Skeleton-Piloten: Im Blindflug durch den Eiskanal - DER SPIEGEL
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Skeleton-Piloten Im Blindflug durch den Eiskanal

Sie rasen auf einem schmalen Schlitten kopfüber durch den Eiskanal und können dabei kaum fünf Meter weit sehen: Die Skeleton-Piloten sind die heimlichen Helden von Vancouver. Ihr Sport ist faszinierend, doch außerhalb der Olympischen Spiele interessiert das kaum jemanden.
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Skeleton-Piloten: Die heimlichen Helden von Vancouver

Foto: JIM YOUNG/ REUTERS

Was sind das für Menschen, die sich kopfüber mit 140 Kilometern pro Stunde den Eiskanal hinabstürzen? Draufgänger? Verrückte? Es sind Anwälte, promovierte Ingenieure, Landschaftsarchitekten wie der Schweizer Pascal Oswald, der Brite Kristan Bromley und der Kanadier Jeff Pain.

Die drei gehören zu den 48 Skeleton-Piloten, die an den Olympischen Winterspielen von Vancouver teilnehmen. Viel Geld können sie auf ihren Schlitten nicht verdienen. Sponsoren gibt es kaum. Denn die Öffentlichkeit interessiert sich nur alle vier Jahre für den Sport, dessen tollkühne Athleten mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Auf ihrer rasanten Fahrt durch den Eiskanal im Whistler Sliding Center können sie kaum weiter als fünf Meter sehen. Die Nase liegt nur wenige Zentimeter über dem Boden. Gelenkt wird mit kleinen Bewegungen von Schultern und Kopf. "Das ist der Reiz beim Skeleton. Wir fahren die Bahn mehr oder weniger blind runter. Trotzdem müssen wir wissen, wo wir sind, was wir machen müssen", beschrieb der Deutsche Sandro Stielicke den Nervenkitzel in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Piloten haben ihre Beinmuskeln wie Sprinter trainiert, am Start laufen sie fast 50 Meter mit dem Schlitten in der Hand, dann erst stürzen sie sich kopfüber in den Eiskanal. Schon nach wenigen Kurven erreichen sie Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern. Auf die Nackenmuskulatur wirken immense Kräfte, der Druck beträgt etwa das fünffache des Körpergewichts.

Weichen sie von der Ideallinie ab, sind Prellungen und blaue Flecken kaum zu vermeiden. Stürze geschehen eher selten, da der Körperschwerpunkt so tief liegt. Dennoch ist die Sicherheit der Athleten ein großes Thema in Vancouver - vor allem nach dem tödlichen Unfall eines georgischen Rodlers. Auch die Strecke im Skeleton wurde infolge des Dramas verkürzt. "So etwas kann man nie ganz ausblenden. Die Bahn ist natürlich sehr, sehr schnell", sagt Kerstin Szymkowiak.

"Mit den Deutschen wird zu rechnen sein"

Ebenso wie ihre deutschen Teamkolleginnen Anja Huber und Marion Trott hofft sie in Vancouver vor dem ersten Lauf (1 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf eine Medaille. Auch die deutschen Männer haben gute Chancen. Neben Stielicke gehen Frank Rommel und Mirsad Halilovic an den Start.

"Mit den Deutschen wird zu rechnen sein", sagt Goldfavorit Jon Montgomery aus Kanada, "wir werden hart arbeiten müssen, um ihnen die Medaillen streitig zu machen." Die Kanadier, traditionell stark im Skeleton, sind nervös. In der vergangenen Woche warfen sie den Deutschen vor, die Schlitten verbotenerweise mit Magnetfeldern als eine Art Stoßdämpfer zu verbessern. Ein Vorwurf, den der nationale Bob-und Schlittenverband (BSD) zurückwies. "Unsere Skeleton-Schlitten sind den ganzen Winter über kontrolliert worden. Nie ist im kleinsten Detail etwas beanstandet worden", sagte eine Sprecherin.

Eine Sache des Kopfes

In Vancouver soll es endlich die erste olympische Skeleton-Medaille für Deutschland geben. Die Sportart ist - von zwei kurzen Gastspielen 1928 und 1948 abgesehen - seit 2002 olympisch. Erstmals werden nun vier Läufe ausgetragen.

Rund 12.000 Zuschauer werden an der Bahn für eine ungewohnte Kulisse sorgen. Doch davon will sich Frank Rommel nicht einschüchtern lassen. "Alles eine Sache des Kopfes. Man muss gut vorbereitet sein. Man muss eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen", sagt er. "Es ist schön, wenn man mal eine solche Aufmerksamkeit bekommt."

Rommel sollte den Rummel so lange wie möglich genießen. Medaillen hin oder her - nach den Olympischen Spielen wird es nicht lange dauern, bis der Alltag einkehrt für die Skeleton-Piloten. Sie stehen im Schatten von Biathleten, Langläufern und Bobfahrern. Rommel wird also wieder Geld zählen müssen - leider jedoch nicht sein eigenes. Der 25-Jährige macht in Bad-Salzungen (Thüringen) gerade seine Lehre als Bankkaufmann.

mit Material des sid

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