Doping Pechstein will trotz Sperre weiterlaufen
Hamburg - Der Antrag soll laut Pechsteins Anwalt Simon Bergmann innerhalb der nächsten zehn Tage gestellt werden. "Wir prüfen die Möglichkeit, für Claudia trotz ihrer Sperre einen Start bei den Sommerwettkämpfen im August in Hamar zu erwirken", sagte der Jurist.
Mit dem Hauptsacheverfahren, das erst im Herbst stattfinde, habe dieser Antrag direkt nichts tun tun. Welche Erfolgschancen das Unterfangen habe, sei "unklar". Er befürchte, dass der Cas keine Notwendigkeit sehen könnte, für einen Antrag, an einem relativ unwichtigen Wettkampf teilnehmen zu wollen, das Gericht zu bemühen.
Eisschnellläuferin Pechstein: Verfahren eingeleitet
Foto: Z1015 Bernd Settnik/ dpaDie Bundespolizei, Arbeitgeber der Beamtin und Unterstützer der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), hat indes wie angekündigt ein Disziplinarverfahren gegen die Olympiasiegerin eingeleitet. "Das ist ein ganz normaler Vorgang. Wir müssen so handeln, wenn ein Verdacht vorliegt", sagte Pressesprecher Jörg Kunzendorf. Vorerst hat die 38-Jährige noch nichts zu befürchten. Bis zur Entscheidung den Cas ruht das Verfahren.
Pechstein, die vom Eisschnelllauf-Weltverband Isu in der vergangenen Woche wegen auffälliger Blutwerte ohne positiven Dopingbefund für zwei Jahre gesperrt worden war, ist seit 1993 für die Bundespolizei tätig.
Andere Unterstützer der DESG haben noch keine Konsequenzen geplant. "Wir wollen noch die Entscheidungen der nächsten Tage, speziell die des Cas abwarten, bevor wir dazu Stellung beziehen", sagte Frauke Plaß, Pressesprecherin der Deutschen Kreditbank AG, SPIEGEL ONLINE. Die Bank ist einer der größten Sponsoren der DESG.
Den Vorwurf eines Kuhhandels mit Pechstein hat die Isu erneut zurückgewiesen. "Das ist sicherlich nicht in Ordnung, uns einen Deal zu unterstellen", sagte der Isu-Präsident Ottavio Cinquanta der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Diesen Vorwurf will DESG-Präsident Gerd Heinze nicht auf sich sitzen lassen. "Ich kann ihm einen Zeugen für den Deal benennen. Cinquanta sollte erst mal in seinen eigenen Kreisen bestimmte Dinge klären", sagte Heinze. Er hatte zuvor von einem Angebot des tschechischen Isu-Juristen Gerhardt Bubnik berichtet, der angeboten habe, die Affäre unter den Tisch zu kehren, wenn Claudia Pechstein ihre Laufbahn vorzeitig beende.
Die Nationale Antidoping-Agentur (Nada) hat derweil angekündigt, sich bei Bedarf aktiv in den Fall einzuschalten. "Natürlich werden wir auf Anfrage dem Eislauf-Weltverband und der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft die Ergebnisse der Blutproben von Claudia Pechstein zur Verfügung stellen", sagte die Stellvertretende Geschäftsführerin Ulrike Spitz. Pechsteins Anwalt Bergmann steht dieser Offenlegung positiv gegenüber: "Das begrüßen wir. Die Werte der Nada könnten uns die Möglichkeit geben, ein Gegenindiz zu erbringen."
Zur Anzahl der durch die Nada entnommenen Blutproben wollte sich Spitz nicht äußern. Pechstein hatte am Freitag 95 Kontrollen, die der Weltverband Isu seit dem Jahr 2000 vorgenommen hat, veröffentlicht. In 14 Kontrollen wurde ein überhöhter Retikulozyten-Wert festgestellt. Anhand dieses Indizes sperrte die Isu Pechstein für zwei Jahre.