Olympische Winterspiele: Trotz Korea-Krise - Verbände noch entspannt - DER SPIEGEL
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Olympia in Pyeongchang Korea-Krise lässt die Winterspiele kalt

Im Korea-Konflikt gerät auch der Austragungsort der Winterspiele in die Diskussion. Noch laufen die Vorbereitungen im südkoreanischen Pyeongchang wie geplant. Aber erste Rufe nach einer Verlegung werden laut.
Maskottchen der Winterspiele von Pyeongchang
Maskottchen der Winterspiele von Pyeongchang

Maskottchen der Winterspiele von Pyeongchang

Foto: DPA
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Thomas Schwab weiß jetzt, was asiatische Gelassenheit bedeutet. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes BSD ist gerade erst aus Südkorea zurückgekehrt, wo er sich über die Vorbereitungen auf die Winterspiele in Pyeongchang im Februar informierte. Er wollte natürlich auch wissen, wie die Gastgeber der Spiele auf die unsichere politische Situation in der Region und die Provokationen des Nachbarn Nordkorea reagieren. Und was stellte er dort vor Ort fest? "Das war in Korea überhaupt kein Thema."

Daraufhin hat Schwab entschieden, sich auch keine Sorgen mehr zu machen. Vorher "habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht, ob unser Freund im Norden nicht die Gelegenheit von Olympischen Spielen ausnutzen wird". Wobei mit "unser Freund" der Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang gemeint ist. Schließlich liegt Pyeongchang keine 100 Kilometer südlich des berühmten 38. Breitengrades, der die zwei Länder seit dem Koreakrieg trennt. "Aber ich glaube, das traut er sich nicht."

Offizielle Sprachregelung des Internationalen Olympischen Komitees IOC ist, man beobachte die Situation in Korea "sehr genau" und werde "sich über die Entwicklung informiert halten". Allerdings hat IOC-Boss Thomas Bach erst vor drei Tagen Entspannungssignale entsandt. Er sei "derzeit unbesorgt", was die Spiele im Februar angehe, teilte er bei einem Besuch in Peking mit. Das IOC mache derzeit wie geplant "mit unseren Vorbereitungen weiter".

IOC-Mitglied Fasel bringt Verlegung ins Spiel

Nicht alle in der olympischen Familie sehen das so cool wie der Präsident. René Fasel, Mitglied im IOC und Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes, hatte sich dieser Tage in Schweizer Medien mit ganz anderem Tonfall zu Wort gemeldet: "Wir haben diese Woche bei uns im internationalen Hockeyverband den Korea-Konflikt thematisiert. Wir sollten einen Plan B entwerfen für den Fall, dass dieser Konflikt eskaliert." Plan B - das heißt für den Schweizer Funktionär ganz klar: eine Verlegung der Spiele an einen anderen Ort.

Fasel hatte sogar gleich Alternativen parat: Sotschi, Austragungsort der Spiele 2014, "wäre dazu in der Lage, die Spiele kurzfristig zu übernehmen", er nannte aber auch Innsbruck oder Standorte in Nordamerika als mögliche Ersatz-Ausrichter.

Für Bob- und Rodelchef Schwab allerdings ist das "ein Schmarrn, über den wir gar nicht erst nachdenken müssen". Sechs Monate vor der geplanten Austragung die Spiele noch zu verlegen - "so etwas kann man mit einer WM machen, aber nicht mit Olympia, das ist unmöglich". Wenn es auf der koreanischen Halbinsel wirklich eskalieren sollte: "Dann fallen die Spiele eben aus."

Tor für Nordkorea "bis zur letzten Minute offen"

Davon geht ernsthaft allerdings bisher niemand aus. Die Planungen dafür, dass die Spiele am 9. Februar wie vorgesehen eröffnet werden, laufen - und auch die Versuche, Nordkorea noch als olympisches Teilnehmerland zu gewinnen. Südkoreas linksliberaler Staatspräsident Moon Jae hat seit seinem Amtsantritt im Mai wiederholt betont, dass er dem Nachbarn die Tür zur Teilnahme "bis zur letzten Minute" offenhalten werde.

Bislang hat sich noch kein nordkoreanischer Sportler für Pyeongchang qualifiziert, allerdings hat sich das Eiskunstlaufpaar Tae Ok Ryom und Ju Sik Kim für die finale Olympia-Qualifikation im September in Oberstdorf, der sogenannten Nebelhorn-Trophy, angemeldet. Bei den Sportverbänden wertet man das als ein Signal, dass Pjöngjang durchaus Interesse hat, Sportler zu den Spielen zu schicken.

Die Sommerspiele 1988 in Seoul hatte der Nachbar noch boykottiert, seitdem gab es allerdings auch schon zweimal Asienspiele in Südkorea mit Beteiligung von Aktiven aus dem Norden. Rein sportlich hat das Eislaufpaar gute Aussichten, sich für Pyeongchang zu qualifizieren, Tae zund Kim gehörten bei der WM im Frühjahr zu den 15 weltbesten Paaren.

Aber auch wenn sie es nicht schaffen sollten, heißt das nicht, dass die Spiele ohne nordkoreanische Athleten stattfinden. Südkorea und das IOC sind in Gesprächen über mögliche Wildcards für Sportler aus dem Norden. "Wenn Nordkorea teilnimmt, wäre dies nicht nur ein Beitrag zum Frieden in der Region, sondern zum Frieden in der ganzen Welt", hat Moon Jae mit entsprechendem Pathos noch im Juli bei einem Treffen mit Bach betont.

Möglich scheint vieles. Es hängt alles an der Politik.