Dopingrazzia: Österreicher knicken ein - DER SPIEGEL
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Dopingrazzia Österreicher knicken ein

Der forschen Ankündigung, offiziell gegen die Dopingrazzia in den Quartieren der Langläufer und Biathleten zu protestieren, ließ das österreichische Nationale Olympische Komitee nicht viel folgen. War alles nicht so gemeint, warb NOK-Chef Heinz Jungwirth um Verständnis.
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Turin - "Wir sind mit der Überlegung, Protest einzulegen, zu IOC-Präsident Jacques Rogge gefahren. Er hat uns allerdings klar gemacht, dass der Fall eine reine Polizeiaktion war. Danach war es kein Protest von unserer Seite, sondern eine fruchtbare Diskussion", sagte Jungwirth heute. Ganz als Gernegroß wollte Jungwirth aber nicht dastehen: "Wir haben Herrn Rogge klar gemacht, dass uns unsere Athleten über allem stehen."

Kurz zuvor hatte Jungwirth noch vollmundig angekündigt: "Wir sind natürlich in keinster Weise gegen Dopingkontrollen, aber gegen die Art und Weise, wie vorgegangen wurde, werden wir einen Protest einlegen. Es gibt genug Möglichkeiten zu testen, aber so etwas ist ein bisserl eine Schweinerei."

Bis in den frühen Sonntagmorgen hatten italienische Polizisten die privaten Unterkünfte der österreichischen Langläufer und Biathleten in Pragelato und San Sicario durchsucht. Zehn Athleten wurden zudem zur Dopingkontrolle nach Sestriere gebracht. Das Ergebnis der Analysen soll am Montag oder Dienstag vorliegen. "Wir sind sehr verärgert", sagte Biathlon-Trainer Alfred Eder.

Die rund 30 Carabinieri suchten nach dem Austria-Coach Walther Mayer, der wegen Dopingvergehen bis einschließlich der Winterspiele 2010 in Vancouver für Olympia gesperrt ist. Der 48-Jährige soll sich in den vergangenen Tagen trotz des Verbots mit seinen Sportlern getroffen haben. Mayer, nach Ansicht des österreichischen Teams als "Privatmann" bei den XX. Winterspielen, war jedoch nicht aufzufinden.

Erneut Utensilien für Blutdoping gefunden

Der Skandal um Mayer hatte vor vier Jahren als so genannte "Blutbeutel-Affäre" für Schlagzeilen gesorgt. Nach der Abreise der Österreicher aus Salt Lake City waren von einer Putzfrau im Mannschaftshotel Injektionsnadeln und Geräte für Bluttransfusionen gefunden worden. Nach dem IOC- und Fis-Reglement wurden die Fundstücke mit nachgewiesenem Blutdoping gleich gesetzt.

"Aufgrund seiner Verwicklung in Blut-Manipulationen in Salt Lake City 2002 ist es für das IOC eine Verpflichtung, Dopingkontrollen bei Athleten durchzuführen, die unter seinem Einfluss stehen könnten", hieß es in einem aktuellen IOC-Statement. Nach Informationen der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die das IOC über Mayers Aufenthaltsort informierte, soll der österreichische Trainer erneut für Blutdoping verantwortlich sein.

Jüngst hatte die Wada in Österreich Utensilien für Bluttransfusionen gefunden, die nach Ansicht der Dopingfahnder mit Mayer in Verbindung stehen. "Wir wollten eigentlich Athleten testen", sagte Wada-Chef Richard Pound, "haben aber keine angetroffen, dafür entdeckten wir Material, das für Blutdoping geeignet ist."

ach/sid/dpa