht nicht ein, bleibt trocken«, schwärmte Designer Lexcen über die Fähigkeit seiner Jacht, doppelt so schnell wie eine herkömmliche Zwölfer-Jacht zu wenden, »sie kommt einfach rum und, whoosh, zischt sie durchs Wasser wie eine Maschine.«

»Wenn die so weitermachen dürfen«, giftete der amerikanische Jacht-Designer Halsey Herreshoff, »wird die Jacht den America''s Cup wahrscheinlich gewinnen.« Sie dürfen weitermachen.

Letzte Woche hat die »International Yacht Racing Union« in London einen Protest des »New York Yacht Club« gegen die Zulassung der »Australia II« abgewiesen. Wut, Pessimismus und Untergangsstimmung haben sich seither, schon einen Monat vor den Cup-Regatten bei Newport (Rhode Island), unter Amerikas Seglern ausgebreitet.

Protest, Ängste und Hoffnungen gelten einem Gebilde unter dem Bauch der australischen Jacht, das nur wenige Menschen bisher gesehen haben: einem ungewöhnlich gestalteten Kiel. Im Gegensatz zu den bisher üblichen, beinahe geometrisch strengen Kielformen entwickelten die Australier einen schwungvollen Nasenkiel mit leicht abwärts gestellten Seitenflossen (siehe Graphik).

Die Australier riskierten damit einen Schritt, wie ihn sich ähnlich auch die Deutschen für ihren 1986 geplanten Angriff auf den am längsten umkämpften Sportpokal vorgenommen haben (SPIEGEL 10/1983). Innerhalb der 12-m-Bauformel bleibt den Konstrukteuren ein kleiner Spielraum für Varianten.

Vor der ersten Wettfahrt der Cup-Regatta waren die teilnehmenden Boote, wie üblich, von einem Komitee internationaler Fachleute auf Formeltreue hin geprüft worden - keine Einwände. Die Cup-Verteidiger wurden jedoch argwöhnisch, als »Australia II« während der Ausscheidungsrennen ihre britischen, französischen, kanadischen und italienischen Gegner förmlich deklassierte.

Beunruhigt sahen die Späher der Cup-Verteidiger, daß die »Australia II« zwar täglich aus dem Wasser gehievt, ihr geheimnisvoller Kiel aber schon unter Wasser mit Schutzbezügen verhüllt wurde - die Herausforderer verrieten, sie wollten bis zur letzten Wettfahrt jedwede Nachahmung unterbinden. Bewaffnete standen Posten, fischten einen Spion samt Unterwasser-Kamera auf.

Geheimniskrämerei ist unter Seglern nicht ungewöhnlich. Hatten sich nicht die Amerikaner ähnlich hysterisch verhalten, als sie 1967 als erste ihre »Intrepid« mit einem vom Kiel unter das Heck verpflanzten Ruder aufkreuzen ließen?

Gegen die Australier führte der elitäre Club in seinem 27 Seiten umfassenden Protest an, die Seitenflossen würden in Schräglage womöglich einen unzulässig großen Tiefgang und damit einen Vorteil einbringen.

Für die spitzfindige, fruchtlose Argumentation hatte einer der Geschlagenen, der britische Team-Chef Peter de Savary, nur einen Satz: »Ein Akt der Verzweiflung.« _(12-Meter = Resultat einer Formel. Sie ) _(faßt die Maße verschiedener Bootsteile ) _(zusammen und bezieht sich nicht auf die ) _(Länge der Boote. )

[Grafiktext]

FLOSSEN AN DER FLANKE Die umstrittene Kielvariante der 12-m-Jacht »Australia II« Wasserlinie Ruder herkömmliche 12-m-Jacht eine Trimmklappe zwei Trimmklappen Seitenflossen Nasenkiel »Australia II« Bug

[GrafiktextEnde]

12-Meter = Resultat einer Formel. Sie faßt die Maße verschiedenerBootsteile zusammen und bezieht sich nicht auf die Länge der Boote.

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