Skispringen Hannawald macht den Abflug
Zakopane - Martin Höllwarth gewann am Sonntag das zweite Weltcupspringen in Zakopane. Bei dichtem Schneetreiben setzte sich der Österreicher mit 252,6 Punkten (127 + 122,5 Meter) knapp vor dem Polen Adam Malysz (125,5 + 125,5 = 252,3) und dem Norweger Roar Ljökelsöy (128 + 122 = 251,5) durch. Höllwarth hatte zuletzt am 15. Dezember 2002 einen Sieg im Weltcup feiern können.
Georg Späth (124,5 + 122,5 Meter = 245,6 Punkte) wurde vor 60.000 Zuschauern Vierter. Michael Uhrmann (127,5 + 110,5 = 224,4), der am Samstag sein erstes Weltcupspringen gewonnen und dem DSV den ersten Saisonsieg beschert hatte, landete auf Rang 16. "Es macht derzeit Spaß, den beiden zuzuschauen. Mal ist der Uhri vorn, mal der Georg", sagte Bundestrainer Wolfgang Steiert.
Wenig Freude hatte Steiert an den übrigen deutschen Springern. Stephan Hocke (117,5 + 119,5 Meter = 222,6 Punkte) wurde 21., direkt dahinter folgte Alexander Herr (119,5 + 118 = 221,5). Maximilian Mechler (120,5 + 114,5 = 218,5) landete auf dem 24. Platz, Martin Schmitt (125 + 103,5 = 207,3) kam nicht über Rang 29 hinaus. "Er ist weiter auf dem richtigen Weg und muss konzentriert weiter arbeiten", sagte Steiert über Schmitt, der beim Weltcupspringen im tschechischen Liberec ausgesetzt hatte.
Jörg Ritzerfeld verpasste mit 114 Metern (101,7 Punkte) sogar den Finaldurchgang. Sven Hannawald, der am Samstag 30. und damit Letzter geworden war, trat erst gar nicht zum zweiten Springen an, sondern reiste vorzeitig ab. "Wir haben in der Nacht ein längeres Gespräch geführt und entschieden, dass Sven eine Pause einlegt. Im Moment lähmt der Kopf die Füße", sagte Steiert.
Erst Anfang Februar beim Skifliegen in Oberstdorf soll Hannawald in den Weltcup zurückkehren. Gedanken an einen endgültigen Abschied des 29-Jährigen wies Steiert zurück. "Wir haben über das Thema Karriereende gesprochen. Sven hat mir versichert, dass er seinen Sport liebt und noch zwei Jahre springen will", so der Bundestrainer, der weiterhin für Oberstdorf, Willingen (14./15. Februar) sowie die Skiflug-WM in Planica (20. bis 22. Februar) auf Hannawald baut.
"Ich finde meine Form nicht, das ist aber weniger Kopfsache", haderte Hannawald, "mir fehlt die Grundform, die ich aber nicht herzaubern kann. Ich habe irgendwo geschlafen." Während der DSV-Tross am Montag nach Japan weiterfliegt, soll Hannawald in der Heimat zu seiner Form und vor allem sich selbst finden. "Er soll sich in Ruhe auf die Höhepunkte im Februar vorbereiten", sagte Steiert, der für den Skiflug-Weltmeister den jungen Ferdinand Bader nachnominierte.
Für ein Kuriosum in Zakopane sorgte am Sonntag Wolfgang Loitzl. Der Österreicher verhakte sich mit dem rechten Ski am Balken, kam zu Fall und rutschte auf dem Rücken die Anlaufspur hinunter. "Ich bin mit dem Schuh hängen geblieben", sagte Loitzl, der rechtzeitig bremsen konnte und unverletzt blieb. Um die Anlaufspur wieder herzurichten, musste der Wettkampf für einige Minuten unterbrochen werden. Loitzl durfte den Sprung wiederholen.