Freestyle-Springen: "Woooooaaa!" - DER SPIEGEL
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Freestyle-Springen "Woooooaaa!"

Sie schrauben sich meterhoch in die Luft, vollführen spektakuläre Überschläge und gewagte Drehungen: Die Freestyle-Springer bieten die beste Show der Olympischen Winterspiele, jetzt steht das Finale an. Heikelster Moment ist die Landung.
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Freestyle-Springen: Nur fliegen ist schöner

Foto: MARK RALSTON/ AFP

Evelyn Leu nimmt Tempo auf, sie fährt den Hang hinab, sie beschleunigt auf fast 50 Stundenkilometer. Aus den Lautsprechern dröhnt Rockmusik, die Menschen am Cypress Mountain schauen gespannt auf die kleine Sprungschanze. Dann hebt Evelyn Leu ab. Sie fliegt meterhoch durch die Luft, überschlägt sich dreimal, die Zuschauer rufen "oooooh" und "woooooaaa" und als die 33-Jährige landet, jubeln sie.

Freestyle-Springen ist seit 1994 olympisch und zählt zu den spektakulärsten Wettkämpfen der Winterspiele von Vancouver. Die Athleten wirken für Sekunden schwerelos, wenn sie mit Rückwärtssaltos und mehreren Drehungen durch die Luft fliegen. Viele kommen ursprünglich aus dem Kunstturnen oder dem Trampolinspringen, dort haben sie Grundlagen für Akrobatik und Körpergefühl gelegt.

Im Gegensatz zu anderen Freestyle-Disziplinen ist großes Talent auf der Piste keine Voraussetzung. "Keiner muss Ski fahren können. Das bringen wir den Leuten schon bei", sagte der Schweizer Nationaltrainer Michel Roth der "Neuen Zürcher Zeitung". Heikelster Moment der Flugshow ist die Landung. Stürze kommen nach den vielen Rotationen in der Luft immer wieder vor. Doch wegen der vergleichsweise geringen Geschwindigkeit gehen sie meist glimpflich aus.

Im zweiten Durchgang der Qualifikation erwischt es dann auch Evelyn Leu: Die Olympiasiegerin von Turin 2006 landet auf dem Hosenboden und verpasst das Finale der besten zwölf am Mittwoch (4.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Dort zählen die Chinesinnen zu den größten Favoritinnen.

"Die jungen Athleten kennen keine Angst"

Mit vier Springerinnen sind sie in der Endrunde vertreten, darunter die Weltcup-Führende Li Nina, die in der Qualifikation das zweitbeste Ergebnis erreichte. Nur die Weißrussin Alla Tsuper flog schöner. Die Punktrichter bewerten Absprung, Flughöhe, Form und Landung. Wer in der Summe aus zwei Sprüngen die meisten Punkte bekommt, gewinnt. Auch bei den Männern zählen die Chinesen am Donnerstag (3 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu den aussichtsreichsten Medaillen-Kandidaten. Der erst 18 Jahre alte Jia Zongyang landete in der Qualifikation auf Platz eins.

"Die jungen Athleten kennen keine Angst und haben viel Energie", sagt Han Xiaopeng. Der 26-Jährige hat vor vier Jahren in Turin als erster Chinese Gold bei Winterspielen gewonnen. Seitdem interessieren sich seine Landsleute, die sonst für Wintersport wenig übrig haben, stärker für die junge Sportart. "Sie wussten nicht einmal, was ein Freestyle-Springer ist. Nun wissen sie es", sagt Han.

In Vancouver hat er den Sprung ins Finale verpasst. Nun soll Jia ihn als Olympiasieger beerben. Einer seiner schärfsten Konkurrenten ist der US-Amerikaner Ryan St. Onge, Weltmeister des vergangenen Jahres. Er ist auch schon Downhill-Rennen gefahren und gilt als echter Vorzeige-Freestyler. Vor Jahren hat er einmal das Motto ausgegeben: "Geh aufs Ganze und gewinne - oder werde Letzter".

Solche Sätze lieben Amerikaner und Kanadier. Sie wollen keine kühle Berechnung, sondern große Show. Die Chancen dafür stehen gut in Vancouver. Die deutschen Freestyle-Springer können dabei nur zuschauen - nicht ein einziger hat sich für die Winterspiele qualifiziert.