Olympische Winterspiele: - DER SPIEGEL
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Olympiasiegerin ter Mors Das Rennen ihres Lebens

Die Shorttrackerin Jorien ter Mors hat mit ihrem Sensations-Gold im Eisschnelllauf eine der größten Überraschungen dieser Spiele gelandet. Für die Niederländerin ist es ein Glücksmoment nach einem "sehr harten Jahr". Ihr Erfolg wird überschattet durch schwere familiäre Schicksalsschläge.
Eisschnelllauf-Olympiasiegerin ter Mors: "Besonderes und hartes Jahr"
Eisschnelllauf-Olympiasiegerin ter Mors: "Besonderes und hartes Jahr"

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin ter Mors: "Besonderes und hartes Jahr"

Foto: MARKO DJURICA/ REUTERS
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Die 1500 Meter der Frauen gelten als die Königsdisziplin im weiblichen Eisschnelllauf. Über dieses Rennen Gold bei Olympischen Spielen zu gewinnen ist für die Athletinnen das Größte. Es ist die Distanz, auf der die Sprinterinnen und die Langstrecklerinnen zusammentreffen. Hier gewinnt, wer am vollendetsten Eis läuft, wer Technik, Ausdauer und Schnelligkeit am besten zusammenbringt.

Ein Wettbewerb wie gemacht für die Top-Favoritin dieser Tage von Sotschi, für die Niederländerin Ireen Wüst.

Am Sonntag in Sotschi gewann Wüst nur Silber. Sie wurde geschlagen von keiner ihrer Eisschnelllauf-Kolleginnen. Sie wurde besiegt von einer Shorttrackerin. Die Goldmedaille für Jorien ter Mors ist vielleicht die bisher größte Sensation dieser Spiele.

Die 24-Jährige aus Enschede ist erst 2012 ernsthaft ins Training auf der langen Eisschnelllaufbahn eingestiegen. Zwei Jahre haben ihr gereicht, um die gesamte Weltelite der Läuferinnen, die teilweise seit Jahrzehnten an ihrer Leistung feilt, zu übertrumpfen. Wüst sagt: "Jorien ist das Rennen ihres Lebens gelaufen."

Die Konkurrenz im niederländischen Eisschnelllauf ist so groß wie nirgendwo sonst auf der Welt. Das Oranje-Team ist eine Sammlung von Individualisten und Einzelkämpfern. Fast jeder, der in Sotschi von ihnen dabei ist, hat Aussichten, eine Medaille zu gewinnen. Die interne Rivalität ist gnadenlos. Und doch war keiner dabei, der es Jorien ter Mors am Sonntag nicht gegönnt hätte. Denn diese Goldmedaille hat eine Vorgeschichte.

Vater im Vorjahr gestorben, Schwester ist unheilbar krank

Der Vater von ter Mors starb im vergangenen Sommer an Krebs. Bei ihrer Schwester wurde eine unheilbare Muskelkrankheit diagnostiziert. Es gehört zu den olympischen Geschichten, dass am Ende dieses für ter Mors "so besonderen und harten Jahres" der Olympia-Triumph steht. Hollywood hat seine Hand im Spiel gehabt, könnte man denken.

Seit dem elften Lebensjahr hatte ter Mors nur Shorttrack trainiert. Weil ihr Vater Henk, einer von den Tausenden von Eisschnelllauf-Verrückten, die es in diesem Land gibt, das so wollte. Weil er glaubte, dass seine Tochter hier die besten Chancen haben würde.

Paradoxerweise konnte ter Mors bei ihrer Spezialität, den Shorttrack-Wettbewerben, in Sotschi die eigenen Erwartungen nicht erfüllen. Auf ihrer Parade-Strecke, den 1500 Metern, wurde sie nur Vierte. "Ich habe mich gefühlt, als hätte ich alles verloren", sagte sie. Am nächsten Tag wurde sie Olympiasiegerin und sagte anschließend: "Ich würde alles dafür tun, die Goldmedaille im Eisschnelllauf gegen die im Shorttrack einzutauschen."

Sie hat in Sotschi noch zweimal die Gelegenheit dazu, das Gold zu gewinnen, das für sie am hellsten glänzt. Am Dienstag gilt es für sie über die 3000 Meter (ab 11.54 Uhr) mit der Shorttrack-Staffel, am Freitag fällt die Entscheidung über die 1000-Meter-Distanz (ab 18.56 Uhr). Zudem überlegen die Team-Verantwortlichen, sie nach ihrem Goldlauf auch noch für den Mannschaftswettbewerb im Eisschnelllauf am Samstag (ab 15.14 Uhr, alle Wettbewerbe im Liveticker SPIEGEL ONLINE) zu nominieren. Es wäre das sicherste Gold dieser Spiele; niemand zweifelt angesichts der Vorleistungen daran, dass Oranje diesen Wettkampf gewinnen wird.

Ter Mors wird diese Goldmedaille gerne mitnehmen, aber ihr Herz wird nicht daran hängen: "Ich werde immer eine Shorttrackerin sein. Nur das macht mich richtig glücklich."