Skispringer Andreas Wellinger Gold, Sturz, Comeback
Skispringer Wellinger: Der Blick geht nach vorn
Foto: Hendrik Schmidt/ dpaAm einen Tag ist da der Erfolg, Platz drei beim ersten Einzelspringen der Saison. Und eine Woche später ist das alles plötzlich Geschichte und die Saison gelaufen, innerhalb von Sekunden.
Ein Jahr ist es jetzt her, dass der Skispringer Andreas Wellinger binnen sieben Tagen so brutal mit den Höhen und Tiefen seines Sports konfrontiert wurde. In Klingenthal startete er 2014 erfolgreich in seinen dritten Weltcup-Winter, ein schwerer Sturz in Kuusamo eine Woche später warf ihn im WM-Jahr weit zurück. "Es ist passiert und das kann man nicht ändern", sagt Wellinger heute: "Und ich bin der Meinung, dass man aus negativen Sachen genauso lernen kann."
Was der 20-Jährige gelernt hat: Der Blick geht nicht zurück, sondern nach vorne. Am Samstag beginnt seine vierte Weltcup-Saison, wieder in Klingenthal. "Mir geht es ziemlich gut", sagt Wellinger im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Ich bin selbstbewusst und freue mich auf die Aufgaben, die jetzt kommen." Die erste wird ein Mannschaftsspringen sein, das das deutsche Team im Vorjahr gewann. Mit Wellinger als bestem Deutschen. "Wir sind heiß, dass es losgeht", sagt er. Wellinger ist für beide Springen gesetzt. Und er ist immer noch der Jüngste.
Wellinger bei seinem Sturz in Kuusamo: "Noch im Kopf"
Foto: Pekka Sipola/ dpaDas Training verlief planmäßig. "Wir haben die geplanten Lehrgänge durchziehen können, hatten fast immer gute Bedingungen und sind vorbereitet", so Wellinger. Das Erlebnis von Kuusamo war immer dabei, gerade in den ersten Sprüngen sei da ein "komisches Gefühl" gewesen, aber Wellinger hat es gut verarbeitet.
Es geht ja schon länger bergauf. Nach zwei Silbermedaillen bei den Junioren hatte ihn Bundestrainer Werner Schuster im Februar diesen Jahres mit zur WM genommen. Der Wettkampf von der Normalschanze war sein erster nach einer fast dreimonatigen Pause, Wellinger wurde Elfter. Es sind kleine Schritte gewesen, die ihn wieder auf sein altes Niveau heben sollten. Über 500 Sprünge hat Wellinger seit seinem Sturz in Kuusamo gemacht. Das Erlebnis sei noch immer im Kopf, aber "das ist ganz normal", sagt der Springer.
Wellinger war zunächst Nordischer Kombinierer
Der Sport ist mittlerweile Routine für Wellinger, was auf den ersten Blick verwundert, bei dem Namen, bei den Erfolgen. Aber Wellinger hat sich tatsächlich erst vor fünf Jahren für das Skispringen entschieden, vorher war es nur eine von zwei Disziplinen. Wellinger war Kombinierer. "Mir hat das Laufen einfach keinen Spaß gemacht", sagt er. Der Wechsel war das Resultat fehlender Motivation und der Erkenntnis, nicht mit den Besten mithalten zu können. "Es ist blöd, wenn man nach dem Springen führt und als Achter ins Ziel kommt."
Wellingers Talent für das Springen hingegen war unverkennbar. Nur zwei Jahre nach dem Wechsel startete er im Weltcup - als 17-Jähriger. Gleich den ersten Durchgang beendete er auf Platz eins, am Ende wurde er Fünfter. Eine Woche später gab es den ersten Sieg im Team, ausgerechnet in Kuusamo. Es folgten Podestplätze und der erste Sieg, dazu Gold mit der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.
"Gleich im Weltcup ganz vorne mitzukämpfen, damit habe ich nicht gerechnet, das hat mich sehr überrascht", erzählt er. Wellinger, der nur am Schanzentisch abheben wollte ("Alles andere versuche ich gepflegt am Boden zu machen"), war im Skispringen angekommen. Bis zu seinem Sturz in Kuusamo, dem Schlüsselbeinbruch, einer OP - und drei Monaten Pause.
Spätestens, wenn es in Klingenthal wieder losgeht, will er einen Neustart schaffen, dafür hat er sich neue Ziele gesetzt. Es geht diesmal nicht um Plätze, nicht um Ergebnisse, sondern darum, eine konstante Saison zu springen. "Im ersten Jahr bin ich nach der Tournee mit der Leistung abgefallen, im zweiten dann nach Olympia", so Wellinger: "Ich versuche einfach, bis Ende März konstant Leistung zu bringen und mich weiterzuentwickeln."
Direkt nach dem Auftakt in Klingenthal geht es wieder nach Kuusamo. "Ich freue mich extrem drauf", sagt Wellinger über seine Rückkehr an den Unglücksort. Das kommt nicht von ungefähr: "Es ist eine meiner Lieblingsschanzen, ich bin da schon extrem gut Ski gesprungen."