Shorttracker Silovs: Der doppelte Lette - DER SPIEGEL
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Shorttracker Silovs Der doppelte Lette

Vier Stunden, zwei Wettkämpfe, ein Mann: Der lettische Eisläufer Haralds Silovs hat für eine Premiere bei den Olympischen Winterspielen gesorgt. Als erster Athlet ging er an einem Tag in zwei verschiedenen Disziplinen an den Start. Zwischen den beiden Auftritten blieb kaum Zeit zum Atemholen.
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Hetzender Lette: Erst gleichmäßig, dann kraftvoll

Foto: JASPER JUINEN/ AFP

Hamburg - Als sich die anderen Athleten noch von den Strapazen des 5000-Meter-Rennens erholten, war der lettische Eisschnellläufer Haralds Silovs bereits auf dem Sprung. "Ich würde gerne noch bleiben, aber ich muss mich auf den Shorttrack-Wettkampf vorbereiten", sagte der 23-Jährige und fuhr vom "Richmond Olympic Oval" in das 20 Kilometer entfernte "Pacific Coliseum". Dort musste er zu seinem zweiten Start des Tages, dem Shorttracklauf über 1500 Meter, antreten - eine Premiere.

Zwei Teilnahmen an verschiedenen Wettkämpfen an einem Tag, so etwas hat es bei den Olympischen Winterspielen noch nicht gegeben. "Es ist ein bisschen verrückt", hatte Silovs schon im Vorfeld gesagt, "aber wer weiß, ob ich jemals in meinem Leben nochmal die Chance bekomme."

Sein 5000-Meter-Ergebnis, Platz 20 in 6:35,69 Minuten, war daher auch eher nebensächlich. Obwohl er knapp 17 Sekunden unter seiner persönlichen Bestzeit blieb, war seine Stimmung nach dem Rennen bestens: "Ich hätte noch ein bisschen schneller laufen können, aber ich habe erst zu spät angegriffen. Trotzdem habe ich jede Sekunde genossen", sagte Silovs - und begab sich auf den Weg zum Shorttrack-Rennen.

In dieser Disziplin ist der Lette eigentlich zu Hause. 2008 gewann er die Europameisterschaften in seinem Heimatland, unter anderem konnte er damals auch den Sieg über 1500 Meter einfahren. 2009 wurde er EM-Zweiter. In Vancouver reichte es dagegen nur für das B-Finale, insgesamt landete er auf dem zehnten Platz (2:19,435 Minuten).

Keine Probleme bei der Umstellung

Für Silovs sind es die ersten Olympischen Spiele seiner Karriere. Der 23-Jährige trainierte mit seinem niederländischen Trainer Jeroen Otter im kanadischen Calgary sowohl auf der langen Strecke als auch auf der kurzen. In beiden Sportarten sind unterschiedliche Talente gefragt. Während beim Shorttrack vor allem die Durchsetzungsfähigkeit und die richtige Taktik wichtig sind, zählen beim Eisschnelllauf ausgeglichene, kraftvolle Bewegungen und Kondition. "Für mich ist der Wechsel nicht so schwer. Es kommt eben nur auf die physische und mentale Vorbereitung an", sagte der 1,78 Meter große und 76 Kilogramm schwere Silovs.

Eine Frage stellt sich bei aller Begeisterung: Hat der Lette eine Chance auf die Olympische Medaille im Shorttrack aufs Spiel gesetzt? Bei seinem Europameistertitel 2008 benötigte er für die 1,5-Kilometer-Strecke 2:16,032 Minuten. In Vancouver hätte diese Zeit locker für eine Goldmedaille gereicht. Gewinner Lee Jung-Su aus Südkorea war im Finale 2:17,611 Minuten unterwegs. Verhinderte die Doppelbelastung eine Medaille?

Der Vergleich hinkt. Gerade bei Wettkämpfen auf dem Eis variieren die Zeiten stark von Halle zu Halle. Somit ist Silovs Entscheidung, lieber auf möglichst viele Starts - und damit auf eine olympische Premiere - zu setzen, statt auf eine Medaille zu spekulieren, durchaus nachvollziehbar.

Der gestrige Doppelwettkampftag soll für Silovs nicht der einzige seiner Art bei den Spielen in Vancouver gewesen sein. Bereits am kommenden Donnerstag ist er wieder für zwei Starts angemeldet. Um 1.15 Uhr plant er, am Herren-Eisschnelllauf über 1000 Meter teilzunehmen (Liveticker SPIEGEL ONLINE), knapp zwei Stunden später steht erneut Shorttrack auf dem Programm - dann der Vorlauf über 1000 Meter.

Mit Material von sid, dpa und AP