Handballer Steffen Fäth: Sprunghaftes Edeltalent - DER SPIEGEL
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Handballer Steffen Fäth Sprunghaftes Edeltalent

Fünf Clubs in vier Jahren: Steffen Fäth kommt einfach nicht an in der Handball-Bundesliga. Dabei wurde er vom Weltverband IHF zum weltbesten Nachwuchsspieler ausgezeichnet. Das "Handball-Magazin" stellt den 20-Jährigen vor, der in Wetzlar nun endlich den Durchbruch schaffen will.
Von Tim Oliver Kalle
Handballer Fäth (im Trikot des VfL Gummersbach): Nächster Anlauf in Wetzlar
Handballer Fäth (im Trikot des VfL Gummersbach): Nächster Anlauf in Wetzlar

Handballer Fäth (im Trikot des VfL Gummersbach): Nächster Anlauf in Wetzlar

Foto: Vladimir Rys/ Bongarts/Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Steffen Fäth ist kaum in Gummersbach angekommen, da ist er auch schon wieder weg. Die wenigen Monate in Diensten des Bundesligisten würde er wohl am liebsten vergessen. Fäth sitzt im Brauhaus, einem Mix aus Café, Restaurant und Kneipe mitten in der Fußgängerzone der Kreisstadt. Er sagt: "Gummersbach sollte keine kurze Episode werden."

Die dunklen Augen blicken müde und traurig, der Dreitagebart versteckt die weichen Gesichtszüge und lässt ihn erwachsener wirken. Was er sagt, klingt logisch: Er brauche Spielpraxis, die er derzeit nicht bekomme, also gehe es schon nach einer Saison weiter zur HSG Wetzlar. Der mittelhessische Club wird für ihn mit 20 Jahren seine fünfte Station sein. Dabei ist Fäth kein Legionär auf der Jagd nach dem nächstbesten Vertrag - der 1,94 Meter große Rechtshänder gilt als deutsche Hoffnung für den linken Rückraum. Zuletzt wurde er durch den Handball-Weltverband IHF sogar zum weltbesten Nachwuchsspieler ausgezeichnet. Doch in der Bundesliga ist das Edeltalent noch nicht richtig angekommen.

Obwohl er zuletzt sogar mit der Nationalmannschaft unterwegs war, wenn auch nur mit der B-Truppe. Bundestrainer Heiner Brand hat bereits ein Auge auf ihn geworfen, sein Assistent Martin Heuberger soll in der B-Mannschaft und bei den Junioren die Vorarbeit übernehmen. Heuberger sagt: "Steffen ist eines der größten Talente - zumindest im Angriff." Armzug, Schnelligkeit und Dynamik seien top, so der Trainer weiter. Dann folgt die Kritik: Jedes Jahr ein neuer Verein, das sei "nicht so glücklich. Da muss Konstanz reinkommen."

Fäth ist schon weit rumgekommen. Groß wurde er beim VfL Goldstein, einem Verein im Osten des Frankfurter Stadtteils Schwanheim. Mit sechs Jahren kam er zum Handball, fiel auf, gewann später drei Mal bei "Jugend trainiert für Olympia". Mit 17 Jahren wechselte er zur SG Wallau, die 2008 überraschend in die 2. Liga aufstieg. Ein Jahr später verpflichteten die Rhein-Neckar Löwen den jungen Mann, der gerade mit der Jugendnationalmannschaft Europameister geworden und zum wertvollsten Spieler des Turniers (MVP) gewählt worden war.

Erster Auftritt auf der ganz großen Bühne

Sogar im Halbfinale der Champions League durfte er 2009 mit den Löwen auflaufen. Natürlich war das der Verletzung des Weißrussen Siarhei Harbok geschuldet, doch "das hat mich sehr viel weiter gebracht." Trotzdem wurde er nach Gummersbach ausgeliehen.

Warum er dort nie richtig ankam? Im Sommer spielte er die U21-WM und gewann den Weltmeistertitel. Im Winter ließ er sich am Knie operieren, konnte sich nicht richtig auf den VfL vorbereiten. Die Einsätze blieben selten, immer wieder lief er in der zweiten Liga für die HSG FrankfurtRheinMain auf. Eigentlich sollte er sich als Jungstar in Gummersbach durchsetzen. Doch um nicht nur minutenweise zu spielen, setzte er sich ins Auto und fuhr nach Hessen.

Trainer Sead Hasanefendic war für Fäths sportliche Entwicklung in Gummersbach verantwortlich. Er sagt: "Steffen hat nicht dieses regelmäßige und harte Training ausgeführt. Die Welt ist hart - da muss er sich beweisen." Als Hasanefendic mit Serbien bei der EM antrat, überraschte Fäth seinen Coach mit dem Wechsel.

Bei Erfolg lockt die Rückkehr zu den Löwen

Nun folgt also in Wetzlar der nächste Versuch. Setzt er sich dieses Mal durch, winkt eine Rückkehr auf die große Bühne. Das Zwei-Jahres-Engagement in Wetzlar ist mit einem Anschlussvertrag bei den Rhein-Neckar Löwen verbunden. "Wir schauen, wie sich Steffen entwickelt", sagt Manager Thorsten Storm. "Er hat in Gummersbach zu wenig gespielt, da hätte er auch bei uns bleiben können. Aber es liegt auch an ihm, er muss sich durchsetzen."

Mit dem Umzug nach Wetzlar kommt er der Heimat wieder näher. Mutter Daniela und Vater Michael sind seine größten Unterstützer, ihre Namen hat er sich auf die Innenseiten seiner Oberarme tätowieren lassen. "Die beiden lassen mir meine Freiräume", sagt Fäth, der nach dem Realschulabschluss eine Lehre als Mechatroniker begann, aber im Pendelstress zwischen Mannheim und Wallau abbrach. In Wetzlar will er einen neuen Lehrversuch starten oder sich an das Fachabitur wagen.

Auf dem Platz sind die Erwartungen an das Edeltalent riesig. Fäth bleibt geduldig - große Vorbilder hat er sich jedoch schon einmal gesucht: "Ich muss genau so viel arbeiten wie jeder andere, und ich weiß selbst, dass es noch einige Zeit dauert, bis ich die Klasse von Lars Kaufmann und Pascal Hens habe." Um das zu schaffen, muss er endlich ankommen. Am besten schon in Wetzlar.

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