Ski Alpin Maier und Gerg melden sich zurück
Lake Louise - Ausgerechnet an ihrem Schicksalsberg hat Hilde Gerg ein grandioses Comeback im alpinen Ski-Weltcup gefeiert. Exakt ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss an selber Stelle raste die 28-jährige Lenggrieserin bei den ersten beiden Abfahrten des Winters im kanadischen Lake Louise auf die Ränge zwei und fünf und etablierte sich damit auf Anhieb wieder in der Weltspitze.
"Ich wusste, dass das Knie hält"
"Das waren zwei der schönsten Niederlagen meiner Karriere. Ausnahmsweise freut mich auch ein zweiter oder ein fünfter Platz", erklärte die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 strahlend vor Glück und lobte sich nach der sensationellen Vorstellung selbst: "Das war eine super Leistung. Ich bin total zufrieden. Ich wusste, dass das Knie hält, aber dass es gleich so gut läuft, hätte ich nie erwartet."
Am Freitag musste sich Gerg nur Olympiasiegerin Carole Montillet knapp geschlagen geben, am Samstag war die 30-jährige Französin nach zweistündiger Startverschiebung allerdings eine Klasse für sich. In 1:24,18 Minuten gewann sie ("Ich fühle mich wie eine Königin") auf wegen Neuschnee verkürzter Strecke überlegen vor den Österreicherinnen Michaela Dorfmeister (0,12 Sekunden zurück) und Renate Götschl (0,23). Hilde Gerg (0,84) blieb nur knapp hinter der Kanadierin Emily Brydon (0,69). Die 19-jährige Maria Riesch rundete nach Platz acht zum Auftakt mit einem neunten Rang (1,08) das gute deutsche Mannschafts-Ergebnis ab.
Derweil krönte Österreichs Ski-Held Hermann Maier in Beaver Creek (US-Bundesstaat Colorado) mit dem ersten Abfahrtssieg seit seinem schweren Motorradunfall im Sommer 2001 seine Rückkehr. Am Tag vor seinem 31. Geburtstag raste der Doppel-Olympiasieger von 1998 in überlegener Manier zu seinem zweiten Saisonsieg nach dem Super-G in Lake Louise, feierte seinen 44. Weltcupsieg insgesamt und übernahm als Dreingabe auch noch die Spitze im Gesamt-Weltcup.
Der Traum des Herminators
"Es ist ein Wahnsinn, einfach ein Traum", freute sich Maier, der mit der Startnummer 16 im Ziel lange warten musste: "Ich kann es gar nicht fassen, dass ich auch in der Abfahrt schon wieder so weit bin." In 1:39,76 Minuten dominierte der "Herminator" auf einer seiner Lieblingsstrecken "Birds of Prey" (zwölf Starts, acht Siege), klar vor seinen Landsleuten Hans Knauss (0,95 Sekunden zurück) und Andreas Schifferer (1,19). Vortagessieger Daron Rahlves (USA/1,25) landete auf Platz vier.
Mit 325 Punkten führt Maier nun auch im Gesamt-Weltcup knapp vor den Österreichern Michael Walchhofer (292) und Schifferer (239). Trotzdem blieb Maier, dessen rechtes Schienbein immer noch schwer verbeult ausschaut, auf dem Boden: "Letztes Jahr habe ich mir das Rennen noch bei einer Bar-Eröffnung zu Hause in Flachau im Fernsehen angeschaut, und jetzt bin ich schon wieder ganz oben - es ist unglaublich." Nur sieben Abfahrten bestritt Maier seit seinem Motorradunfall, bei dem er beinahe sein rechtes Bein verloren hätte. Den ersten Abfahrtssieg seit dem Weltcupfinale 2001 in Are feierte er wie seinen ersten.
Die deutschen Abfahrer waren in Beaver Creek nicht vorhanden. Max Rauffer (Leitzachtal), Überraschungs-Neunter der ersten Saisonabfahrt in Lake Louise, reiste wegen einer Erkältung erst gar nicht an, Stefan Stankalla (Partenkirchen) verzichtete nach Platz 41 in der ersten Abfahrt auf einen zweiten Versuch.
Auftrieb bei deutschen Damenteam
Die Männer im Tief, die Frauen auf dem Weg nach oben. Knapp neun Monate nach ihrer Kreuzbandoperation im linken Knie bewies Hilde Gerg auf Anhieb alte Stärke: "Das waren zwei fast optimale Fahrten, auch wenn ich mich an zwei Stellen noch nicht hundertprozentig zu attackieren getraut habe."
Auch Cheftrainer Wolfgang Maier zeigte sich mit dem ersten "Speed-Wochenende" des Winters hoch zufrieden. "Dass die Hilde gleich wieder auf dem Podest landet, war extrem wichtig. Das gibt uns allen Auftrieb und ihr viel Selbstvertrauen", sagte der Coach.
Auch Maria Riesch überzeugte mit den Plätzen 8 und 9, Isabelle Huber landete auf den Plätzen 14 und 18, hinter Regina Häusl (24.) sammelte Martina Ertl als 26. der zweiten Abfahrt zumindest ein paar Punkte. Im Gesamt-Weltcup liegt Ertl hinter der Schwedin Anja Pärson (280) und Montillet (227) mit 182 Punkten auf Rang drei. Hilde Gerg (125) folgt hinter Meissnitzer (148) schon auf Rang fünf.