Hermann Maier Riesenrummel vor dem Comeback
Adelboden - "Für mich ist es der größte Sieg, dass ich überhaupt hier bin, aber meine sportliche Erwartungshaltung ist minimal", teilte Hermann Maier auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Adelboden am Montag mit. "Ich werde sicher nicht gewinnen. Es fehlt noch an Kraft, ich bin noch nicht 100-prozentig fit. Sechs Tage Stangentraining reichen einfach nicht aus, um hier um den Sieg mitzufahren."
Sieben Kamerateams und rund 50 Journalisten standen schon am frühen Morgen am Fuße des berühmten "Kuonisbergli", um Maier nach den ersten Probeschwüngen auf dem vermeintlich schwersten Riesenslalom-Hang der Welt in Empfang zu nehmen. Der kleine Pressesaal in der Turnhalle von Adelboden platzte aus allen Nähten, als der 30-jährige Salzburger erstmals wieder zur Öffentlichkeit sprach.
Ziel: Qualifikation für den zweiten Durchgang
"Ich freue mich, dass ich wieder da bin, Adelboden ist ein guter Platz für mich", sagte Maier, der hier bei drei Starts dreimal gewonnen hatte. "Leider wird das morgen nicht so sein. Ich will hier eine gute Leistung bringen und das bedeutet, dass ich mich für den zweiten Durchgang qualifiziere."
Eine gewisse Genugtuung konnte der Salzburger jedoch nicht verhehlen, es "all jenen gezeigt zu haben, die mich schon abgeschrieben hatten". Maier unterzieht sich beim längsten und wohl anspruchsvollsten Riesenslalom der Saison gleich einem echten Härtetest. "Eisig, rippig, pickelhart - das wird ein extremes Comeback. Doch es muss anscheinend immer extrem sein, wenn ich etwas mache. Ich kann mit meinem Fuß jedoch noch nicht voll ans Limit gehen."
22 Monate ist es her, dass Maier sein letztes Weltcuprennen bestritt. Am 10. März 2001 fuhr er beim Riesenslalom im schwedischen Are zu seinem 41. und vorerst letzten Weltcupsieg. Fünf Monate später schien die Karriere des österreichischen Ski-Helden zu Ende zu sein. Bei einem Motorrad-Unfall am 24. August
2001 in Radstadt zog er sich schwerste Verletzungen am rechten Unterschenkel zu. Zunächst befürchteten die Ärzte sogar eine Amputation.
"Zu viele Schwarzenegger-Filme gesehen?"
Nach immer wieder angekündigten und ebenso oft verschobenen Comebacks häuften sich die Zweifel, ob Maier jemals wieder auf die Skipisten zurückkehren werde. Im Sommertraining in Chile erlitt Maier zudem eine schmerzhafte Schuhrandprellung, die ihn erneut um Monate zurückwarf. Erst Mitte Dezember stieg er wieder auf die Ski, und nach einem gelungenen Training mit der ÖSV-Mannschaft in der vergangenen Woche auf der Reiteralm bei Schladming entschied er sich für die Rückkehr in den Weltcup-Zirkus.
Die österreichische Presse feiert den Auftritt des "Herminators" in der Schweiz euphorisch. "Eine Rückkehr, die an ein Wunder grenzt", fabulierte die ansonsten seriöse Tageszeitung "Die Presse". Und auch die "Kronen-Zeitung" zeigte Temperament: "Hermann kehrt zurück wie ein Herminator. Wenn er an den Start geht, dann um ganz vorne zu landen." Nur der "Wiener Kurier" hielt sich zurück: "Herminator II. Nach nur 15 Tagen auf
Skiern riskiert er ein Comeback. Hat er zu viele Schwarzenegger-Filme gesehen, hält er sich für Terminator II und versucht ein Comeback in Science-Fiction-Manier? Aber wie immer im Fall Maier: Eine Utopie wird Wirklichkeit."
Auf Grund seines Verletztenstatus darf Maier beim Riesenslalom in Adelboden mit einer Nummer zwischen 8 und 15 starten. Wunder werden trotzdem nicht erwartet. Auch sein persönlicher Trainer Andreas Evers hält einen Sieg für ausgeschlossen. "Wir sind das sehr behutsam angegangen, aber der Hermann ist bereit. Er kann
sicher sportlich mithalten. Es ist ein Unterschied, ob man einen Trainingslauf gut fährt oder sich in einem Riesenslalom mit zwei Durchgängen gut platzieren will."
Maier: WM kein Thema
Wie es nach Adelboden weitergeht, ob er auch in Wengen und Kitzbühel fährt, ob sogar ein WM-Start in St. Moritz/Schweiz (2. bis 16. Februar) in Frage kommt - darüber will Hermann Maier erst nach Adelboden entscheiden. "Im Moment verschwende ich an St. Moritz keinen Gedanken", teilte Maier, der am liebsten die restliche Weltcup-Saison Rennen fahren möchte. "Es ist für mich wichtig zu erfahren, wie die Weltklasse inzwischen Ski fährt", so Maier. "Ich kann nicht nur trainieren."
Vor der WM stehen noch die Weltcuprennen in Wengen/Schweiz und Kitzbühel/Österreich an. Geht es nach seinen Kollegen, ist Maier alles zuzutrauen. "Der Hermann ist in einer super Form", schilderte Christoph Gruber seine Eindrücke nach dem gemeinsamen Training. "Er ist hierher gekommen, um ein WM-Ticket zu erkämpfen."