Bob-Seriensieger Francesco Friedrich Killer im richtigen Moment
Francesco Friedrich
Foto: Alexander Hassenstein/ Getty Images For IBSFEr ist der Boss der Bob-Bahnen. Keiner fährt so schnell und schnörkellos durch die Eisrinnen dieser Welt wie Francesco Friedrich. Der 28-Jährige ist aktueller Doppel-Olympiasieger, Doppel-Weltmeister, Weltcup-Gesamtsieger im Zweier und Vierer und zudem im kleinen Schlitten Europameister. "Es ist einfach sensationell, was er für ein Athlet ist. Wie er in dieser Saison bei den Weltcups vorneweggefahren ist, davor kann man nur den Hut ziehen", sagt Vierer-Weltmeister Johannes Lochner.
Die Frage, wie er eigentlich zum Bobsport kam, beantwortet Friedrich lapidar mit "mehrere Zufälle aneinandergereiht". Da war zunächst sein vier Jahre älterer Bruder. Und wie das bei Geschwistern oft der Fall ist, folgte der Jüngere dem Älteren. Auch bei den Friedrichs aus Pirna.
Bruder David verletzt sich zweimal schwer
Auf dem heimischen Stadtfest versuchte sich David auf der aufgebauten Anschubstrecke für Bobs - und kam direkt zu einem echten Probetraining. Der kleine Bruder war beeindruckt. Und ist dann einfach "immer mal ein bisschen mitgefahren", sagt Francesco Friedrich. Doch gerade, als er seine ersten eigenen Versuche an den Lenkseilen machte, stürzte Bruder David zweimal schwer: 2005 zog er sich ein Schädel-Hirn-Trauma zu, ein Jahr später brach er sich einen Rückenwirbel.
Die Verletzungen trafen auch den Bruder. "Natürlich hat mich das geschockt und ich habe gezweifelt und überlegt. Das war eine schwierige Phase", sagt Francesco Friedrich. "Irgendwann", sagt er, habe er sich "überwunden" und seinen Weg fortgesetzt. Und auch sein Bruder stieg wieder in den Schlitten. Den größten Erfolg feierte David Friedrich 2011 als Anschieber von Francesco im Vierer. Bei der Junioren-WM holten die Friedrichs zusammen Silber.
Mittlerweile ist der große Bruder Skeleton-Trainer - und Francesco Friedrich strebt bei den heute Nacht beginnenden Weltmeisterschaften auf der Olympiabahn von Whistler seinen fünften WM-Titel nacheinander im Zweier an.
Prämien decken kaum die Materialkosten
Im Gegensatz zu seinen Anfängen ist bei Friedrich heute nichts mehr Zufall, sondern alles genau geplant. Sein Sechs-Mann-Team führe er wie eine Firma, sagt Friedrich. Er hat in dieser Saison 13 der 16 Weltcup-Rennen gewonnen. Reich aber wird auch der beste Bobfahrer der Welt von seinem Sport nicht.
Pro Weltcupsieg erhält er 1000 Euro, ebenso wie seine Anschieber. Hinzu komme Geld vom Bob-Weltverband für die Gesamtsiege. Insgesamt seien es aber selbst nach einer so erfolgreichen Saison wie dieser "kaum mehr als 20.000 Euro Prämie pro Nase", sagt Friedrich. Der Großteil davon geht schon mal für eine Kufe seines Schlittens drauf, die ihn "zwischen 7000 und 15.000 Euro" kostet. Einige bekomme er zwar gestellt, mittlerweile habe er jedoch viele "private Kufen, die zum Teil besser sind".
Ein Bobfahrer benötigt 5000 bis 6000 Kalorien pro Tag
Die Bobs bekommt er gestellt. Und den Saisonetat decken seine nationalen und regionalen Geldgeber ab. "Man muss halt erfolgreich sein und dann Sponsoren bekommen", betont Friedrich. Seine Olympiasiege vor einem Jahr hätten bei der Vermarktung schon geholfen. Das Problem, sei schlicht, dass selbst in der erfolgreichen Bobnation Deutschland "unsere Sportart leider nicht so die Aufmerksamkeit hat, wie manch andere. Und es ist auch keine Sportart, die man in der Freizeit ausüben kann." Jeder könne gegen einen Fußball treten oder sich auf Skier stellen, "aber keiner kann sich vorstellen, wie das ist, was wir machen".
Die Höhe des Saisonbudgets kann Friedrich nicht genau beziffern, schätzt es aber auf "100.000 bis 150.000 Euro". Kosten die durch Material, Werkzeug, Poliermittel, Wachse, Transporter und auch Nahrungsergänzungsmittel entstünden. Friedrichs Grundbedarf liegt bei 5000 bis 6000 Kalorien pro Tag. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei einem durchschnittlichen Mann seines Alters. "So viel kann man mit herkömmlichem Essen gar nicht aufnehmen", sagt Friedrich.
Friedrich aber wolle nicht klagen. Er habe sich den Sport ja ausgesucht. Einen Sport, indem er es zum Besten seines Fachs gebracht hat. Gelingt es ihm in Kanada, im Zweier seinem fünften WM-Titel in Folge zu gewinnen, hätte er zudem den Rekord des Italieners Eugenio Monti aus den Jahren 1957 bis 1961 eingestellt - und könnte im kommenden Jahr an Monti vorbeiziehen.
Bundestrainer René Spies glaubt an Friedrichs nächsten Erfolg: "Seine absolute Stärke ist, dass er zum Wettkampfhöhepunkt seine maximale Leistung abruft, wie kein anderer. Er ist ein Killer im richtigen Moment."